Oberengstringen
Sie liebte, betrog und kämpfte für die Unabhängigkeit

Erika Keil las in der Bibliothek aus ihrem neuen Werk «Wir sind Romantiker», dessen Inspiration sie in alten Briefen fand. Die realen Verfasser der Schreiben verstrickte sie zu einer neuen Geschichte.

Anina Gepp
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Autorin Erika Keil liest in derBibliothek Oberengstringen.

Autorin Erika Keil liest in derBibliothek Oberengstringen.

Anina Gepp

Seit Erikas Keils neues Buch «Wir sind Romantiker» in der Bibliothek in Oberengstringen auszuleihen ist, ist es ohne Unterbruch besetzt. Dabei war nach Beendigung des Romans nicht einmal klar, ob Keil je einen Verleger für ihr Werk finden würde. «Die Geschichte spielt vor 200 Jahren in Deutschland. Dies einem Schweizer Verleger schmackhaft zu machen, war schwierig», sagt die Autorin.

Bis heute aktuell

In der Bibliothek in Oberengstringen hatte Keil am Montagabend die Möglichkeit, aus ihrem Buch vorzulesen. Die Brille sass der Oberstufenlehrerin, die in Oberengstringen unterrichtet, tief auf der Nase, die Augenbrauen zog sie zusammen, als sie zu lesen begann. Sie erzählte vom abenteuerlichen Leben der Karoline Schlegel Schelling, die zur Zeit der Frühromantik in Deutschland lebte. Männer, geheime Liebschaften und Kindstod sind Themen, die Schelling damals beschäftigten. Sie liebte und betrog und kämpfte ihr Leben lang für ihre Unabhängigkeit. Ihre grosse Leidenschaft galt der Literatur und Kunst. Musikalisch untermalt wurden die Passagen aus dem Buch mit Saxofonmusik von Christian Käufeler.

Keil sieht auch heute noch etwas Zeitgenössisches in der damaligen Zeit. «Vor 200 Jahren schrieben die Leute allerhand in Form von Briefen auf. Zu Tausenden schrieben sie diese, mit teilweise völlig unnötigen Informationen», sagt die Autorin. Sie vergleiche das gerne mit der heutigen Zeit, wo man sich per SMS allerhand Unnötiges schicke.

Leben und Arbeit vereinen

«Wir sind Romantiker» solle kein trockener historischer Roman sein, so Keil. Viel mehr gehe es ihr um die Figuren und deren Geschichte. Die Dialoge der Protagonisten im Buch sind alle wahr und aus Briefen herausgesucht. Nur der Kontext und die Geschichte rund herum hat Keil neu aufgebaut. «Karoline Schlegel Schelling ist eine Frau, die sich emanzipieren wollte, ohne dabei aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden», so Keil. Sie sehe insofern eine Parallele zu sich selber, als dass auch sie jeden Tag versuche, Privatleben und Arbeit sinnvoll zu vereinen.

Ruth Dätwyler war schon letztes Jahr an der Lesung von Erika Keil, als die Autorin ihr erstes Buch vorstellte. «Ich lese gerne und viel. Ich schaue sicher einmal ins Buch rein», sagt sie nach der Lesung. Die Geschichte sei faszinierend. Auch Bibliotheksleiterin Brigitte Spiess ist angetan von Keils Werk. «Ich hatte schon Gelegenheit, darin zu lesen. Die Sprache der damaligen Zeit ist sehr schwülstig und die Protagonisten kaum überschaubar», sagte sie. «Wir sind Romantiker» sei ein ganz gegensätzlicher Roman zu Keils erstem Werk. Spiess freut sich, wenn Autoren in der Bibliothek lesen. «Vor allem bei einer Autorin aus dem eigenen Dorf ist das doch Ehrensache.»