Urdorf

Sie wollen Möbel und Essen retten: Jugendliche setzten in 72 Stunden kreative Projekte um

Jugendarbeiter Thomas Luginbühl organisiert die Freiwilligenaktion in Urdorf mit.

Jugendarbeiter Thomas Luginbühl organisiert die Freiwilligenaktion in Urdorf mit.

160 Jugendliche in Urdorf setzen im Rahmen der Aktion «72 Stunden» kreative und spontane Projekte um. In 72 Stunden wollten sie 72 Kilogramm Essen und 72 Gegenstände vor der Mülltonne retten.

In drei Tagen kann man nicht die ganze Welt auf den Kopf stellen. Etwas bewirken, das ist in 72 Stunden aber durchaus möglich. Dieser Meinung sind die Jugendarbeit der Reformierten Kirche Urdorf, der Cevi Urdorf und die Pfadi Uro. Sie beteiligen sich gemeinsam an der Aktion «72 Stunden». Von heute bis am Sonntag, 19. Januar, findet die vierte Ausgabe des grössten nationalen Freiwilligenprojekts statt. Innerhalb von 72 Stunden setzen rund 20000 Kinder und Jugendliche in der ganzen Schweiz eigene gemeinnützige und innovative Projekte um.

Im Limmattal sind die Jugendgruppen aus Urdorf die einzigen, die mitmachen. «Es ist schön, Teil von etwas so Grossem zu sein», sagt Thomas Luginbühl, Jugendarbeiter der Reformierten Kirche Urdorf. Er bildet mit Cevi-Abteilungsleiter Fabian Bertschi, Cevi-Abteilungsleiterin Kim Krügel, Pfadi-Abteilungsleiterin Mirjam Steiner und Pfadi-Abteilungsleiter Nicolas Scheurer das Organisationskomitee (OK). «Wir haben uns zum Ziel gesetzt, in den 72 Stunden 72 Kilogramm Essen und 72 Gegenstände vor der Mülltonne zu retten», sagt Luginbühl. Zudem streben sie an, pro Minute einen Franken Spendengeld, also insgesamt 4320 Franken, zu sammeln.

Im Voraus soll nicht zu viel geplant werden

Das Urdorfer Projekt steht unter dem Motto «Das kann man noch brauchen!». Den rund 160 Kindern und Jugendlichen stehen in den drei Tagen die Räume der Reformierten Kirche zur Verfügung. «Denkbar ist, dass wir zum Beispiel eine Renovations-Werkstatt einrichten, und die Bevölkerung uns ihre Möbel und Dinge zum Renovieren und Upcyclen vorbeibringt», sagt Luginbühl. Zudem wolle man am Sonntag einen Flohmarkt veranstalten und mit den geretteten Lebensmitteln ein Mittagsbuffet anbieten. «Ob wir das dann tatsächlich schaffen, wird sich zeigen», sagt der 33-Jährige. Die Schwierigkeit des Projekts ist nämlich, dass im Voraus nicht zu viel geplant werden darf. «Die Idee ist, dass wir alles in den 72 Stunden auf die Beine stellen. Deshalb entsteht vieles spontan.»

Eine weitere Vorgabe der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Jugendverbände, die die nationale Aktion koordiniert, ist, dass sich die Teilnehmenden an den 17 Zielen der Agenda 2030 der Vereinten Nationen orientieren. Dazu gehören zum Beispiel Themen wie verantwortungsvoller Konsum und Produktion, weniger Ungleichheiten oder Massnahmen zum Klimaschutz.

Geld sammeln für die Tierwelt in Australien

Ziel ist nicht nur spontan und mit möglichst wenig Geld ein kreatives Projekt zu realisieren, sondern auch etwas Gutes zu tun. Deshalb wollen die Urdorfer Jugendvereine das Geld, das sie einnehmen, einer Tierschutzorganisation in Australien spenden. «Die Bilder und Videos zu den Waldbränden in Australien lösen Ohnmacht aus. Wir wollen mit unserem Einsatz unsere Verbundenheit kundtun», sagt Luginbühl. Die Teilnahme an der Aktion biete den Jugendlichen und Kindern zudem die Chance zu zeigen, dass sie entgegen den gängigen Klischees eben nicht die Hände in den Schoss legen, sondern anpacken. Bereits zwei Mal hat die Urdorfer Jugend bewiesen, zu was sie fähig ist. Auch 2015 und 2005 nahm man am nationalen Freiwilligenprojekt teil. «2005 baute der Cevi Urdorf bei der Tyslimatt einen Platz mit einer Schaukel, einer Feuerstelle, einem Weidenhäuschen und einem Sinnespfad, auf dem man barfuss über Steine, Kies und Tannzapfen gehen kann», erzählt Luginbühl. Er war damals als Cevi-Mitglied an der Aktion beteiligt.

Cevi Urdorf baute 2005 einen Platz mit Schaukel, Feuerstelle und Sinnespfad.

Cevi Urdorf baute 2005 einen Platz mit Schaukel, Feuerstelle und Sinnespfad.

2015 organisierten die Jugendarbeit der Reformierten Kirche und der Cevi einen 72-Minuten-Lauf in Anlehnung an den Limmattaler 2-Stunden-Lauf. «Dabei kamen 4100 Franken zusammen, die wir der Stiftung Theodora, die Kindern im Spital eine Freude bereitet, überliessen.»

2015 organisierten die Jugendarbeit der Reformierten Kirche und der Cevi einnen 72-Minuten-Lauf.

2015 organisierten die Jugendarbeit der Reformierten Kirche und der Cevi einnen 72-Minuten-Lauf.

Auf die Unterstützung der Limmattaler angewiesen

Luginbühl ist guter Dinge, dass das OK gemeinsam mit den Jugendgruppen in den 72 Stunden ein tolles Projekt aus dem Boden stampfen kann. «Angewiesen sind wir aber auch auf die Hilfe der Limmattaler Bevölkerung. Wir zählen darauf, dass sie uns mit ihren Gegenständen, Werkmaterialien und Lebensmitteln, die sie nicht mehr brauchen, unterstützen», sagt Luginbühl. Auf den Websites des 72-Stunden-Projekts und der Jugendarbeit der Reformierten Kirche Urdorf sowie über Facebook, Instagram und dem eigens für die Aktion eingerichteten Radiosender können sich Interessierte über den Stand der Aktion informieren. Zudem seien die Teilnehmenden im Dorf gut erkennbar, sagt Luginbühl. «Wir tragen alle knallgrüne Mützen.»

Aktion 72h Urdorf

Aktion 72h Urdorf

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Autor

Sibylle Egloff

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