Die Sonne scheint durch die Fenster und erhellt den Dachboden. An Stellwänden hängen zahlreiche Bilder mit und ohne Rahmen. Einige sind farbig, andere sind schwarz-weiss. Sie zeigen Porträts und Abstraktes.

Beat Spreng schenkt den Gemälden für einmal wenig Beachtung. Sein Blick ist auf den Boden gerichtet. «Er ist schön geworden», sagt der 70-Jährige. Die Rede ist vom neu verlegten Eichenparkett.

Spreng ist Stiftungsratsmitglied und Kassier der gemeinnützigen Stiftung Ortsmuseum Urdorf. In den vergangenen Monaten beschäftigte ihn die Erneuerung des ehemaligen Bauernhauses an der Birmensdorferstrasse. Und nicht nur ihn. Koordiniert und bei der Sanierung mitgeholfen hat auch Präsident Paul Lüchinger. Er ist froh über den neuen Boden. «Früher war der Saal mit grauem Teppich belegt. Wenn jemand ein Glas Rotwein ausleerte, war das eine schöne Sauerei.» Er habe dann die dreckigen Teppichstücke mit vorrätigen ersetzt, sagt der 76-Jährige. Und nicht nur die Pflege sei nun einfacher. «Der Raum wirkt durch das Parkett viel heller und grösser. Es ist eine ganz andere Atmosphäre.» Spreng nickt.

Für beide Männer ist klar, das neue Schmuckstück des Ortsmuseums ist der Dachboden. Doch nicht nur der Boden im obersten Stock wurde erneuert, auch in den Durchgängen und im Sammelsurium im Museumsteil des Hauses tritt man nun auf neues Eichenholzparkett.

Insgesamt wurden davon 220 Quadratmeter verlegt. Und auch sonst erfuhr das Haus aus dem 17. Jahrhundert Änderungen. Alle Räume ausser der Schopf wurden mit LED-Spots versehen. Im Heuboden, den die Stiftung für Hochzeiten, Ausstellungen oder für andere Veranstaltungen vermietet, wurden sechs LED-Panels an der Decke angebracht. «Mit ihnen ist es möglich, die Farbtemperatur und die Helligkeit zu steuern», sagt Spreng und drückt auf einen Knopf einer kleinen Fernbedienung. Das Licht wird wärmer und gelber. «Das sorgt für das richtige Ambiente für Ausstellungen, aber auch für Familienfeste», sagt er.
Und ganz wichtig: «Es blendet nicht.»

Leuchtröhren zu heiss

Früher hingen Leuchtröhren an der Decke. «Wenn sehr viele Leute im Raum waren, wurde es extrem heiss», sagt Lüchinger. Mit der neuen Beleuchtung könne man die Ausstellungsobjekte und Bilder in ein noch besseres Licht rücken. Auch im Dachbodensaal hängen fünf LED-Panels. Neu sind dort auch die sechs weissen Ausstellungsvitrinen. Einige sind bereits gefüllt mit Spielpuppen und Bergkristallen, andere sind noch leer. «Sie sollen Künstlern, aber auch Unternehmen eine Plattform bieten, um sich zu präsentieren», sagt Lüchinger. Das untere Viertel der Möbel besteht aus einer Schublade. «Hier können weitere Objekte und Zubehör für die Ausstellung aufbewahrt werden.»

Weiter hat die Stiftung klapp- und stapelbare Moderationswände angeschafft. Sie seien nicht nur für Vorträge geeignet, sondern gäben auch gute Raumteiler ab. Zum Inventar zählen neu auch 100 weitere Holzstühle. «Wir sind viel probegesessen und haben uns dann für das Modell entschieden, das einem nicht das Blut in den Beinen abklemmt», sagt Spreng und lacht. Im Heuboden-Saal steht neu auch ein Grossbildschirm. «An einer Hochzeit am letzten Wochenende kam er schon zum Einsatz», erzählt Spreng.

Äusserlich hat sich das Ortsmuseum nicht verändert. Ausser an der Südwest-Seite des Hauses. Wo vorher Lamellen-Storen die Fenster schützten, erblickt man nun grüne Holzläden. Ausgefräst ist ein handgrosses Loch in Form eines Stiers. «Dabei handelt es sich aber nicht um das Urdorfer Wappentier. Zum Vorbild haben wir uns den Stier auf dem Viergemeindestein Altstetten-Schlieren-Urdorf-Uitikon genommen», erklärt Lüchinger. Anstoss zur Aufwertung des Gebäudes gab der 2017 abgelaufene Vertrag mit der Gemeinde für das Nutzungsrecht der Kulturkommission. «Die Gemeinde wollte wissen, wie wir uns die Zukunft des Ortsmuseums vorstellen, und so haben wir uns an die Arbeit gemacht», sagt Lüchinger. In den vergangenen Jahren seien viele Veranstaltungsräume in der Region entstanden. «Durch die Erneuerung wollen wir konkurrenzfähig bleiben. Schliesslich finanzieren wir uns durch die Vermietung der Räume», sagt Spreng.

Mehr Geld als erwartet

Damit die Erneuerungen im Ortsmuseum, die vornehmlich während der Schulferienzeit im Juli und August vonstattengingen, überhaupt durchgeführt werden konnten, brauchte es nicht nur Schweiss und Planung der beiden Senioren und vieler wohlgesonnenen Bekannten und Handwerker, sondern auch den finanziellen Zustupf vieler Urdorferinnen und Urdorfer.

Insgesamt hatte die Stiftung ein Budget von rund 70 000 Franken zur Verfügung. «Wir rechneten optimistisch mit 20 000 Franken Spendengeldern», sagt Spreng. Er habe 600 ehemalige Gönner und Urdorfer Gewerbetreibende angeschrieben, und das Echo sei überwältigend gewesen. «Wir haben bis jetzt fast 30 000 Franken erhalten. 6000 weitere sind uns versprochen worden.» Damit habe man nicht gerechnet. Fast 200 Privatpersonen, Unternehmen und Vereine hätten Beträge ab 50 bis 5000 Franken gespendet. «Wir freuen uns sehr. Das zeigt, dass die Bevölkerung einen Bezug zum Ortsmuseum hat und ihr dessen Erhalt wichtig ist», sagt Lüchinger.

An diesem Samstag bedankt sich die Stiftung mit einem Tag der offenen Tür bei den Sponsoren und zeigt ihnen und allen Interessierten, wie das gespendete Geld eingesetzt wurde. Gleichzeitig präsentieren drei Künstler ihre Werke im Dachboden- und Heubodensaal.
Neues gibt es aber nicht nur in materieller Form.

Seit Mitte Juli betreibt die Stiftung auch ihre erste eigene Website, zusammen mit der Heimatkundlichen Vereinigung, die Teile des Ortsmuseums für Ausstellungen und die Dokumentation nutzt. «Wir befinden uns unter einem Dach. Dann macht es auch Sinn, eine gemeinsame Website zu haben», sagt Spreng. Bis anhin war das Ortsmuseum nur in einer Rubrik auf der Urdorfer Gemeindewebsite zu finden.

Auf der Plattform erhält man nicht nur Informationen zur Stiftung, zum Ortsmuseum, zu Anlässen und Ausstellungen, sondern man kann auch Raumreservationen vornehmen. «Früher ging dies nur übers Telefon», sagt Lüchinger. Unter der Rubrik Raumvermietung sind auch alle wichtigen Daten zu den Räumen ersichtlich. «So weiss man etwa, wie viele Personen Platz haben und wie die Räume ausgestattet sind», sagt Spreng. Mitglieder der Heimatkundlichen Vereinigung und des Stiftungsrats können die Website zum Austausch und zur Ablage von Dokumenten benutzen. Dazu gibt es ein internes Login.

Für Paul Lüchinger ist der Internetauftritt ein weiterer Schritt, der die Zukunft des Ortsmuseums sichern soll, auch im Hinblick auf einen Generationenwechsel im Stiftungsrat. «Es ist schwierig, Nachfolger zu finden», sagt er. Mit der Website habe man nun ein Mittel, um die Freude an dieser Aufgabe zu säen, Informationen festzuhalten und weiterzugeben.»