Es sind nicht die markigen Sprüche, die das Publikum in der Oetwiler Dorfscheune vom Appenzeller Simon Enzler begeistern. Er gehört nicht zur Fraktion der Schenkelklopfer, deren Publikum sich von schnell aufeinanderfolgenden Pointen kaum erholen kann. Nein, Simon Enzler führt eine feine Humorklinge, die oft auch mit einer Prise Satire gespickt ist. Letztes Jahr wurde Simon Enzler sogar mit dem Schweizer Kabarett-Preis Cornichon ausgezeichnet.

Dabei sah es für Simon Enzler erst gar nicht so gut aus. Nachdem er in Kloten Flugzeuge aufgeräumt und in der Zürcher Sihlpost Nachtschichten geschoben hatte, brach er nach der Rekrutenschule auch noch nach vier Semestern sein Studium ab. Also machte Enzler, der schon während seiner Schulzeit Kabarett betrieb, sein Hobby zum Beruf. Was blieb ihm auch anderes übrig, denn mit seiner Mathenote hätte man ihn an der ETH höchstens ausgelacht.

Leserbriefe und Klimakatastrophe

Die Figur, die Enzler auf der Bühne verkörpert, könnte man gut und gerne mit einem alternden Männlein vergleichen, das am Stammtisch über Gott und die Welt lästert. So erklärt er sehr einleuchtend, dass er trotz Klimakatastrophe ohne schlechtes Gewissen mit dem Auto in die Ferien fährt. Denn 30 Kühe produzieren pro Jahr so viel Methan wie 14 000 gefahrene Autokilometer. Der Mann redet schneller, als er denkt, was ihn derart in Rage bringt, dass er sich nach Luft ringend auf der Armlehne seines in die Jahre gekommenen Bürostuhls ausruhen muss.

Genauso kann sich Enzler über rhetorische Fragen und Bemerkungen in Leserbriefen - die überflüssigste Form von Literatur - göttlich ärgern. Auch seine süffisante Auseinandersetzung zum Thema Auferstehung begeistert: Wenn man dann die Ruhe gefunden habe, warum brauche es dann trotzdem noch das ewige Licht? Wohl dieser Stromrechnungen wegen würde das mit dem Atomausstieg nie klappen. Bühnenpartner Daniel Ziegler begleitet Simon Enzler im Programm «Vestolis» mal als Bassist, mal als Experte. Die Augen verdrehend, treibt er das absurde Geschehen auf die Spitze.

Am Ende des Abends ist klar: Simon Enzler ist ein charismatischer und gewiefter Wortakrobat, der seine Heimat liebt. Oder wie sein Grossvater einst sagte: «Wenn die Leute so lieb und das Land so schön wären, dann wären wir in Appenzell im Paradies.»