Ein grosser Haufen grüner Pflanzen liegt auf dem Gartentisch des Altersheims Oberdorf in Dietikon. Die versammelten Bewohner fragen sich, was es damit auf sich hat. «Das ist Zitronenmelisse», sagt Esther Frei mit einer Rebschere in der Hand. Man habe ja davon, so die Bewegungspädagogin, im vergangenen Herbst drei Samen hinter den Malven gesetzt – das sei nun das Resultat. «Das ist aber ein guter Boden», ertönt es aus der geselligen Runde.

Seit März 2013 trifft sich die Gruppe «Gartenglück» jeden Dienstagnachmittag. Bei schlechtem Wetter basteln die Bewohner drinnen oder stellen Produkte aus dem Garten her. Das können Kräutersalz, Ringelblumensalbe oder Tonschälchen mit einer Duftmischung aus hauseigenen Blüten und Kräutern sein. Frei, die für das «Gartenglück» zuständig ist, hat an diesem Nachmittag für die anwesenden Teilnehmer verschiedene Arbeiten vorgesehen: Die Zitronenmelisse soll zu Sträusschen gebündelt, die Malvenblüten, die Erdbeeren sowie das Bohnenkraut sollen gepflückt werden. Zu guter Letzt soll ein Teil der Gruppe aus Stofflappen Herzen herausschneiden. Die Schablonen werden später mit Blüten und Kräutern gefüllt und im September anlässlich eines Basars verkauft.

Im Garten geht die Arbeit nie aus

Myrta Eggler und Ueli Schaffner machen sich auf, die Malvenblüten abzulesen. Nach einer Weile bekommen die emsigen Gärtner violette Fingerspitzen. «Das färbt bereits ab», sagt Schaffner. In der Tat werden die Blüten später verwendet, um Sirup einzufärben. Obwohl Eggler bereits früher viel im Garten gearbeitet hat, bereitet ihr das regelmässige Treffen mit den anderen Bewohnern viel Freude. Vor allem das Arbeiten in der Gruppe gefalle ihr sehr. «Wir haben es immer lustig», sagt sie. Die Zeit würde auf diese Weise auch viel schneller vergehen, fügt Pflück-Kollege Schaffner an. Denn: «Im Garten gibt es immer etwas zu tun.»

Insgesamt arbeiten an diesem Nachmittag elf Teilnehmer im Aussenbereich. «Heute haben wir Grossandrang», sagt Frei. Je nach Verfassung würden mal mehr, mal weniger zum «Gartenglück» kommen. Die Gruppe sei jedoch offen für alle Bewohner des Altersheims Oberdorf, der Pflegewohnung an der Oberdorfstrasse sowie des Pflegeheims Ruggacker.

Alles, was die Bewohnerinnen und Bewohner des Alters- und Gesundheitszentrums im Garten anbauen, wird verwertet: In den Beeten und Trögen gedeihen Liebstöckel, Goldmelisse, Curry- und Fenchelkraut, Schnittknoblauch, Rosmarin, Estragon, Johannisbeeren und viele andere Pflanzen. Einmal pro Jahr, so die Bewegungspädagogin, arbeite die Gruppe zudem auch an einem grösseren Projekt – im Frühling war es ein Bienenhotel. «Und sie haben die Holzschindeln profimässig hingenagelt», sagt Frei lachend und zeigt auf die beiden Pflücker Eggler und Schaffner. Mit einer prall gefüllten Schüssel Malvenblüten und violetten Fingern kehren sie gerade zu den anderen Bewohnern an den Gartentisch zurück.

Als Abschluss wird gedichtet

Nach getaner Arbeit ist nun eine Pause nötig. Zur Stärkung gibt es Tee, Guetzli und die zuvor geernteten Erdbeeren. Frei holt das Gartenbuch hervor, in dem sie und die Teilnehmer Notizen festhalten. Der Eintrag der eben beendeten Stunde enthält diesmal auch ein Gedicht: «Wir waren im Garten und konnten nicht warten. Es war schön, vielleicht kommt noch der Föhn. Man weiss es nicht, das Wetter hat immer ein anderes Gesicht.» Entstanden sind diese Strophen in wenigen Minuten – und so sagt eine Bewohnerin zu Recht, dass die Gartenarbeit auch die Hirntätigkeit anregen würde. (CES)