Sie schnuppern an der Sensation

Die Schlieremer Faustballer können NLB-Gruppensieger werden und um den Aufstieg in die höchste Liga spielen.

Ruedi Burkart
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Heute Nachmittag kann Swen Aebersold zum Schlieremer Gruppensieg aufschlagen.

Heute Nachmittag kann Swen Aebersold zum Schlieremer Gruppensieg aufschlagen.

Bild: Ruedi Burkart

Marcel Kunz ist ein Trainerfuchs. Einer, dem man nichts vormachen kann. Und einer, der seine jahrelange Erfahrung und Routine auszuspielen weiss. Wie sagte doch der Coach der Schlieremer NLB-Faustballer vor dem ersten Spiel der coronabedingt verkürzten Saison mit einem unschuldigen Gesicht? «Ein Mittelfeldplatz wäre für unsere Mannschaft ein ziemlich gutes Ergebnis.» Man dürfe schlicht nicht mehr erwarten, schob Kunz noch nach und nahm so jeglichen Druck von seinem Team. Ein cleverer Schachzug!

Und jetzt das: Zwei Spiele vor Ende der Qualifikation grüssen die Limmattaler von der Spitze der zweigeteilten NLB. In der Ostgruppe haben sie alle Partien gewonnen und stehen kurz vor dem Gruppensieg. Halten sie sich auch heute Samstag in Elgg in den Partien gegen die beiden Aussenseiter Diepoldsau II und Oberwinterthur schadlos, geht die Saison weiter. Dann spielt die «Stimmungsmannschaft», wie sie Vereinsboss Daniel Laubi auch schon charakterisiert hat, gegen den Sieger der NLB-Westgruppe – aktuell liegt dort Fricktal an der Spitze – und den Letztplatzierten der Nationalliga A – aktuell das weiterhin punktelose Walzenhausen – um die Rückkehr in die höchste Spielklasse.

Dort spielten die Schlieremer Männer letztmals im Sommer 2007. «Wir freuen uns sehr über die aktuellen Leistungen des Teams. Unter Marcel Kunz hat ein Riesenprozess stattgefunden», sagt Präsident Laubi zum Höhenflug des Männerteams. Gedanken darüber was wäre, sollten die Limmattaler tatsächlich aufsteigen, macht er sich noch keine: «Erst mal die letzten Qualifikationspartien erfolgreich gestalten, dann sehen wir weiter.»

Die NLA-Frauen erreichen das Minimalziel

Immerhin sind die Chancen intakt, dass die wegen Corona verspätet gestartete Feldsaison 2020 Schlierens Faustballern einen weiteren Höhepunkt bescheren wird. Seit der gelungenen Länderspielpremiere vor 450 Zuschauern auf der Sportanlage Unterrohr (die «Limmattaler Zeitung» berichtete), als sich die Schweiz und Weltmeister Deutschland einen Schlagabtausch lieferten, sind erst drei Wochen vergangen.

Bereits zu Ende gegangen ist die Feldsaison für Schlierens Faustballerinnen. Das Team von Coach Rolf Bühler tat sich in den sieben NLA-Qualifikationsspielen erwartungsgemäss schwer. Ein schmales Kader, junge und unerfahrene Spielerinnen sowie die Abgänge der beiden Leistungsträgerinnen Simone Estermann und Sabine Pfister nach der vergangenen Saison – mehr als der Ligaerhalt konnte nicht erwartet werden. Und diesen erreichten die Limmattalerinnen dank eines 3:0-Siegs in der vorletzten Doppelrunde gegen das inferiore Team von Rebstein, das nach einer Saison und keinem einzigen Satzgewinn in sieben Partien wieder absteigen muss.

«Wir müssen zufrieden sein mit unserer Saison», sagt Michelle Krautter. Die 28-Jährige spielt seit 2010 in Schlierens NLA-Mannschaft und verweist auf das junge Team, das Zeit brauche, um zu wachsen. Ähnliches sagt Teamcoach Rolf Bühler: «Mehr durften wir nicht erwarten. Das Minimalziel ist erreicht, wir bleiben oben. Das ist das, was zählt.» Ob Bühler weitermacht oder sein Amt zur Verfügung stellt, ist noch offen. Er sagt lediglich: «Schlieren ist für mich zu einer Herzensangelegenheit geworden. Aber ob ich die Zeit noch aufbringen kann, wird sich weisen.»