Schlieren
Skulpturen im öffentlichen Raum stossen bereits wieder an

Die neuen Werke im öffentlichen Raum ereilt dasselbe Schicksal wie ihre Vorgänger. Bereits regt sich Widerstand. Zwei Gemeinderäte kritisieren die Kunstobjekte und sehen darin Sicherheitsrisiko.

Sophie Rüesch
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«Steine des Anstosses»:Namenlose Skulptur von Piero Maspoli bei der Unterführung an der Badenerstrasse. sru

«Steine des Anstosses»:Namenlose Skulptur von Piero Maspoli bei der Unterführung an der Badenerstrasse. sru

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Seit Ende Mai schmücken sechs neue Kunstwerke das Schlieremer Stadtbild. Sie sind Teil des Projekts «Skulpturen in Schlieren», das seit acht Jahren von der Stadt und der Arbeitsgemeinschaft Zürcher Bildhauer (AZB) durchgeführt wird (die Limmattaler Zeitung berichtete). Doch kaum stehen die neuen Werke an ihrem Platz, regt sich bereits Widerstand. Postwendend gingen beim Stadtrat zwei Kleine Anfragen ein, in denen sich die Gemeinderäte Daniel Wilhelm (CVP) und John Daniels (FDP) kritisch zur Skulpturenausstellung äussern.

Nun ist es in Schlieren nichts Neues, dass Kunst im öffentlichen Raum nicht überall gut ankommt. Auch Piero Maspolis titelloses Werk auf dem Stadtplatz sorgte 2006 für so viel Aufregung, dass die Steinplatte seither nur noch als «Stein des Anstosses» bekannt ist. Damals äusserte Gemeinderätin Trudy Schönbächler (CVP) ihre Skepsis ebenfalls anhand einer Kleinen Anfrage, in der sie die Stolpergefahr des Objekts hervorhob. Letztlich verschob die Stadt Maspolis Skulptur aus Angst vor Unfallklagen und säumte sie mit weissen Markierungen.

Skepsis über Sicherheit der Werke

Auch Daniels und Wilhelm konzentrieren sich in ihren Vorstössen auf Fragen der Sicherheit. So will Daniels wissen, ob die knapp über dem Boden liegenden Werke zur Verminderung der Stolpergefahr nicht eingehagt werden können und ob Stadt oder Künstler für mögliche Unfälle versichert sind.

Wilhelm macht sich besonders Sorgen um die Sichtbarkeit der vor dem Stadthaus liegenden Skulptur «Der tote König» von Heinz Niederer. Der Gemeinderat fragt die Stadt, ob «etwas unternommen» werde, um die Unfallgefahr des Werks zu bannen.

Niederers Skulptur wurde laut Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP) mittlerweile mit einem Baustellenkegel ausgestattet – zur Sicherheit. Ausserdem sollen, wie bei Maspolis «Stein des Anstosses», weisse Markierungen für Sehbehinderte dazukommen. «Wir nehmen das Verletzungspotenzial der Skulptur ernst und klären so schnell wie möglich, ob zusätzliche Massnahmen notwendig sind», sagt Brühlmann.

Stadtrat: «Teil der Stadt»

Er gibt zwar zu bedenken, dass die Skulptur ja eigentlich in niemandes Weg steht. Trotzdem wolle die Stadt nicht «darauf warten, bis jemand darübergestolpert ist», so Brühlmann. Von einer allfälligen Demontage will Brühlmann aber nichts wissen: «Ich will niemandem versprechen, dass wir diese schönen Kunstwerke gleich wieder entfernen.»

Dass die beiden Gemeinderäte auch sonst nicht viel von dem Projekt halten, ist in ihren Anfragen bestenfalls hauchdünn verhüllt. So schreibt Daniels in seiner Anfrage: «Es ist Geschmacksache, ob die ‹Skulpturen› Gefallen finden.» Auch Wilhelm kann es allem Anschein nach kaum erwarten, bis die Werke wieder weg sind. Zwei seiner vier Fragen befassen sich mit der Ausstellungsdauer der neuen Werke; zudem will er wissen, wann Maspolis «Stein des Anstosses» entfernt wird.

Doch dieser wird nicht so schnell verschwinden. Im Mai 2012 schrieb der Stadtrat als Antwort auf eine weitere kritische Anfrage von EVP-Gemeinderat Erwin Scherrer, die Skulptur sei «Teil der Stadt» geworden. Man habe «zurzeit keinen Anlass, die Skulptur zu entfernen oder zu verschieben». Daran halte man vorerst fest, so Brühlmann. «Von unserer Seite gibt es keinen Grund, das Werk vor dem Stadtplatz-Umbau zu entfernen.»

Es könne nicht die Strategie der Stadt sein, wegen kritischer Stimmen der Gestaltung im öffentlichen Raum keine Beachtung mehr zu schenken, sagt Brühlmann. «Wir wollen die einmalige Chance, mit diesen Künstlern zusammenzuarbeiten, nutzen.» Zudem wüssten sie mittlerweile aus Erfahrung, dass das gesamte Projekt neben Zustimmung immer auch Anlass zu erregten Diskussionen gebe. «Wir sind bereit, uns dem zu stellen», so der Stadtpräsident.

Und was meint der Künstler dazu? «Wenn unsere Skulpturen allen gefallen würden, hätten wir etwas falsch gemacht», sagt Heinz Niederer. Und fügt hinzu: «Eigentlich bin ich jedem, der Einsprache erhebt, dankbar.» Die Sicherheit liege zwar auch ihm am Herzen, deshalb habe er sich bei der Installation gerne dazu überreden lassen, die Skulptur noch etwas weiter ans Stadthaus zu schieben – «eigenhändig, und ohne Kosten zu verursachen». Doch vor allem müsse Kunst Reibungsflächen erzeugen und zu Diskussionen anregen. «Und diese läuft ja nun», freut sich Niederer.

Mindestens darin sind der Künstler und Wilhelm sich einig. Wilhelms abschliessende Bemerkung in der Anfrage lautet: «Das Ziel ist erreicht – die Werke führen schon jetzt zu regen Diskussionen.»

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