Sie helfen beim Kuchenbacken, unternehmen Ausflüge oder haben ganz einfach ein offenes Ohr – im Pflegezentrum des Spitals Limmattal kümmern sich neben dem Pflegepersonal und den Ärzten auch fast 30 Freiwillige um die Patienten. Peter Ringger, Pierina Lopez und Esther Prinz sind drei von ihnen, die den älteren Menschen auf dem letzten Lebensabschnitt gerne noch etwas «z lieb tue» möchten. Möglichst bis zum Lebensende werden die Menschen so in Alltagssituationen eingebunden. Doris Gehrig, die Leiterin des Freiwilligendienstes, erklärt die Funktion mit kurzen Worten: «Freiwilligenarbeit ist ein geschätzter Beitrag für das Wohlergehen der Bewohner. Freiwillige schenken Zeit, bereichern den Alltag und unterstützen und verbreiten Lebensfreude.»

Keine Berührungsängste

Schon in jungen Jahren umgab sich Esther Prinz gerne mit älteren Menschen. «Du immer mit deinen Alten, das habe ich oft gehört», sagt sie. Auch im Umgang mit geistig und körperlich behinderten Personen habe sie nie Berührungsängste gehabt. «Ich hatte lange Zeit ein Papeteriegeschäft, und in der Nähe war ein Heim für Behinderte, die oft zu mir kamen und herumstöberten. Und immer wollten sie alle von mir bedient werden», sagt die 59-Jährige. Ein Betreuer eines Behinderten machte sie auf ihre Gabe aufmerksam. «Er meinte, dass man genauso natürlich und ungekünstelt mit ihnen umgehen kann, wie ich das immer mache.» Durch einen Flyer wurde Prinz schliesslich auf den Dienst im Spital aufmerksam. Nach einem Schnuppernachmittag habe sie gemerkt, dass sie hier am richtigen Platz sei. «Beim gemeinsam Kuchenbacken oder bei der Vorbereitung des Abendessens spürt man, wie dankbar die Menschen hier sind», sagt sie.

«Jetzt sind die anderen dran»

Auch Pierina Lopez teilt diese Meinung. Die 66-jährige ist vor eineinhalb Jahren in die Freiwilligenarbeit eingestiegen. Nach ihrer Pensionierung hat sie sich sechs Monate Zeit für sich genommen. «Jetzt sind die anderen dran», sagt sie. Damals war eine Bekannte von ihr im Pflegezentrum untergebracht. Nach häufigen Besuchen entschloss sie sich, selber aktiv zu werden. Mit Menschen Umgang zu haben, bei denen es gesundheitlich nicht zum Besten steht, war für sie nichts Neues. Schon vorher kümmerte sie sich um ihre Schwiegermutter und merkte, wie sehr sie diese Aufgabe erfüllte. «Ich mache es wirklich von Herzen gern», so Lopez. Besonders gefallen ihr musikalische Anlässe, bei denen die Bewohner miteinbezogen werden. Es sei herrlich zu beobachten, wie die älteren Menschen darauf reagieren. Auch demente Patienten kämen richtig in Fahrt.

«Musik verbindet eben», sagt Peter Ringger. Auch er empfindet beim Anblick von wippenden Bewohnern grosse Freude. Ringger unternimmt seit längerem Spaziergänge mit einem Herrn im Rollstuhl. «Dieser Herr ist in meinem Alter und während unseren Ausflügen haben wir auch spannende Gespräche. Wenn man viel gibt, merkt man auch, wie viel zurückkommt», sagt er.

Nicht empfindlich sein

Durch die lebensfrohe Art der Freiwilligen lassen sich viele Patienten anstecken, sagt Doris Gehrig. «Ich denke, es ist auch meine emotionale Ader. Wenn jemand weint, nehme ich ihn in den Arm. Da überlege ich nicht lange», sagt Prinz. Gleichzeitig dürfe man aber auch nicht empfindlich sein. Gerade bei dementen Patienten sollte man nichts persönlich nehmen.

Die Einsatzzeiten der Freiwilligen sind unterschiedlich. Ringger entscheidet sich spontan und Lopez besucht das Pflegezentrum am Dienstag- oder Mittwochnachmittag. Prinz hingegen hat ihre feste Zeiten. «Jeden Donnerstag von 14 bis 21 Uhr. Manchmal treffe ich mich auch am Sonntag mit zwei Bewohnerinnen zum Kaffee. Das sind mittlerweile Freundinnen geworden», so Prinz. «Meine grauen Haare habe ich nicht von hier», sagt sie und lacht.

Trotz den nahen Verhältnissen scheinen alle drei kein Problem mit der Abgrenzung zu haben. «Die ersten Monate sind schwierig, aber ich kann mittlerweile gut nach Hause gehen und die Arbeit Arbeit sein lassen», sagt Lopez. Auch Prinz hat keine Mühe, das Private vom Geschäftlichen zu trennen. Ringger jedoch brauchte seine Zeit, um den Tod einer Bewohnerin zu verarbeiten. «Aber Abschied nehmen gehört hier dazu», sagt er. Und er hätte durch seine Arbeit hier sehr vieles gelernt. «Man darf nicht vergessen, dass keine Sache der Welt nur eine negative Seite hat.»