Limmattal
«Sieben Kilogramm in sieben Tagen sind zu viel»

Die Limmattaler Ernährungsexpertin Ursula Baumgartner rät von Blitzdiäten zum Start der Badisaison ab. Da würden nur Muskelmassen abgebaut werden und am Schluss komme es zum frustrierenden Jojo-Effekt.

Anina Gepp
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Wer für den Sommer in Form sein will, sollte seine Ernährung besser dauerhaft umstellen.

Wer für den Sommer in Form sein will, sollte seine Ernährung besser dauerhaft umstellen.

Keystone

Frau Baumgartner, wenn es draussen wärmer und die Kleidung kürzer wird, muss der verbliebene Winterspeck purzeln. Gerade zu Sommerbeginn sind Blitzdiäten besonders hoch im Kurs. Diese versprechen, in kürzester Zeit zu grossem Erfolg zu führen. Was halten Sie als diplomierte Ernährungsfachfrau davon?

Ursula Baumgartner: Blitzdiäten brauchen einen starken Willen, weil sie ständig hungrig machen, oft zu grosser Müdigkeit oder Gliederschmerzen führen und sehr einseitig sind. Für mich total falsche Voraussetzungen für eine nachhaltige Gewichtsreduktion.

Sie raten also davon ab.

Ursula Baumgartner Die Ernährungskonzepte der diplomierten Ernährungsberaterin in Dietikon und Schlieren setzen Nahrungsmittel in möglichst naturbelassener Form ein. Gewürze und Kräuter spielen dabei eine unterstützende Rolle. Ihr ist es wichtig, dass gemeinsam gefundene Lösungen für ihre Klientinnen und Klienten alltagstauglich und einfach durchführbar sind. So will Baumgartner das gesteckte Ziel erreichen und Wohlbefinden und Gesundheit fördern.

Ursula Baumgartner Die Ernährungskonzepte der diplomierten Ernährungsberaterin in Dietikon und Schlieren setzen Nahrungsmittel in möglichst naturbelassener Form ein. Gewürze und Kräuter spielen dabei eine unterstützende Rolle. Ihr ist es wichtig, dass gemeinsam gefundene Lösungen für ihre Klientinnen und Klienten alltagstauglich und einfach durchführbar sind. So will Baumgartner das gesteckte Ziel erreichen und Wohlbefinden und Gesundheit fördern.

Limmattaler Zeitung

Ja. Blitzdiäten sind Augenwischerei. Sieben Kilogramm in sieben Tagen abnehmen ist viel zu schnell. Diese schnelle und grosse Gewichtsreduktion entsteht hauptsächlich durch Wasser- und Eiweissverlust. Es wird also vorwiegend Muskelmasse abgebaut. Und das Fatale: Wird anschliessend wieder so gegessen wie vorher, bildet der Körper neue Fettreserven. Der typische Jojo-Effekt mit erneuter Frustration ist gestartet.

Was empfehlen Sie Ihren Klienten stattdessen?

Auch wenige Wochen vor den Ferien kann eine motivierte Ernährungsumstellung durchaus sinnvoll sein. Doch wer abnehmen will, muss auch satt werden. Nüsse oder Käse mit Gemüse sind empfehlenswert. Gipfeli, Teigwaren und Guetzli hingegen sind sogenannte schnelle Kohlenhydrate, weil sie den Blutzucker schnell und stark erhöhen und damit rascher wieder Hunger machen. Meine Empfehlung sind drei ausgewogene Mahlzeiten mit Eiweiss, Fett und Vollkornprodukten, die auf die Grösse und das Gewicht der betroffenen Person abgestimmt sind. Zwischen den Mahlzeiten genügend Wasser trinken und sich Zeit nehmen um zu Essen tut gut.

Genügend Schlaf soll auch beim Abnehmen helfen.

Ja, denn dieser trägt nachweislich zur Gewichtsreduktion bei. Stress kann auch zur Gewichtszunahme führen. Darum muss auch beim Sport darauf geachtet werden, dass Bewegung Erholung und nicht noch mehr Stress ist. Für manche Menschen ist Walking in einem zügigen Tempo Stressabbau, für andere ist es genau das Gegenteil.

Welcher Sport eignet sich für diese Menschen besser?

Ruhigere Sportarten, gemächliches Tempo oder Massagen sind für sie empfehlenswerter. Eine andere Möglichkeit wäre, Alltagsbewegungen bewusster einzusetzen. Das heisst, öfters zu Fuss zu gehen oder Treppen zu steigen.

Helfen fettreduzierte und künstlich gesüsste Nahrungsmittel auch beim Abnehmen oder ist das ein Diätmythos?

Der Irrglaube, dass solche Produkte beim Abnehmen helfen, ist weit verbreitet. Es braucht viel Aufklärungsarbeit, warum alle diese meist stark verarbeiteten Nahrungsmittel nicht satt machen, sondern zu häufigerem und mengenmässig grösserem Essen führen. Damit sind die Gewichtsprobleme meist vorprogrammiert.

Wo liegt das Problem bei zu wenig Fett?

Oft werden die guten Öle so stark reduziert, dass die Aufnahme der fettlöslichen Vitamine A, D, E, K und wichtigen Fettsäuren gefährdet ist oder Haut und Haare sehr trocken und spröde werden.

Gesundheitstipp: Energydrink

1 kleiner Apfel
1-2 Wirzblätter
2-4 Eichblattsalatblätter
2-4 Rucolablätter
evtl. 2-3 Zitronenmelisseblätter
ca. 2 dl Wasser

Alle Zutaten zerkleinern und in einem Standmixer verrühren.

«Ein ideales Frühstück in nur fünf Minuten. Die Wirkung ist dem gekauften Energydrink deutlich überlegen», sagt Ursula Baumgartner.

Die Angst vor Fett ist also unbegründet.

Die Angst vor Fett ist riesig. Dabei wird nicht zwischen den stark verarbeiteten Fetten und den wertvollen Ölen unterschieden. Dieses Denken führt direkt ins aufwendige und hilflose Kalorien- oder Punkte zählen. Decke ich den Tagesbedarf mit Zucker und Weissmehl bin ich dauernd hungrig und müde. Esse ich eine gut zusammengestellte Mahlzeit, zum Beispiel Gemüse oder Salat mit gekochten Linsen oder gebratenen Pilzen, bin ich satt und erhalte eine Vielzahl von Vitalstoffen. Und das erst noch meist mit deutlich weniger Kalorien.