Kloster

«Sie war eine eigentliche Fährfrau»

Nun ist es soweit: Die Schwestern und viele Verwandte und Freunde des Klosters Fahr nahmen Abschied von Schwester Silja Walter. Dabei wurde gesungen und gelesen.

«Sie lebt weiter unter uns in ihrem Werk, in ihren Gebeten, Hymnen Texten und Worten», sagte Priorin Irene, als sie gestern Abschied nahm von ihrer Mitschwester Hedwig. Wer Zeuge des Abschiedsgottesdienstes in der Kirche im Kloster Fahr wurde, wusste, was die Priorin mit dieser Aussage meinte. Fast alle Texte, die während der rund eineinhalbstündigen Abdankung in gelesener oder gesungener Form vorgetragen wurden, stammten aus der Feder von Silja Walter, die als Schwester Hedwig über sechzig Jahre im Kloster verbrachte und vor einer Woche aus dem Leben schied.

«Auf diesen Termin hat Schwester Hedwig sich schon lange gefreut», erklärte Abt Marin Werlen, der zusammen mit Bischof Felix Gmür von der Diözese Basel und dem Zürcher Weihbischof Marian Eleganti den Gottesdienst feierte. Er bezog sich bei seiner Aussage auf eine Passage aus Silja Walters Autobiografie. «Ich bin nicht für Termine gemacht, ausser für den letztfälligen. Der steht noch nicht fest, ist aber todsicher. Der einzige, für den ich mich unter allen Umständen freihalten muss, jeden Augenblick», heisst es dort. Viele Menschen, so der Abt in seiner Predigt weiter, hätten ihr geholfen, diesen Termin als den wichtigsten zu entdecken.

«Die zarte Frau im Nonnenkleid»

Viele Menschen waren auch gekommen, um der schreibenden Nonne die letzte Ehre zu erweisen. Neben Verwandten waren es viele Freunde Bekannte und Weggefährten, die die Klosterkirche bis auf den letzten Platz füllten. Zu ihnen gehörte auch Ulrike Wolitz, Leiterin der Silja-Walter-Gesamtausgabe. «Die zarte Frau im Nonnenkleid mit der klaren Stimme und den sprühenden Sprachbildern ist zu einer Ikone geworden im Aufriss zwischen Himmel und Welt», hielt sie in ihrer Würdigung fest.

In eine ähnliche Richtung zielten auch die Worte von Alex Hürzeler. Der Aargauer Regierungsrat – das Kloster Fahr gehört zur Gemeinde Würenlos – würdigte Silja Walter als eine «besondere Persönlichkeit, die das literarische Schaffen des Kantons Aargau entscheidend mitgeprägt hat». Mit ihrem Werk habe sie viele Menschen auf der Suche nach dem Sinn des Lebens unterstützt.

Strukturen waren Herausforderung

Die Berner Literaturkritikerin und Publizistin Beatrice Eichmann-Leutenegger bezeichnete Silja Walter denn auch als eine eigentliche Fährfrau. «Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Übersetzerin, die zwischen zwei Welten vermittelt», so Eichmann-Leutenegger. Obschon Silja Walter nach ihrem Eintritt ins Kloster für eine Weile verstummt sei, weil sie sich in die straffe Struktur des klösterlichen Lebens einfügen musste, habe sie die enorme Herausforderung angenommen und weiter geschrieben. Das sei kein Zufall. «Auf althochdeutsch heisst Hedwig ‹die Kämpferin›», erklärte Eichmann-Leutenegger.

Mit Mikrofon verbunden

Ihre letzte Ruhe findet die «Kämpferin», wie die anderen verstorbenen Mitschwestern, auf dem kleinen Friedhof vor der Klosterkirche. Dort wurde ihre Urne im Beisein der Schwesterngemeinschaft und der Verwandten beigesetzt. Die übrigen Gäste des Gottesdienstes mussten in der Kirche warten. Sie waren aber per Mikrofon mit dem Friedhof verbunden, um den Worten von Abt Martin folgen zu können.

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