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So erlebte Nationalrat Hans Egloff seinen Einzug ins Parlament

Der neue Limmattaler Nationalrat Hans Egloff (SVP) im Interview

Der neue Limmattaler Nationalrat Hans Egloff (SVP) im Interview

Feierlich und trotzdem familiär ist die Stimmung beim Mittagessen im Café Fédéral in Bern, wenige Schritte vom Bundeshaus entfernt. Hans Egloff genehmigt sich ein Tatar, seine Ehefrau Andrea und eine Freundin haben Wiener Schnitzel bestellt.

Die beiden Frauen scherzen, dass sie später auf der Publikumstribüne des Nationalratssaals ein „Egloff"-Plakat entrollen würden. Er lacht und sagt: „Ich habe euch doch eingebläut, dass das verboten ist."

Alle guten Dinge sind drei

Es sind noch rund zwei Stunden bis zur Eröffnung der Wintersession des Nationalrats. Und noch gut zweieinhalb Stunden, bis Hans Egloff zusammen mit 199 Ratskolleginnen und -kollegen vereidigt wird - als erster Vertreter des Limmattals im Bundesparlament seit acht Jahren. Geschlafen habe er ruhig in der letzten Nacht, erzählt der SVP-Politiker. Erstaunlich ruhig: „Gewöhnlich erwache ich morgens schon um 5.15 Uhr, noch vor dem Wecker. Diese Nacht habe ich wie ein Stein geschlafen." Spätestens beim Anziehen wurde ihm allerdings bewusst, dass ein besonderer Tag bevorsteht.

Ein Tag, auf den der Jurist und Präsident des Zürcher Hauseigentümerverbands jahrelang hingearbeitet hat - bis seine dritte Kandidatur für den Nationalrat am 23. Oktober mit einem Wahlsieg belohnt wurde. Kein Wunder, musste die Krawatte gestern am ersten Sessionstag besonders gut sitzen. „Ich überprüfte zwei-, dreimal, ob sie wirklich schön gebunden ist", erzählt Egloff.

Eine Liga höher als Kantonsrat

Der Maitre de Service des Café Fédéral erscheint Tisch und fragt, ob die Speisen munden. Egloff bejaht und sagt zu seinen Begleiterinnen: Er habe schnell gespürt, dass in Bern eine andere Atmosphäre als am Zürcher Limmatquai herrsche. „Das hier ist eine Liga höher als der Kantonsrat, wo ich 16 Jahre lang politisiert habe."

Los ging es bereits kurz nach seiner Wahl zum Nationalrat. Der Briefkasten seines Hauses in Aesch füllte sich mit Post verschiedenster Interessensgruppen, die ihn für ihre Anliegen gewinnen wollen. „Nur schon für heute Abend habe ich acht Einladungen von Lobbyisten erhalten." Auch Berner Hotels umwarben ihn mit Broschüren, damit er während der Session in einem ihrer Zimmer übernachtet. Gewählt hat er das Hotel Bellevue - wie das Café Fédéral ein Klassiker in Sichtweite zum Bundeshaus.

Der Badge: Sein ganzer Stolz

Um 13.35 Uhr ordert Egloff die Rechnung und verlässt das Restaurant. Seine Begleiterinnen sind bereits aufgebrochen, um sich im Bundeshaus einen Platz auf der Publikumstribüne zu ergattern. Auf dem Bundesplatz hat sich eine Schar Kameraleute eingefunden, bekannte Nationalräte werden interviewt. Auch Egloff wird abgesprochen - allerdings von einer englischsprachigen Touristin, die eine Sehenswürdigkeit sucht.

Giert auch er nach Medienpräsenz? „Nein, ich schmiede lieber Allianzen im Hintergrund, denn als Polterer im Scheinwerferlicht zu stehen", sagt Egloff. Seinem Image aus Kantonsratszeiten wolle er treu bleiben: Er sei ein engagierter Politiker, der für verschiedenste Ideen ein offenes Ohr habe. Höhere Priorität als ein TV-Auftritt habe für ihn, möglichst schnell wichtige Kontakte in Parlament und Bundesverwaltung zu knüpfen - Kontakte, die er im Interesse der Hauseigentümer und der Limmattaler Bevölkerung nutzen will.

Ein Götti im Bienenhaus

Am Haupteingang des Bundeshauses präsentiert Egloff seinen Badge und wird eingelassen. Seine Ehefrau und ihre Kollegin mussten das Gebäude wie alle anderen Besucher durch den rückseitigen Eingang betreten. Im Nationalratssaal findet Egloff seinen Sitzplatz in der ersten Reihe neben Hans Killer (SVP, Aargau) problemlos. Denn bereits am Morgen hat er den Saal ausgekundschaftet, und dessen Atmosphäre in einem stillen Moment auf sich wirken lassen.

Mit der Ruhe ist es um 14.30 vorbei. Die Nationalräte lauschen der „Feuerwerksmusik" von Händel, es folgen Ansprachen zur Eröffnung der Legislatur, und Sopranistin Noëmi Nadelmann singt im roten Abendkleid die Nationalhymne. Um 15.15 Uhr erheben sich die Parlamentarier zur Vereidigung. „In diesem Moment realisierte ich: Jetzt gilt es ernst", sagt Egloff später in der Wandelhalle, die einem Bienenhaus gleicht. In der Aufregung der ersten Stunde habe er beinahe vergessen, sich in die Präsenzliste einzutragen. Ohne diese Unterschrift wäre ihm sein Sitzungsgeld entgangen. „Ich bin froh, dass Hans Killer sich mir als Nationalrats-Götti anerboten hat", sagt Egloff, bevor er wieder in den Saal entschwindet, wo bald über Massnahmen zur Wahrung der inneren Sicherheit debattiert wird.

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