Limmattaler Ortsmuseen

Sie zeugen davon, wie unsere Urgrosseltern gelebt haben

Mitte des letzten Jahrhunderts entstanden in der Region die ersten Ortsmuseen – die damit eine Pionierrolle in der Schweiz einnehmen.

Es sind spektakuläre Funde, die derzeit im Museum Rietberg gezeigt werden. Ein Team um Unterwasser-Archäologe Franck Goddio hat im Meer vor Ägypten zwei längst versunkene Städte entdeckt. Die schönsten dieser antiken Objekte sind nun in Zürich zu sehen, in der grössten Ausstellung, die das Museum Rietberg je gestemmt hat.

So spektakulär ist der Auftritt der sechs Limmattaler Ortsmuseen selten. Dennoch lohnt sich ein Besuch allemal. Denn auch in den Ortsmuseen wird Geschichte erlebbar gemacht, Dorfgeschichte. Alte Alltagsgegenstände zeugen vom Leben, wie es zu Zeiten der Grosseltern, der Urgrosseltern einmal war. Und sie zeigen auf, wie sich die Gemeinde, die Region, zu dem entwickelt hat, was sie heute ist. In Ortsmuseen fühlt man sich schnell wohl, kommt mit anderen Gästen ins Gespräch und kann dort genauso spannende Stunden verbringen wie bei den grossen Geschwistern in der Stadt. Und für manch einen Gast ist der Besuch im Ortsmuseum auch eine Reise in die eigene Vergangenheit.

Das Museum im Untergeschoss des Gemeindehauses ist jeweils am ersten Sonntag des Monats von 10 bis 12 Uhr offen.

Das Museum im Untergeschoss des Gemeindehauses ist jeweils am ersten Sonntag des Monats von 10 bis 12 Uhr offen.

Ort zum Innehalten

Das erlebt Rolf Wild, Präsident der Vereinigung für Heimatkunde Schlieren, immer wieder. Derzeit läuft die Wechselausstellung «Schule auf Schritt und Tritt». Sie zeigt die Schlieremer Schule aus verschiedenen Blickwinkeln. Zu sehen sind unter anderem viele Klassenfotos, alte Schulbänke oder einst gebräuchliches Schreib- und Unterrichtsmaterial. Dabei kommt es laut Wild immer wieder zu Aha-Erlebnissen bei älteren Besuchern. Aber auch Schulklasseen, die die Ausstellung besuchten, würden immer wieder staunen, wie früher unterrichtet wurde, sagt Rosina Dedik vom Ortsmuseum. «Viele Schüler kommen nochmals mit ihren Eltern vorbei», so Dedik.

Für Wild und sein Team ist es wichtig, mit dem Museum zu zeigen, dass das Dorf lebt. «Eine Gemeinde entwickelt sich stetig. Das wollen wir mit dem Museum abbilden», sagt Wild. Deshalb wolle man in Zukunft den Fokus auf die Industrialisierung Schlierens richten. Gleichzeitig sei ein Museum auch dafür da, in schnelllebigen Zeiten innezuhalten und zurückzublicken, so Wild.

Im Ortsmuseum Schlieren an der Badenerstrasse 15 ist derzeit die Wechselausstellung

Im Ortsmuseum Schlieren an der Badenerstrasse 15 ist derzeit die Wechselausstellung

Auch in Dietikon erfreuen sich die alten Klassenfotos bei den Museumsbesuchern grosser Beliebtheit. Überhaupt verfügt man im Bezirkshauptort über eine umfangreiche Fotosammlung, die zudem noch grösser werden soll. «Wir suchen vor allem nach alten Fotos und Handschriften mit Bezug zu Dietikon, weniger nach alten Werkzeugen. Davon gibt es in Spreitenbach bereits eine grosse Sammlung», sagt Museumsleiterin Regula Stauber.

Bei der Vergrösserung des Fotobestandes sei man auf die Hilfe der Einwohner angewiesen. Zum Glück gebe es immer wieder Leute, die vorbeikommen und Fotos mitbringen würden. «Wichtig ist, dass die Bilder beschriftet sind, damit man weiss, was darauf zu sehen ist», so Stauber. In einer Datenbank werden sie dann erfasst. Neben Fotografien und schriftlichen Zeugnissen etwa aus der Franzosenzeit von 1799 beherbergt das Dietiker Ortsmuseum unter anderem auch eine Ausstellung über die Römerzeit und den Zweiten Weltkrieg.

Gerade bei Gruppen seien Führungen durch den Festungsbunker Vogelau äusserst beliebt, so Stauber. Ihr sei es wichtig, dass auch die nachfolgenden Generationen einen Bezug zur Geschichte ihrer Gemeinde hätten.

Ergänzt werden diese Dauerausstellungen durch Sonderausstellungen. «Wir versuchen, immer aktuell zu sein, und bieten Vereinen, die ein Jubiläum feiern, die Möglichkeit, sich im Museum zu präsentieren», sagt Stauber. Aktuell ist eine Ausstellung zum 125-Jahre-Jubiläum der Stadtmusik im Museum zu sehen. Eine Besonderheit in Dietikon ist die umfangreiche, gut dokumentierte Kachelsammlung von alten Bauernöfen aus der Umgebung. Ein Grossteil der Sammlungsstücke des Ortsmuseums wurde von Posthalter und Lokalhistoriker Karl Heid zusammengetragen.

Das Museum an der Schöneggstrasse 20 ist sonntags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr offen. Ausgenommen sind Schulferien und hohe Feiertage.

Das Museum an der Schöneggstrasse 20 ist sonntags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr offen. Ausgenommen sind Schulferien und hohe Feiertage.

Auch im Urdorfer Ortsmuseum schöpft man aus dem Fundus, den die Gründer bereits in den 1950er-Jahren anlegten. Gezeigt wird dort vor allem das einstige bäuerliche Leben. «Urdorf war ein Bauerndorf, deshalb suchen wir vor allem nach Alltagsgegenständen aus dieser Zeit», sagt Museumsleiterin Elisabeth Lüchinger. Neben einer Dauerausstellung werden auch immer wieder Sonderausstellungen durchgeführt. «Dabei ist es uns wichtig, dass wir Leute finden, die zu den ausgestellten Objekten etwas erzählen können. Die Stücke nur zu zeigen, wäre langweilig», so Lüchinger.

Das Museum befindet sich an der Birmensdorferstrasse 102 und ist jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr offen. Während der Sommerferien ist es geschlossen.

Das Museum befindet sich an der Birmensdorferstrasse 102 und ist jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr offen. Während der Sommerferien ist es geschlossen.

Grösste Museumsgruppe

Darin sieht David Vuillaume, Geschäftsführer des Verbandes der Museen der Schweiz, eine grosse Stärke von Ortsmuseen. «Sie haben eine grosse Erfahrung darin, Spezialisten zu Themen zu finden, weil sie sehr nahe am Dorfleben dran sind. Deshalb sind sie für eine Gemeinde extrem wichtig. Sie sind die Gedächtnisträger eines Dorfes», so Vuillaume.

Ortsmuseen würden das Fundament der Schweizer Museumslandschaft bilden, denn 36 Prozent der über 1000 Museen in der Schweiz seien regional. Sie bilden damit die grösste Museumsgruppe im Land. Entstanden ist der Grossteil von ihnen in den 1980er-Jahren, so Vuillaume. Einer Zeit, in der man sich angesichts der fortschreitenden Globalisierung wieder auf die eigenen Wurzeln konzentrierte. Die Limmattaler Ortsmuseen gehören damit zu den Pionieren. Auch deswegen lohnt ein Besuch.

Das Museum an der Mühlemattstrasse 7 ist von Februar bis November jeden ersten Samstag im Monat von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Ausgenommen sind Feiertage wie Ostern und Pfingsten sowie die Sommerferien.

Das Museum an der Mühlemattstrasse 7 ist von Februar bis November jeden ersten Samstag im Monat von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Ausgenommen sind Feiertage wie Ostern und Pfingsten sowie die Sommerferien.

Das Museum an der Weidstrasse 13 ist jeden ersten Sonntag von 14 bis 18.30 Uhr geöffnet. Am 26. März, dem Mittefastensonntag, ist um 11 Uhr die Vernissage zur Sonderausstellung «Unser Holz».

Das Museum an der Weidstrasse 13 ist jeden ersten Sonntag von 14 bis 18.30 Uhr geöffnet. Am 26. März, dem Mittefastensonntag, ist um 11 Uhr die Vernissage zur Sonderausstellung «Unser Holz».

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