Dietikon

Skulptur steht seit 25 Jahren zum Verkauf bereit

Sogar die Stadt findet, dass die Skulptur «Sphäre II» auf der Nötzliwiese inzwischen zu Dietikon gehört. Für 4000 Franken liess sie die Skulptur auffrischen, ein Kauf kommt derweil nicht infrage. Rue

Sogar die Stadt findet, dass die Skulptur «Sphäre II» auf der Nötzliwiese inzwischen zu Dietikon gehört. Für 4000 Franken liess sie die Skulptur auffrischen, ein Kauf kommt derweil nicht infrage. Rue

Das Kulturmagazin «Escapade» schreibt das Werk zum Verkauf aus und will damit für den Umgang mit Künstlern sensibilisieren. Die Stadt habe hier Nachholbedarf.

Gillian White gab bereits vielen Regionen ein Gesicht. Wer in den Bözbergtunnel fährt, durch Lattingen am Bielersee flaniert oder im Zug an Dietikon vorbeifährt, sieht die imposanten Skulpturen der Leibstädter Künstlerin mit englischen Wurzeln. Ihr Werk «Sphäre II» auf der Dietiker Nötzliwiese an der Limmat beim Bahnhof prägt das Stadtbild bereits seit 1989. Nur wenige wissen jedoch, dass sie seit je eine Leihgabe ist, die zum Verkauf steht.

Das Kulturmagazin «Escapade» thematisierte dies in seiner kürzlich erschienenen Ausgabe und rief die Leser zugleich dazu auf, Kaufangebote bei der Redaktion zu platzieren. Andreas Babic, «Escapade»-Herausgeber, veröffentlichte diese unkonventionelle Kunstausschreibung, weil er sich wünscht, dass die Stadt Dietikon respektvoller mit ihrer Kunst im öffentlichen Raum umgeht. «In anderen Städten ist es üblich, dass Werke auf öffentlichem Grund einen Bildungsauftrag erfüllen», sagt Babic und weist darauf hin, dass zu jedem Objekt eine Hinweistafel mit Informationen zu Künstler und Werk montiert sein sollte. «Bei ‹Sphäre II› erhält der Passant jedoch keinerlei Informationen über Gillian White. Dies zeugt von wenig Wertschätzung der Stadt gegenüber der Künstlerin», so Babic. Dietikon verpasse es zu oft, seine öffentlichen Kunstwerke zu beschriften.

Was verspricht sich Babic vom öffentlichen Aufruf? Seriös gemeinte Angebote könnten direkt an die «Escapade»-Redaktion geleitet werden, heisst es im Magazin. Babic relativiert: «Dieser Aufruf ist ein Stück weit ironisch gemeint.» Daraus soll eine Diskussion, darüber wie die Stadt mit ihren Künstlern umgehe, entstehen, sagt er. Aber auch die Bedeutung Dietikons als Kulturstadt solle wieder thematisiert werden. «Mit der Ausstellung ‹Eisen 89›, wegen der damals die Skulptur nach Dietikon kam, hatte die Stadt eine nationale Ausstrahlung bei Kunstschaffenden und Kunstinteressierten», so Babic. Leider seien diese Zeiten vorbei.

Die Künstlerin freut sich ob der Aufmerksamkeit, die ihre 25-jährige Skulptur erneut erhält. «Natürlich hoffe ich, dass beim Magazin Angebote eingehen», so Gillian White. Für welchen Preis die Skulptur ihren Besitzer wechseln würde, will die 75-Jährige jedoch nicht verraten — alles sei verhandelbar. Gegenüber der Stadt hegt sie keinen Groll. «Zwar haben sich die Verantwortlichen der Stadt nie bei mir bedankt, dafür wurde die Skulptur kürzlich geflickt», so White. Zwar sei sie für die Sanierungsarbeiten nicht um die Erlaubnis gefragt worden, aber so habe sie diese immerhin nicht selber verrichten müssen.

Die Stadt liess die Elemente der Skulptur richten und teilweise mit neuen Blechen einschweissen. Auch die Fundamente wurden erneuert, da verschiedene Elemente der Eisenplastik Witterungs- und Korrosionsschäden aufgewiesen haben, wie Maya Herzig, Kultursekretärin der Stadt Dietikon, auf Anfrage erklärt. Kostenpunkt: 4000 Franken.

Wäre es für die Stadt nicht sinnvoll, die Skulptur zu erwerben, da sie für deren Sanierung bereits Geld in die Hand genommen hat? Babic und White glauben nicht daran. White weiss, dass die Stadt bereits auf mehrere Briefe von Kunstkritikern und -historikern, in denen sie einen Kauf von «Sphäre II» anregten, nicht reagierte. Auch Babic hält die Stadtfinanzen zurzeit für zu angespannt, als dass man sich zum Erwerb einer Skulptur hinreissen liesse.

Dies bestätigt auch Maya Herzig. Auf Anfrage lässt sie ausrichten, dass ein Kauf aufgrund der finanziellen Situation zurzeit nicht möglich sei. Trotzdem verweist sie darauf, dass auch die Stadt finde, dass die Skulptur inzwischen zum Ortsbild Dietikons gehöre. «Nicht nur für die Besucher der Nötzliwiese, sondern auch für die zahlreichen Zugreisenden auf der Ein-, Aus- und Durchfahrt.»

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