Für die 31 anwesenden Mitglieder des Gewerbevereins Birmensdorf / Aesch war es eine harzige Angelegenheit. Am Freitagabend mussten Nachfolger für die beiden scheidenden Mitglieder des Vorstands, Karl Besier und Präsident Peter Rasi, gefunden werden. In der mehrere Stunden andauernden Diskussion – nur eine Person stellte sich zur Verfügung – wurde der Nutzen des Gewerbevereins stark hinterfragt. Dies komme nur selten vor, heisst es vonseiten des Gewerbeverbands. Mit Ausnahmen kämpfen auch andere Gewerbevereine in der Region um Nachwuchs.

Ein junger Handwerker ergriff im Gemeinschaftszentrum Brüelmatt das Wort, als die Frage im Raum stand, wer sich für einen Sitz im Vorstand interessiert. Er verwies darauf, dass der Verein zu einer Nostalgiefloskel geworden sei, die für den Vorstand einen enormen Zeitaufwand bedeute. Zudem springe nicht sonderlich viel für den einzelnen Gewerbler heraus.

So sei beispielsweise speziell im Baugewerbe die Konkurrenz aus dem süddeutschen Raum derart gross, dass gar viele gemeindeeigene Aufträge an dort ansässige Unternehmen vergeben würden. Zuletzt mahnte er die Anwesenden, sich im Raum umzuschauen: «Gesamthaft sind nur drei Menschen in diesem Raum unter dreissig», der Verein habe sich überlebt. Mehrheitlich ältere Mitglieder intervenierten, verwiesen darauf, dass man gegenüber der Politik geschlossen als Gewerbler auftreten müsse. Wortgefechte mit denselben Argumenten folgten.

Der anwesende Präsident des Gewerbeverbands Limmattal, Gregor Biffiger, ergriff das Wort. Mit persönlichen Anekdoten, wie ihm die Mitgliedschaft im Verein geholfen habe, und dem Verweis, dass die politische Hintergrundarbeit der Gewerbevereine nicht immer sofort sichtbar sei, brachte er die Stimmung im Saal zum Kippen.

Der Vorstand konnte am Ende mit zwei bisherigen und sieben neuen Gewerblern besetzt werden (Limmattaler Zeitung vom Montag). Das Ende des Vereins, der in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiert, war somit abgewendet.

Es geht auch anders

Biffiger ist jedoch noch immer überrascht vom Gesagten an der Versammlung — er besucht die Generalversammlungen jedes der acht Mitgliedervereine des Gewerbeverbands Limmattal. «Es kommt nur selten vor, dass der Nutzen des Vereins derart infrage gestellt wird», sagt er. Natürlich habe sich die Gesellschaft seit der Gründung der Gewerbevereine verändert: «Es liegt jedoch primär an jedem Verein selber, aktuell zu bleiben», sagte er weiter.

Biffiger räumt ein, dass Gewerbevereine bei der Vergabe von Aufträgen der öffentlichen Hand durchaus selbstbewusster auftreten dürften. «Städte und Gemeinden haben die Möglichkeit, die Vergabepraxis so auszurichten, dass das heimische Gewerbe grössere Chancen auf den Zuschlag hat», sagt er. Dies gelte es durchzusetzen.

Ein Blick in die Region zeigt: Es geht auch anders. In Geroldswil und Oetwil lässt sich ein Positivbeispiel finden. Im dortigen Gewerbeverein ist kein Vorstandsmitglied über 45 Jahre alt und nach Angaben von Präsident Reto Müller verzeichnet der Verein in den letzten Jahren wachsende Mitgliederzahlen und hat keine Probleme bei der Besetzung von Posten im Vorstand.

Laut Müller würde der Beisitzer jährlich wechseln. Auf diese Weise gewinne die jeweilige Person Einblicke in die Vorstandsarbeit, ohne eine langfristige Verpflichtung einzugehen. «In der Regel rutschen die Beisitzer nach einem Jahr in den Vorstand, weil das Amt ihre Hemmschwelle für die Arbeit im Gremium gesenkt hat», sagt Müller.

Verjüngung in Schlieren und Uitikon

Gewerbevereine würden wie alle anderen Vereine auch um Neumitglieder kämpfen, sagt etwa Thomas Landis, Präsident des Gewerbevereins Schlieren. Bei der anstehenden Generalversammlung sei eine Verjüngung des Vorstandes geplant, sagt er. In Uitikon konnten laut GV-Präsident Otto Frei just vergangene Woche zwei «junge» um die Vierzig in den Vorstand gewählt werden.

Eine Überalterung stellt er nicht fest. «Es liegt in der Natur der Sache, dass sich nicht viele Menschen, die jünger als dreissig sind, selbstständig machen», sagt er.

Beim Urdorfer Gewerbeverein werde die Grundsatzfrage nach dem Nutzen des Vereins nur selten thematisiert, wie Präsident Stefan Schmid auf Anfrage sagt. «Unsere Mitglieder wissen, dass kein direkter finanzieller Vorteil auf sie wartet, der Gewinn besteht eher im Netzwerken unter den örtlichen Gewerblern », so Schmid.