Schlieren
Skatepark: Die Anwohner bleiben weiterhin hart

Nach erneutem Rekurs sistiert der Stadtrat das Verfahren, um auf anderem Weg eine Lösung zu finden.

Florian Niedermann
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Der Stadtrat will den geplanten Skatepark nicht umzäunen. Er befürchtet, dass mit dem Zaun beim Fussballplatz eine «Wirkung wie im Gefängnis» entstände.

Der Stadtrat will den geplanten Skatepark nicht umzäunen. Er befürchtet, dass mit dem Zaun beim Fussballplatz eine «Wirkung wie im Gefängnis» entstände.

Florian Niedermann

Der Skatepark im Schlieremer Zelgliquartier gerät erneut ins Wanken: Dreimal reichte die Stadt Schlieren bereits ein Baugesuch für die geplante Anlage ein. Und schon zum dritten Mal rekurrieren Anwohner nun beim Baurekursgericht. Dies, weil sie die Lärmemissionen der Anlage fürchten. Zweimal gab ihnen das Gericht teilweise recht. Die Stadt musste jeweils neue Baugesuche aufgrund aktualisierter Lärmgutachten erarbeiten und die Betriebszeiten der Anlage einschränken. Bei der dritten Baueingabe vom vergangenen Juli erklärte die Stadt, das überarbeitete Gutachten sei «wasserdicht» (die Limmattaler Zeitung berichtete). Dennoch folgte vor einigen Tagen prompt wieder ein Rekurs der Anwohner. Werkvorstand Stefano Kunz (CVP) sagt, er sei darüber nicht überrascht, aber enttäuscht. Aufgeben will der Stadtrat das Projekt, für welches das Parlament 2010 einen Kredit in der Höhe von 350 000 Franken gesprochen hat, dennoch nicht: «Wir finden, der Skatepark ist wichtig und am richtigen Ort geplant», so Kunz. Er erwägt nun, eine Lösung des Konflikts auf anderem Weg zu erreichen.

Rekurrenten bestehen auf Zaun

Jean-Marc Fischer, der die Anwohner als Wortführer vertritt, begründet den erneuten Rekurs mit zwei zentralen Argumenten: Zum einen verzichte die Stadt auch im aktuellen Baugesuch auf eine Umzäunung des Skateparks. «Damit überlässt der Stadtrat die Durchsetzung der Betriebszeiten den Anwohnern», sagt er. Dies entspreche nicht dem Vorsorgeprinzip. Andere Anlagen, wie der Skatepark Brunau in Zürich, zeigten, dass solche Umzäunungen Sinn machen, so Fischer.

Dazu habe die Stadt die Empfehlungen des Baurekursgerichts teilweise missachtet. So sehe die Betriebsregelung von Montag bis Freitag zwar ein Nutzungsverbot zwischen 12 und 13 Uhr sowie nach 20 Uhr vor. Für den sonntäglichen Betrieb sei die Stadt dem Entscheid des Gerichts aber nur so weit gefolgt, dass sie die Mittagsruhezeit auf zwei Stunden erhöht habe. Die Empfehlung, den Betrieb erst um 10 Uhr beginnen zu lassen und bereits um 19 Uhr zu beenden, habe die Stadt nicht berücksichtigt. «Es mutet schon seltsam an, wenn der Stadtrat dem Rat des Baurekursgerichts nicht folgt», sagt Fischer. Dazu gebe es im Lärmgutachten einige Faktoren, welche die Stadtverwaltung aus seiner Sicht falsch interpretiert habe.

Kunz entgegnet dem, dass die Betriebszeitenbeschränkung am Sonntag jener der angrenzenden Fussballplätze und der allgemeinen Lärmverordnung der Stadt entspreche. «Die Vereine am Sonntag ab 8 Uhr morgens auf dem Kunstrasenplatz Fussballspielen zu lassen, aber den Skatern direkt daneben den Zugang zur Skateranlage erst um 10 Uhr zu gewähren, wäre absurd», sagt er. Gemäss den Empfehlungen des Baurekursgerichts sei im aktuellen Baugesuch eine Lärmschutzwand zwischen dem angrenzenden Wohngebäude geplant. Kunz ist überzeugt: «Mit diesen Massnahmen wäre das Lärmproblem des Skateparks gelöst.»

Eine Umzäunung kommt für die Stadt vor allem aus raumgestalterischen Überlegungen nicht infrage: Zum einen seien um die Anlage auch Aufenthaltsstrukturen für Nichtnutzer des Skateparks vorgesehen, welche keinen Sinn machen würden, wenn dieser eingezäunt sei, so Kunz. «Und dazu ist bereits der Kunstrasenplatz eingezäunt. Kommt noch ein Zaun dazu, entsteht eine räumliche Wirkung wie in einem Gefängnis. Das wäre ein unschöner Ort im Quartier.»

Angesichts der verhärteten Fronten im Rechtsstreit um das Projekt will der Werkvorstand nun auf anderem Weg erreichen, dass es bald zu einer Umsetzung kommt: «Wir versuchen, eine aussergerichtliche Lösung mit den Anwohnern zu finden», erklärt er. Der Stadtrat habe zu diesem Zweck einem Verfahrens-Sistierungsgesuch des Baurekursgerichts stattgegeben. Diesen Weg schlug die Stadt unter dem damaligen Ressortvorsteher Christian Meier (SVP) bereits 2012 ein – die Gespräche mit rund 60 Anwohnern um Wortführer Fischer blieben allerdings ergebnislos. Es folgte der zweite Rekurs.

Mehr Erfolg mit direktem Kontakt?

Warum sollten die Verhandlungen heute anders verlaufen? «Wir suchen diesmal den direkten Weg zu den eigentlichen Rekurrenten», sagt Kunz. Rekursberechtigt sei aufgrund ihrer Wohnlage nur eine Person – nicht aber Wortführer Fischer, der weiter von der fraglichen Parzelle entfernt wohnt. «Wir hoffen, dass dieser Wechsel der Gesprächspartner auf beiden Seiten Bewegung in die Sache bringt», so Kunz.

Führt der geplante Dialog nicht zu einer Lösung, so droht bereits der dritte Entscheid des Baurekursgerichts. Fürchten die Anwohner nicht, dass in der Öffentlichkeit der Vorwurf mangelnder Kompromissbereitschaft laut werden könnte? «Diesen Vorwurf lasse ich nicht gelten», sagt Fischer, «wir sind keine Querulanten. Unsere Einwände basieren auf Fakten.» Wenn die Stadt einen Skatepark am Rande einer Wohnzone errichten wolle, sei es an ihr, dafür zu sorgen, dass die Wohnqualität der Anwohner dadurch nicht eingeschränkt werde. «Ansonsten muss sie einen anderen Standort suchen», so Fischer.