Die im österreichischen Burgenland geborene Anna F. Helfer lebt seit 51 Jahren in Dietikon und steht seit 1998 im Lexikon zeitgenössischer Künstler, was sie auch über die Grenzen der Region bekannt machte. Dank der Zusammenarbeit mit Pius Fischbach, Inhaber der Galerie am Bogen in Bremgarten, verkaufen sich ihre abstrakten Bilder gut. Denn in der Galerie ist sie mit einer Auswahl ihrer Werke permanent vertreten.

Ihre dekorativen Gemälde springen dem Betrachter wegen der speziellen Anordnung von Farben und Formen ins Auge. Besonders prägend für ihren Stil ist die aussergewöhnliche Strukturierung der Oberflächen, die eine sinnliche Aura ausstrahlen. Der Verkauf von Bildern ist für Helfer bittersüss: Natürlich freue es sie, wenn ihre Bilder kunstbegeisterte neue Besitzer finden. «Im Grunde gebe ich meine Werke aber nicht gerne weg, weil jedes einzelne ein Stück von mir selbst ist», sagt die Malerin. Darum bleibe sie mit den Käufern gerne in Kontakt, um ihre Kreationen am neuen Ort besuchen zu können.

Sie arbeitet, wenn andere schlafen

Ihr Schöpfungsprozess für ein neues Bild findet jeweils am Boden sitzend statt, während im Hintergrund klassische Musik erklingt. Neben ihr stehen Pinsel, Farben und Farbpalette. Abends und nachts, wenn andere Feierabend machen und schlafen, fängt bei Helfer die kreative Phase erst richtig an und die Nacht wird für sie zum Arbeitstag. Dann wird ihr Atelier 4, in das tagsüber auch regelmässig Besucher kommen, zur eigentlichen Kunstklause.

Hier entstanden in den letzten Jahrzehnten mehrere hundert Kunstwerke wie üppige Blumen-Stillleben, impressionistisch anmutende Landschaften und abstrakte Farbfeldmalereien. Ihr Werk besticht nicht nur mit stilistischer Vielfalt, sondern auch durch den gelungenen experimentellen Umgang mit verschiedenen Materialien und Einschlüssen wie beispielsweise antiken Uhrenteilen oder Schriften. «Nach dem Bildermalen erwache ich wie aus einem Traum und wundere mich selbst, was da unter meinen Händen entstanden ist», sagt die Künstlerin, die heute ihren 80. Geburtstag feiert.

Helfer malt von Kindesbeinen an und hätte in ihrer Heimat am liebsten eine Kunstschule besucht. Stattdessen kam sie in die Schweiz und absolvierte am Spital Basel eine Ausbildung zur Pflegefachfrau. Beim Tanzen traf sie ihren späteren Ehemann André, den sie 1959 in Wien heiratete. Helfer: «Ich wusste beim Kennenlernen noch nicht, dass André im gleichen Spital als Laborant arbeitete.» Das Ehepaar zog zwei Töchter und einen Sohn gross. Als der Nachwuchs in den 1970er-Jahren alt genug war, widmete die Dietikerin sich wieder vermehrt der Kunst. Sie besuchte selbst Weiterbildungen, um ihre Fähigkeiten zu verfeinern, und begann, ihr Wissen an andere weiterzugeben.

Atelier im Färberhüsli

Ihre Keramik- und Bauernmalkurse erlangten in der Region eine hohe Popularität. Auch ihre Blumenbilder erfreuten sich grosser Beliebtheit und schmückten bald viele Privathaushalte, Geschäfte und öffentliche Einrichtungen. Viele Limmattaler würden sich noch gerne an ihre Zeit im Färberhüsli in Schlieren erinnern, wo sich ihr drittes Atelier befand, erzählt Helfer. «Manchmal glich es einem Bienenhaus, denn hier war ein beliebter Treffpunkt von Kunstschaffenden und Kunstbegeisterten. Ausserdem fand vor dem Färberhüsli alljährlich zur Weihnachtszeit auch ein musikalisch umrahmter Glühweinausschank statt.»

Eine Agenda führt die kreative Frau nicht. Wichtige Daten wie Geburts- oder andere Ehrentage seien in ihrem Hinterkopf fixiert und würden nicht vergessen, sagt sie. Auch mit 80 ist Helfer immer noch eine Frühaufsteherin: Um alle Dinge unter einen Hut zu bringen, die sie am Tag erledigen will, wird sie aktiv, wenn der Hahn kräht. Neben ihrer Kunst macht sie auch viele Krankenbesuche und Invalidenfahrten. Kurz: Anna F. Helfer kümmert sich gerne um ihre Mitmenschen. Anderen eine Freude zu bereiten oder zu helfen, ist für sie eine Herzensangelegenheit. «Ohne Malen und Menschen könnte ich nicht sein», sagt die Jubilarin.