Damit hatte im Rennen um das Gemeindepräsidium in Unterengstringen wirklich niemand gerechnet. «Wir haben insgesamt vier mal gezählt, sowohl von Hand als auch mit der Maschine», sagte der abtretende Gemeindepräsident René Rey (FDP) am Apéro vor dem Gemeindehaus. Doch das Resultat war jedes Mal exakt dasselbe. Nach monatelangem Wahlkampf und einem knappen ersten Wahlgang sorgte gestern eine einzige Stimme für den Unterschied. Mit 442 Stimmen wurde Simon Wirth (FDP) zum neuen Gemeindepräsidenten gewählt. Sein Konkurrent Marcel Balmer (SVP) musste sich mit 441 Stimmen begnügen.

Entsprechend gut war die Stimmung bei den zahlreich zum Apéro erschienen FDP-Mitgliedern, während Wirth, der noch als Vizepräsident und Hochbauvorstand amtet, mit Glückwünschen eingedeckt wurde. «Ich freue mich sehr über die Wahl und werde mir Mühe geben, das Gemeinderatsteam gut zu führen», sagte er. Auch Rey zeigte sich erleichtert: «Ich bin froh, dass ich als letzten Akt keinen Losentscheid zwischen zwei Gemeinderatskollegen durchführen musste.»

Der unglücklich unterlegende Balmer war ebenfalls erschienen, um dem neuen Gemeindepräsidenten zu gratulieren. Ihm stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben: «Im ersten Moment ist es bitter, eine Stimme zu wenig geholt zu haben», sagte er. Dennoch zeigte er sich als guter Verlierer und tauschte einige Spässe mit Wirth aus. Trotz der Enttäuschung freue es ihn, dass die Wahlbeteiligung mit 40,2 Prozent um knapp 10 Prozent höher lag als noch im ersten Wahlgang. Das unterstreiche, dass «die Wahl ums Präsidium Emotionen geschürt hat».

Keine Sorge um Zusammenarbeit

Wirth und Balmer sind sich einig, dass der lange und spannende Wahlkampf sehr fair geführt wurde. «Auch während dieser Zeit konnten wir im Gemeinderat gut zusammenarbeiten», sagt Wirth. Alle Auseinandersetzungen seien immer auf sachlicher Ebene geführt worden, ergänzt Balmer. Folglich sind beide optimistisch, dass die Zusammenarbeit in Zukunft weiterhin gut klappen wird.

Dass der 70-jährige Wirth zu alt für das Amt sein könnte, wie ihm von der Gegenseite teilweise vorgeworfen wurde, ist für ihn kein Thema. Es gehe jetzt darum, in den nächsten vier Jahren gute Arbeit zu leisten und die Gemeinde weiterzubringen, so Wirth. Was dann bei den nächsten Wahlen passiere, sei noch völlig offen. Auch wenn er eher nicht denke, dass er erneut antreten wird.

Auch Finanzvorstand Balmer wird in den nächsten vier Jahren im Gemeinderat politisieren. Aber noch steht nicht fest, welche Funktion er übernehmen wird: «Als Immobilienfachmann interessiert mich auch das Hochbauressort.» Dieses wird aufgrund von Wirths Wahl frei.

Trotz des denkbar knappen Entscheids sind die politischen Weichen in Unterengstringen damit für die nächsten vier Jahre gestellt. Wenn sich der neue Gemeinderat im Juli konstituiert hat und die Ressorts verteilt sind, kehrt der politische Alltag zurück ins Dorf.

Schon beim ersten Wahlgang am 15. April lagen beide Kontrahenten äusserst nah beieinander. Nur 6 Stimmen lag Wirth (307 Stimmen) vor Balmer (301 Stimmen), weshalb beide das Absolute Mehr von 338 Stimmen verpassten und der zweite Wahlgang nötig wurde.