Lesebänkli
Sitzbänkchen laden zum Lesen ein

Dietikon Eine Aktion zum Schmökern und Verweilen: Die Stadtbibliothek hat Sitzbänke mit Büchern bestückt.

Tobias Hänni
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Ein Bänkli am Fluss bietet Lesestoff. hae

Ein Bänkli am Fluss bietet Lesestoff. hae

Tobias Hänni

Sommerzeit ist Lesezeit – das gilt für viele, die sich in ihren Ferien an einen Strand fläzen und dicke Wälzer verschlingen. Doch es muss nicht in die Ferne schweifen, wer in fremde Welten eintauchen will. In Dietikon laden seit Mitte Juni bei verschiedenen Sitzbänken in der Stadt Bücherkisten zum Lesen ein. Die bunten Plastikkisten sind an den Bänken festgemacht und gut gefüllt mit gebrauchten Büchern.

Ihr Absender: die Stadtbibliothek Dietikon. Alte Bücher, die dort nicht mehr gebraucht werden, sollen so weiter genutzt werden, sagt Leiterin Agnes Matt. «Jeden Bibliothekar schmerzt das Herz, wenn er Drucksachen entsorgen muss.» Doch das Erneuern des Bestandes gehöre zum Auftrag der Bibliothek — jedes Jahr werden 10 Prozent des Bestandes ausgetauscht. Inspiriert von anderen Gemeinden kam Matt die Idee, mit den Lesekisten die Bücher vor der Entsorgung zu retten. «Als ich das andernorts gesehen habe, dachte ich: Das ist eine tolle Sache.»

Nicht den Rucksack füllen

Zusammen mit dem städtischen Werkhof hat die Bibliothek sechs Bänkli mit Büchern «ausgerüstet»: Beim Inseli an der Limmat, auf der Freizeitanlage Chrüzacher, beim Marmoriweiher, in der Grunschen, auf dem Spielplatz Vogelau und im Junkholz. «Wir haben bewusst Standorte gewählt, an denen die Menschen nicht bloss vorbeijoggen, sondern die zum Verweilen einladen», erklärt Matt die Auswahl.

In den Kisten befinden sich jeweils etwa 20 Werke, neben Belletristik auch Sachbücher. «Wir dachten, die eignen sich möglicherweise besser zum Schmökern als dicke Romane», sagt Matt. Wem ein Buch sehr gefalle, der könne es auch zu Hause fertig lesen. «Die Idee ist aber nicht, dass sich Leute den Rucksack füllen und damit zum Flohmarkt gehen», mahnt Matt.

Die Lesebänkli sind vorerst als Versuch gedacht. Kommen sie bei der Bevölkerung an, soll das Projekt aber weitergeführt werden. Rückmeldungen gab es bereits. «Wir haben sehr schnell positive Feedbacks erhalten», sagt Matt. Für die Bücher beim Junkholz sei am selben Tag, an dem die Kiste deponiert wurde, eine erfreuliche Rückmeldung von Spaziergängern eingegangen.

Bereits Opfer von Vandalen

Allerdings wurde auch bereits eine Kiste Opfer von Vandalen. «Die haben die ganze Kiste samt Inhalt in den Bach geworfen», erzählt Matt. Von diesem negativen Erlebnis lässt sie sich aber nicht entmutigen. «Wir geben das Projekt deshalb nicht gleich auf.» Vorerst sollen die Bücherkisten bis September die Dietiker zum Verweilen und Lesen animieren. «Aber abhängig vom Wetter gestalten wir die Dauer des Projekts flexibel», sagt Matt.

Eine ähnliche Aktion führt die Bibliothek bereits seit ein paar Jahren erfolgreich im Fondli durch. Gäste der Badi können sich dort während der Sommerferien aus einer Kiste bedienen. Und für Leute, die Bücher gerne ihr eigen nennen und sie nach der Lektüre in ihr Regal stellen wollen, veranstaltet die Bibliothek heute einen Flohmarkt. Dieser dauert von 10 bis 13 Uhr und findet bei schönem Wetter auf dem Vorplatz, bei Regen in der Bibliothek statt.