Kloster Fahr
So fällt das Loslassen von der Bäuerinnenschule weniger schwer

Die Nonnen des Klosters Fahr lebten 2015 in der Bäuerinnenschule. Priorin Irene freut sich auf die baldige Rückkehr.

Sophie Rüesch
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Über die für die Kabelverlegung offengelegten Gräben führen Holzlatten in die Zellen der Schwestern
15 Bilder
Zurzeit ist die Renovation in der Klausur - dem Wohntrakt der Schwestern - in vollem Gang
Römische Gottheit mit Brandmelder - wie hier muss bei der Sanierung vielerorts der Spagat zwischen Denkmalschutz und Sicherheitsmassnahmen gefunden werden
Kloster Fahr Jahresrückblick
Priorin Irene auf der Kloster-Baustelle, auf der zurzeit ungewohnte Festtags-Ruhe herrscht
Mit wenigen Strichen konnten die Restauratoren im Lauf der Zeit übermalte Deckengemälde wieder sichtbar machen, wie hier in der Propstei
Künftig werden die Benediktinerinnen in ihren Wohnzellen Warmwasser haben
Im Silja-Walter-Zimmer wurden zu Klumpen übermalte Stuckaturen in Präzisionsarbeit wieder in ihren Urzustand zurückversetzt
Diese Tür wird spätestens bis August 2016, wenn die Schwestern in die Klausur in der Klosteranlage zurückkehren können, wieder an ihrem Platz stehen
Die Propstei ist bereits fertig renioviert
Die offengelegten Wände zeigen die Holzkonstruktion, die dem Klosterbau zugrunde liegt
Diese Deckenmalerei in der Propstei zeigt Saturn, den römischen Gott des Ackerbaus
Das Verlegen von sicheren Elektrokabeln ist einer der Hauptgründe für die Gesamtsanierung
Die barocken Stuckaturen in der bereits fertig sanierten Propstei sind heute wieder die filigranen Ornamente, die sie einst waren
Das Abtragen der Farbschichten zeigte, wie die Täfer in den Wohnzellen im Lauf der Jahrzehnte aussahen

Über die für die Kabelverlegung offengelegten Gräben führen Holzlatten in die Zellen der Schwestern

Chris Iseli

Nein, Luxus hat der heilige Benedikt für seine Nonnen eigentlich nicht vorgesehen. Die Fahrer-Schwestern leisten sich trotzdem einen: Im Zuge der Gesamtsanierung der 1689 bis 1746 errichteten Klosteranlage werden nicht nur Fenster doppelverglast und sichere Elektroleitungen gelegt; es werden auch die Wohnzellen der Schwestern mit Warmwasser ausgestattet. «Ein klösterlicher Luxus», sagt Priorin Irene Gassmann und strahlt. «Ich denke, so viel dürfen wir uns leisten», schiebt sie nach.

Ende 2014 begannen die Arbeiten im Wohnflügel der Schwestern; sie haben das letzte Jahr in der ehemaligen Bäuerinnenschule verbracht. Über die Feiertage – für die Benediktinerinnen eine der schönsten und wichtigsten Zeiten des Klosterjahres – herrscht im West- und Südflügel, wo dieser Tage üblicherweise gehämmert, gefräst und gebohrt wird, ungewohnte Ruhe.

Es riecht nach getrocknetem Ton, Staub fliegt in der Luft, Wände und Böden sind offengelegt. In manchen Räumen braucht es einiges an Fantasie, um sich vorzustellen, dass hier bald wieder die Schwestern durch die Gänge ziehen. Doch wenn Priorin Irene vorbei an improvisierten Bretterbrücken und gestapelten Bodenplättchen durch die Flügel führt, ist ihr die Vorfreude ins Gesicht geschrieben.

Zurzeit ist die Renovation in der Klausur - dem Wohntrakt der Schwestern - in vollem Gang

Zurzeit ist die Renovation in der Klausur - dem Wohntrakt der Schwestern - in vollem Gang

Chris Iseli

Neue Räume für die Schwestern

In erster Linie geht es bei der auf 21 Millionen Franken veranschlagten Sanierung zwar darum, das Kloster brandsicher zu machen und es energetisch auf Vordermann zu bringen. Doch wenn die Schwesternschaft samstags gemeinsam die Baustelle erkundet, eröffnen sich ihr auch immer wieder neue Ideen. Ohnehin müssen angesichts des steigenden Durchschnittsalters der 20 Schwestern die Gebäude barrierefreier gestaltet werden.

So werden etwa hohe Türschwellen geebnet, damit sie auch mit einem Rollator erklimmbar sind. Andererseits bietet sich nun aber auch die Chance, Räume zu erschliessen, die bisher gefehlt haben. In der fertig renovierten Propstei zeigt Priorin Irene freudig einen neuen grossen Raum, der aus fünf kleinen entstanden ist. Und die Weberei, die in einem Eckzimmer mitten in der Klausur – dem Wohntrakt – angesiedelt war, wurde in den Dachstock im Ostflügel gezügelt.

An ihrem Platz erhalten die Nonnen nun eine Stube. «Einen Raum, in dem wir einfach zusammensein können», sagt die Priorin inmitten von Schutt und Staub. In diesem Bereich, wo ausser den Benediktinerinnen niemand etwas zu suchen hat, ist die Webstube mittlerweile ohnehin am falschen Ort: Im Kloster sind immer mehr externe Mitarbeiterinnen beschäftigt, so auch in der Weberei.

Priorin Irene auf der Kloster-Baustelle: Hier entsteht eine neue Stube.Chris Iseli

Priorin Irene auf der Kloster-Baustelle: Hier entsteht eine neue Stube.Chris Iseli

Chris Iseli

«Es hat sich wunderschön gefügt»

Zurzeit ist die Klausur in der Bäuerinnenschule untergebracht, die im Sommer 2013 den Betrieb eingestellt hatte. «Nun gehen wir in den Kanton Zürich», sagt Priorin Irene, als sie die improvisierte Klausurpforte ausnahmsweise für Fremde öffnet und über das Brücklein aus der Würenloser Enklave heraus auf Unterengstringer Boden schreitet.

Die schwarze Madonna – eine Replik des Originals, das im Bruderkloster Einsiedeln Pilger aus der ganzen Welt anzieht – begrüsst einem im Eingang des einstigen Schulgebäudes, an einer Garderobe hängen schwarze Gewänder, in einem Gestell stapeln sich Gebetbücher. Im August 2014 sind die Nonnen hierhergezügelt, im November 2016 dürften sie ihre Zellen im Klostergebäude wieder beziehen können.

Priorin Irene freut sich auf die Rückkehr, sagt sie, obwohl sie im Laufe des Jahres auch die Vorzüge der ehemaligen Schule zu schätzen gelernt hat. «Hier haben wir alles, was wir brauchen», sagt sie. «Es hat sich alles wunderschön gefügt.» Dabei geholfen, sich hier schnell heimisch zu fühlen, hat auch die Neubenennung des vertrauten Ortes: Subiaco nennen die Nonnen ihr Zuhause auf Zeit – nach der Stadt in der Nähe von Rom, wo Ordensgründer Benedikt drei Jahre lang zurückgezogen in einer Höhle gelebt haben soll. Hierhin ging im Herbst auch die erste gemeinsame Pilgerreise der Schwestern – «ohne den Umzug wären wir gar nie auf die Idee gekommen», so die Priorin.

Mit dem Aufenthalt in ihrem eigenen «Subiaco» können die Schwestern zudem den Abschied von der Bäuerinnenschule besser verarbeiten: «Dadurch, dass wir die Schule noch einmal neu belebt haben, erhielt sie einen letzten Zweck», sagt die Priorin. «So fällt das Loslassen leichter.»