Begegnungen
Sie wagte trotz Corona und Baustelle den Neuanfang – wie «kunstfertig» von einer Spontanidee zu einem etablierten Lädeli wurde

Manuela Ryf lebt seit 23 Jahren in Weiningen und hat seit Oktober in Dietikon ihr Geschäft «kunstfertig».

Margret Stöcklin
Drucken
Teilen
Vom Baustellendorf in die Baustellenstadt: Manuela Ryf.

Vom Baustellendorf in die Baustellenstadt: Manuela Ryf.

mst

Manuela Ryf bezeichnet sich selbst als fröhliches, tierliebendes und naturverbundenes Kind der Berge. Sie versuche, immer positiv und lachend durchs Leben zu gehen, und plane nichts. «Ich wuchs als eigentliches Einzelkind in einer Grossfamilie auf. Da meine Mutter sehr jung und alleinerziehend war, verbrachte ich die meiste Zeit ­meiner Kindheit bei meinen Verwandten in Muldain auf der Lenzerheide, wo es mir ausserordentlich gut gefiel. Wir lebten sehr bescheiden, aber mir fehlte nichts und es war immer etwas los», erinnert sich die 1963 ­Geborene.

Nach der Sekundarschule nahm sie eine Lehre als Tiermedizinische Praxisassistentin in Angriff und arbeitete, nach geglücktem Abschluss, in diversen Tierkliniken im Raum Zürich und Baden. Nach 12 Jahren hatte sie Lust auf die Selbstständigkeit und begann, Katzen und Kleintiere, in Abwesenheit Ihrer Besitzer, professionell zu betreuen. Anfangs war sie nebenher noch bei einem Büro für ­Astrologie tätig.

Manuela Ryf ist eine kreative Frau, die sehr gerne malt und schon mehrere Kurse in verschiedenen Techniken besucht hat. Zudem ist sie seit zwei Jahrzehnten Mitglied einer Malgruppe. In all den Jahren entstanden unzählige Bilder und Mosaik-­Objekte. Ihr erster Laden, den sie «kunstfertig» taufte, entstand aus einer Spontanidee. Als Manuela Ryf mit Freunden beim Abendessen zusammensass, kam das Gespräch auf einen kleinen frei stehenden Raum an der Badenerstrasse in Weiningen.

Augenblicklich hatte sie die Eingebung, diesen zu mieten, auszubauen und einen Laden darin einzurichten. «Genug Bilder und Mosaik-Objekte hatte ich ja schon. Eines kam zum anderen und schnell konnte ich mein Geschäft eröffnen. Bald kamen Modeschmuck und Kleider hinzu. Das Sortiment mit schönen Dingen erweiterte sich fortlaufend, sodass der Laden an der Badener Strasse bald aus allen Nähten platze und ich einen Neuen suchen musste», erzählt die 57-Jährige, die in einem Bauernhaus in Weiningen einen grösseren Raum für ihre Boutique fand und ihr ­Verkaufsangebot nochmals ­erweiterte.

Die Anzahl Angestellter ist auf drei angewachsen

Gleichzeitig vergrösserte Manuela Ryf auch ihren Mitarbeiterinnenstab, der sich seither aus Rebecca Zuumond, Ulrike Vogel und Brigitte Magni zusammensetzt. «Die drei sind immer voll im Einsatz, wenn ich sie brauche und auch meine Kundschaft schätzt sie sehr.» Im Frühling musste die Ladeninhaberin wieder einen neuen Standort für ihr Geschäft suchen. Wegen Corona und einem grossen Baudepot vor der Haustüre, wegen dem man den Laden kaum noch sah, brach der Umsatz zunehmend ein. Auch ihre Mitarbeiterinnen hielten Augen und Ohren offen für ein neues Ladenlokal.

Wegen der treuen Stammkundschaft sollte es ein Objekt in der Nähe sein. Mitarbeiterin Brigitte Magni sah den verfügbaren Laden in Dietikon beim Joggen und war gleich begeistert. Manuela Ryf hingegen dachte, dass ganz Dietikon momentan ja auch eine Baustelle sei und sie nicht von einer Baustelle zur nächsten ziehen wolle. Trotzdem sah sie sich besagtes Objekt an der Unteren Reppischstrasse 12 an. Sie fühlte sich dort sofort wie zu Hause.

«Das Ladenlokal liegt direkt an der Reppisch, ist gross und luftig und verfügt über genügend Parkplätze. Dann ging alles sehr schnell und ich konnte am 23. Oktober die Er­öffnung meines dritten Geschäftes feiern. Viele Kunden kommen spontan vorbei, sind begeistert und beglückwünschen mich zu diesem attraktiven Laden­lokal», sagt Manuela Ryf, die trotz Corona den Mut hatte, einen Neuanfang zu wagen.