Mein Ding: Töpferei
Sie sammelt Eier und Schalen

Regula Jucker schuf sich eine eigene Oase zu Hause mit Ton-Eiern und grossen blattförmigen Schüsseln. Die Töpfer-Kursleiterin bemerkt eine wachsende Sehnsucht nach einer handwerklichen Tätigkeit im pulsierenden Zeitalter der Technologie.

Clara dos Santos Buser
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Für Regula Jucker repräsentieren Eier Fruchtbarkeit und Achtsamkeit.

Für Regula Jucker repräsentieren Eier Fruchtbarkeit und Achtsamkeit.

Clara dos Santos Buser

Innen ausgehöhlt, aussen glänzend – jedes Stück ist ein Unikat. Würde man die Ton-Eier im Hause von Regula Jucker zählen, bräuchte man einige Zeit. Es ist einfach, sich in den handgemachten Eiern der in Oberengstringen aufgewachsenen Künstlerin zu verlieren. In ihrem Haus in Uetikon am See ist es immer Ostern. Daneben stehen bunte Gefässe in runden Formen – seien es kleine Schalen für den Teebeutel oder blattförmige Schüsseln für Früchte – auf dem Tisch oder dem Fenstersims. Die Objekte repräsentieren eine Symbiose ihrer beiden kreativen Tätigkeiten: die bildende Künstlerin mit einer Affinität für Eier und die Leiterin von Töpferkursen.

Der beste Raum im Chrüzacher

Die 58-Jährige, die ihre Ausbildung als Künstlerin und Werklehrerin in Zürich und Holland absolviert hat, arbeitete sechs Jahre lang in der Dietiker Freizeitanlage Chrüzacher als Leiterin von verschiedenen Töpferkursen. Jucker beflügelte die Kreativität von Kindern, Erwachsenen und Senioren. Nicht aber von Teenagern. «In der Pubertät machen sie meist eine gestalterische Pause und kommen mit 20 wieder zurück», sagt sie. Meist arbeitet Jucker mit einer Tonschalung, die als Basis für neue Kreationen dient. Das ist für die Teilnehmer am einfachsten, weil keine Vorkenntnisse nötig sind. Der erste Schritt ist simpel: Lernende müssen nur den feuchten Ton auf der Schalung mit den Händen formen. Und warten. «Alle, die Freude an etwas Kreativem oder Handwerklichem haben, sind herzlich willkommen», sagt die Keramikerin. Sie bemerke allgemein eine wachsende Sehnsucht nach einer handwerklichen Tätigkeit. «Im pulsierenden Zeitalter der Technologie steht das Töpfern quer und benötigt viel Geduld», sagt sie. Zwischen zwei und vier Wochen braucht es, um ein Stück anzufertigen. Verglichen mit den jungen Töpfern seien viele Erwachsene rastlos, wenn es um den Erfolg ihrer Handarbeit geht. Sie habe auch deswegen versucht, den grossen und hellen Raum in der Freizeitanlage so einladend und beruhigend wie möglich zu gestalten. «Die Leute gingen gerne dorthin, und wir fühlten uns alle extrem wohl», sagt die Keramikerin.
Allerdings musste Jucker das Angebot in andere Räumlichkeiten zügeln. «Wir wurden in einen allgemeinen Werkraum im Stall verlegt. Die Aufbewahrung und der Brennofen sind im kalten Heulager. Das war suboptimal», sagt Jucker.

Neuanfang in Schlieren

Umso mehr freut sich die Künstlerin über den Raum des Vereins Vivat in Schlieren, wo ihre Kurse neu stattfinden. «Ich hatte eine gute Zeit in Dietikon, das Team war super. Ich bin aber froh, dass sich diese Zusammenarbeit in Schlieren ergeben hat», sagt Jucker. Noch ist alles ganz neu und die Stimmung entsprechend heiter. Die Keramikerin freut sich auf den warmen, professionell gestalteten Raum und auf die neuen Sonntagskurse. «Die Leute haben dann mehr Zeit und sind ganz entspannt», sagt sie.
Besuchten früher eher Frauen ihre Stunden, erfreuen sich diese neuerdings auch bei jungen Vätern grosser Beliebtheit. «Ich finde es schön, wenn sie mit den Kindern kommen», sagt Jucker. Sie selber habe oft ihre kleinen Kinder an die Kurse mitnehmen müssen. «Es war ein Seiltanz. Heute ist es anscheinend noch schwieriger, Familie und Beruf zu vereinbaren», sagt die Mutter eines 16-Jährigen und einer 26-Jährigen. Der familiäre Spagat gehört nun der Vergangenheit an. Jucker schaut nach vorne. Sie will, nebst ihrer Tätigkeit in Schlieren, Kurse bei sich zu Hause im entstehenden Atelier anbieten. Sie möchte auch vermehrt Töpfern für Kinder organisieren. «Das lauteste Kind wird beim Töpfern ganz schön ruhig und konzentriert», sagt Jucker. «Erwachsene übrigens auch», sagt sie und schmunzelt.