Nein, Luxus hat der heilige Benedikt für seine Nonnen eigentlich nicht vorgesehen. Die Fahrer-Schwestern leisten sich trotzdem einen: Im Zuge der Gesamtsanierung der 1689 bis 1746 errichteten Klosteranlage werden nicht nur Fenster doppelverglast und sichere Elektroleitungen gelegt; es werden auch die Wohnzellen der Schwestern mit Warmwasser ausgestattet. «Ein klösterlicher Luxus», sagt Priorin Irene Gassmann und strahlt. «Ich denke, so viel dürfen wir uns leisten», schiebt sie nach.

Ende 2014 begannen die Arbeiten im Wohnflügel der Schwestern; sie haben das letzte Jahr in der ehemaligen Bäuerinnenschule verbracht. Über die Feiertage – für die Benediktinerinnen eine der schönsten und wichtigsten Zeiten des Klosterjahres – herrscht im West- und Südflügel, wo dieser Tage üblicherweise gehämmert, gefräst und gebohrt wird, ungewohnte Ruhe.

Es riecht nach getrocknetem Ton, Staub fliegt in der Luft, Wände und Böden sind offengelegt. In manchen Räumen braucht es einiges an Fantasie, um sich vorzustellen, dass hier bald wieder die Schwestern durch die Gänge ziehen. Doch wenn Priorin Irene vorbei an improvisierten Bretterbrücken und gestapelten Bodenplättchen durch die Flügel führt, ist ihr die Vorfreude ins Gesicht geschrieben.

Zurzeit ist die Renovation in der Klausur - dem Wohntrakt der Schwestern - in vollem Gang

Zurzeit ist die Renovation in der Klausur - dem Wohntrakt der Schwestern - in vollem Gang

Neue Räume für die Schwestern

In erster Linie geht es bei der auf 21 Millionen Franken veranschlagten Sanierung zwar darum, das Kloster brandsicher zu machen und es energetisch auf Vordermann zu bringen. Doch wenn die Schwesternschaft samstags gemeinsam die Baustelle erkundet, eröffnen sich ihr auch immer wieder neue Ideen. Ohnehin müssen angesichts des steigenden Durchschnittsalters der 20 Schwestern die Gebäude barrierefreier gestaltet werden.

So werden etwa hohe Türschwellen geebnet, damit sie auch mit einem Rollator erklimmbar sind. Andererseits bietet sich nun aber auch die Chance, Räume zu erschliessen, die bisher gefehlt haben. In der fertig renovierten Propstei zeigt Priorin Irene freudig einen neuen grossen Raum, der aus fünf kleinen entstanden ist. Und die Weberei, die in einem Eckzimmer mitten in der Klausur – dem Wohntrakt – angesiedelt war, wurde in den Dachstock im Ostflügel gezügelt.

An ihrem Platz erhalten die Nonnen nun eine Stube. «Einen Raum, in dem wir einfach zusammensein können», sagt die Priorin inmitten von Schutt und Staub. In diesem Bereich, wo ausser den Benediktinerinnen niemand etwas zu suchen hat, ist die Webstube mittlerweile ohnehin am falschen Ort: Im Kloster sind immer mehr externe Mitarbeiterinnen beschäftigt, so auch in der Weberei.

Priorin Irene auf der Kloster-Baustelle: Hier entsteht eine neue Stube.Chris Iseli

Priorin Irene auf der Kloster-Baustelle: Hier entsteht eine neue Stube.Chris Iseli

«Es hat sich wunderschön gefügt»

Zurzeit ist die Klausur in der Bäuerinnenschule untergebracht, die im Sommer 2013 den Betrieb eingestellt hatte. «Nun gehen wir in den Kanton Zürich», sagt Priorin Irene, als sie die improvisierte Klausurpforte ausnahmsweise für Fremde öffnet und über das Brücklein aus der Würenloser Enklave heraus auf Unterengstringer Boden schreitet.

Die schwarze Madonna – eine Replik des Originals, das im Bruderkloster Einsiedeln Pilger aus der ganzen Welt anzieht – begrüsst einem im Eingang des einstigen Schulgebäudes, an einer Garderobe hängen schwarze Gewänder, in einem Gestell stapeln sich Gebetbücher. Im August 2014 sind die Nonnen hierhergezügelt, im November 2016 dürften sie ihre Zellen im Klostergebäude wieder beziehen können.

Priorin Irene freut sich auf die Rückkehr, sagt sie, obwohl sie im Laufe des Jahres auch die Vorzüge der ehemaligen Schule zu schätzen gelernt hat. «Hier haben wir alles, was wir brauchen», sagt sie. «Es hat sich alles wunderschön gefügt.» Dabei geholfen, sich hier schnell heimisch zu fühlen, hat auch die Neubenennung des vertrauten Ortes: Subiaco nennen die Nonnen ihr Zuhause auf Zeit – nach der Stadt in der Nähe von Rom, wo Ordensgründer Benedikt drei Jahre lang zurückgezogen in einer Höhle gelebt haben soll. Hierhin ging im Herbst auch die erste gemeinsame Pilgerreise der Schwestern – «ohne den Umzug wären wir gar nie auf die Idee gekommen», so die Priorin.

Mit dem Aufenthalt in ihrem eigenen «Subiaco» können die Schwestern zudem den Abschied von der Bäuerinnenschule besser verarbeiten: «Dadurch, dass wir die Schule noch einmal neu belebt haben, erhielt sie einen letzten Zweck», sagt die Priorin. «So fällt das Loslassen leichter.»