Silja Walters Werk ist untrennbar mit dem Kloster Fahr verbunden. Über 60 Jahre lang lebte sie als Schwester Maria Hedwig in der Benediktinerinnengemeinschaft am Rande der Stadt, wie sie das Fahr in einem Gebet beschrieb. In dieser Zeit entstand auch der grösste Teil ihres literarischen Werkes, das neben Lyrik auch Mysterienspiele und Theaterstücke umfasst. Nun wird der schreibenden Nonne, die Anfang 2011 im Alter von 91 Jahren verstarb, in der Propstei des Klosters ein eigener Raum gewidmet. Kommenden Samstag wird er eröffnet.

Die Idee eines Silja-Walter-Raums existiert schon seit einiger Zeit. «Nur wussten wir noch nicht, in welchem Zimmer er eingerichtet werden soll», sagt Priorin Irene Gassmann. Nach der Sanierung der Propstei habe man sich für das ehemalige Arbeitszimmer des Propstes mit seiner schönen Stuckdecke entschieden. Zu sehen und hören gibt es dort zahlreiche Texte, Film-, Ton- und Fotodokumente. Etwa Auszüge aus dem Radiogespräch von 1982, das Silja Walter mit ihrem Bruder, dem Schriftsteller Otto F. Walter, führte und aus dem der Gesprächsband «Eine Insel finden» hervorging. Aber auch persönliche Objekte wie die Schreibmaschine der Schriftstellerin werden ausgestellt. Und auch dem weniger bekannten bildnerischen Werk der Künstlerin wird Platz eingeräumt.

«Silja Walter hat ein umfassendes Werk hinterlassen. Uns ist es ein Anliegen, dass es im Kloster weiterlebt», sagt die Priorin. Zudem wolle man Silja Walters Schaffen durch den Raum auch den nächsten Generationen zugänglich machen. «Älteren Menschen ist Silja Walter noch immer ein Begriff, aber viele jüngere Leute kennen sie nicht», so die Priorin. Dabei gebe es noch so viel zu entdecken.

Ab 2017 sind Führungen geplant

«Bei der Gestaltung der Ausstellung habe ich festgestellt, wie zeitlos vieles im Werk von Silja Walter ist», sagt die Priorin. Dies gelte etwa in Bezug auf die Stellung der Frau in der katholischen Kirche. Fragen über Mitbestimmung der Frauen, die heute aktuell seien, habe Silja Walter schon vor dreissig Jahren aufgeworfen. «Auch ihre Beschreibung des Klosters Ende der 1970er-Jahre, das zwischen zwei Autobahnen liegt und von wo aus man Kräne in Schlieren erspäht, könnte aus der heutigen Zeit stammen», so die Priorin.

Vorerst wird der Raum jeden letzten Sonntag im Monat nach dem Gottesdienst ab etwa 10.45 Uhr bis 14 Uhr geöffnet sein. Der Zutritt ist kostenlos. «Wir wollen Erfahrungen sammeln, wie die Ausstellung bei den Besuchern ankommt», sagt die Priorin. Ab neuem Jahr seien dann Führungen geplant. «Ich könnte mir vorstellen, dass dieses Angebot von Schulklassen oder Studenten genutzt wird», so die Priorin. Dabei werden die Besucher auch einiges über die lange und bewegte Geschichte des Klosters Fahr sowie den Alltag der Benediktinerinnen erfahren. «Damit wollen wir den Leuten zeigen, wie Silja Walter gelebt hat», sagt die Priorin.

Ein Leben, das 1948 begann. Damals im März trat Silja Walter – nach einem Berufungserlebnis ein Jahr zuvor am Schwarzsee bei Zermatt – in das Benediktinerinnenpriorat Kloster Fahr ein. Dort legte sie am 11. Oktober 1949 ihre ersten Gelübde ab. Mit dem Schreiben hatte sie jedoch schon früher begonnen, wie sie anlässlich eines Interviews zu ihrem 90. Geburtstag erzählte. «Das Schreiben ist in unserer Familie ein Erbstück. Bei mir hat es wie von selbst begonnen. Anfangs habe ich mich in Gedichten ausgedrückt. Das erste habe ich im Alter von 16 oder 17 Jahren verfasst.»

Als Schriftstellerin, die ins Kloster eingetreten ist, wollte sich Silja Walter jedoch nicht verstehen. «Man geht nicht ins Kloster, um sich von der Welt abzuschotten, sondern um etwas für die Welt zu tun. Das Bedürfnis, dies mitzuteilen, hat immer mehr nach aussen gedrängt», sagte sie einst. Sie habe gemerkt, dass dies ihre Berufung sei. «Die Berufung, als Nonne zu schreiben. Die Berufung für Gott und die Begabung zu schreiben, haben sich immer stärker vereinheitlicht.»