Limmattal
So gehen die Bauarbeiter im Limmattal mit der Kälte um

Die Nasenspitze ist rot vor Kälte, die Fingerkuppen taub. Eisiger Wind pfeift einen um die Ohren und der matschige Schnee durchnässt die Schuhe. Wenn die Temperaturen unter die Nullgradgrenze sinken, hält sich fast niemand freiwillig länger draussen auf.

Anina Gepp
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Die Arbeiter auf der Baustelle in Dietikon müssen vor Tagesbeginn erst einmal Schneeschaufeln. (gep)

Die Arbeiter auf der Baustelle in Dietikon müssen vor Tagesbeginn erst einmal Schneeschaufeln. (gep)

AZ

Nur die Arbeiter auf dem Bau kennen kein schlechtes Wetter. «Es gibt nur falsche Kleidung», sagt Patrick Liechti, Chef der Baustelle Schachenmatt in Dietikon. Er hat sich daran gewöhnt, dass er berufsbedingt sowohl bei grösster Hitze als auch bei beissender Kälte den Tag draussen verbringt.
Südländern macht die Kälte Mühe
Für die ausländischen Arbeiter sei das Wetter in der Winterzeit viel eher ein Problem. «Viele kommen aus dem Süden, wo die Temperaturen nie so tief fallen wie bei uns», so Liechti.
Einer von ihnen ist der Spanisch sprechende Daniel Rodriguez Ares, der als Maurer auf der Baustelle arbeitet. «Es ist mühsam jetzt zu arbeiten, vor allem wenn es schneit», sagt er. Ohne dicke Wollsocken schlüpft er zurzeit nicht in seine Arbeitsschuhe. «Mehrere Pullover übereinander können zudem Abhilfe gegen die Kälte schaffen», sagt er. Der Eisenleger Fikret Hajdini wünscht sich in den Wintermonaten gar einen anderen Arbeitsplatz fernab der Baustelle. «Manchmal wäre ein Bürojob um einiges schöner», sagt der junge Kosovare.
Schneefall verzögert Bauarbeiten
Der viele Schneefall der letzten Tage hat die Bauarbeiten zudem verzögert. «Am Dienstag mussten wir erst einmal mehrere Stunden Schneeschaufeln, bevor wir mit der eigentlichen Arbeit beginnen konnten», sagt Liechti. Tragisch sei das Schneeschaufeln aber nicht. «Wir werden schliesslich dafür bezahlt.» Ob unter solchen Bedingungen weiter gearbeitet oder der Bau unterbrochen wird, entscheidet die Bauleitung.
Aufwärmen können sich die Bauarbeiter der Baustelle Schachenmatt zwei Mal am Tag in geheizten Baracken. Einmal zur Znünipause und eine Stunde lang am früheren Nachmittag. «Wir haben sogar warmes Wasser, mittlerweile sind die Baustellen gut ausgerüstet», so Liechti.
Bauleitung zeigt Verständnis
Am Riedplatz in Schlieren bekommen die Bauarbeiter noch mehr Pausen, um sich aufzuwärmen. Baggerfahrer Urs Gut sitzt in seiner Kabine zwar an der Wärme, weiss jedoch, dass seine Kollegen die an der Kälte arbeiten, froh sind über die verlängerte Zeit in den geheizten Räumlichkeiten. «Wir haben Glück mit unserer Bauleitung. Wir können sogar die Kleidung wechseln, wenn sie durchnässt ist», sagt er.
Bauleiter Christian Pesler ist es wichtig, dass seine Leute gesund bleiben: «Wir wollen die Arbeiter schliesslich nicht verheizen.» Aber eigentlich müsste der Betrieb bei diesen Verhältnissen längst eingestellt werden, sagt er. Die Baustelle sei jedoch so im Rückstand, dass man sich das nicht leisten könne.
Unbeeindruckt von Kälte und Schnee zeigen sich die Arbeiter, die das Kunsteisfeld im Limmatfeld aufbauen. «Wir kommen aus dem Tirol. Die Temperaturen hier sind nicht vergleichbar mit denjenigen bei uns zu Hause», sagt Helmut Keck. Ausserdem gebe das Schaufeln warm und er geniesse die Arbeit an der frischen Luft.