Sommerserie
Sie leben vom Verkehr: «Busfahren ist für viele ein Traumjob»

Die Limmat Bus AG in Dietikon beschäftigt 90 Chauffeure und 2 Chauffeusen.

Sibylle Egloff
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Sirhan Sinani, 37 «Vor 15 Jahren habe ich als Busfahrer bei der Limmat Bus AG gestartet. Ich war auch in der Disposition und in der Werkstatt tätig. Seit fünf Jahren bin ich Betriebsleiter. Das Fahren an sich und der Kontakt mit Menschen ist das Schöne an diesem Beruf. Die zahlreichen Baustellen und der immer dichter werdende Verkehr im Limmattal setzt Buschauffeure unter Druck. Es ist nicht einfach, unter diesen Umständen den Fahrplan einzuhalten.»
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Martin Peter, 48 «Ich bin am Flughafen Kloten lange Passagierbusse gefahren, bis das Swissair-Grounding mich den Job gekostet hat. Bei der Limmat Bus AG arbeite ich seit 15 Jahren. Einmal Buschauffeur oder Lokomotivführer werden, das war ein Bubentraum von mir. Das Schöne an meinem Beruf ist, dass man nicht im Büro sitzt, sondern unterwegs ist und mit Menschen in Kontakt kommt. Das einzig Nervige sind für mich Fahrgäste, die im leeren Bus neben mich sitzen und laut telefonieren.»
Chauffeure der Limmat Bus AG
Bekim Marovci, 42 «Früher war ich als Hauswart in der Stadt Zürich tätig. Doch es reizte mich, etwas Neues auszuprobieren. Zudem haben mich die grossen Maschinen bereits als Kind fasziniert. Mein Onkel hatte im Kosovo einen eigenen Busbetrieb. Das Gute an meinem Job ist, dass ich weiss, wann der Arbeitstag beginnt und wann er endet. Als Hauswart war das nicht so. Zudem macht man sich die Hände nicht schmutzig und schwitzen tut man im Sommer im klimatisierten Bus auch nicht.»
Miodrag Lakic, 58 «Ich habe 30 Jahre lang als Spengler gearbeitet. Als ich älter wurde, merkte ich, dass ich meinem Rücken zuliebe einen anderen Weg gehen muss. Nun fahre ich schon seit acht Jahren Bus. Am liebsten sind mir meine Arbeitskollegen. Und auch die Fahrgäste sind toll. Eine ältere Dame hat mir zum Beispiel zu Weihnachten Guetzli geschenkt. Solche Sachen stellen mich auf. Negatives gibt es aber leider auch: Ein Fahrgast hat mich einmal angespuckt.»
Patrizia Terzini, 46 «Ich arbeite erst seit Juni für die Limmat Bus AG. Davor war ich zwölf Jahre lang in der toskanischen Provinz Pistoia Busfahrerin. Für mich fühlt sich die Arbeit in der Schweiz an, als wäre ich im Paradies. Es gibt weniger Stau und die Busspuren sind hier tatsächlich Busspuren. In Italien sind das Parkplätze. Ich bin in der Schweiz geboren und aufgewachsen und habe mich entschieden, wieder zurückzukommen, da ich meinem zweijährigen Sohn hier eine bessere Zukunft bieten kann.»

Sirhan Sinani, 37 «Vor 15 Jahren habe ich als Busfahrer bei der Limmat Bus AG gestartet. Ich war auch in der Disposition und in der Werkstatt tätig. Seit fünf Jahren bin ich Betriebsleiter. Das Fahren an sich und der Kontakt mit Menschen ist das Schöne an diesem Beruf. Die zahlreichen Baustellen und der immer dichter werdende Verkehr im Limmattal setzt Buschauffeure unter Druck. Es ist nicht einfach, unter diesen Umständen den Fahrplan einzuhalten.»

Claudio Thomas

Wer Busfahren zu seinem Beruf machen will, muss eine Stange Geld in die Ausbildung investieren. 15'000 bis 20'000 Franken kosten Fahrlektionen, die theoretische und die praktische Prüfung. Hinzu kommt seit dem 1. September 2009 die Chauffeurzulassungsverordnung. Wer ab diesem Datum die Fahrausweiskategorie D erworben hat, benötigt diesen Fähigkeitsausweis. Er bezeugt, dass man sich nicht nur verkehrstechnisch auskennt, sondern auch weiss, wie man mit Fahrgästen umgeht, etwa in einem Notfall.

Sommerserie (10/12) Seit Jahrtausenden sind die Menschen unterwegs. Heute stehen unzählige Fortbewegungsmittel zur Verfügung, und die Mobilität ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. In ihrer Sommerserie 2018 zeigt die Limmattaler Zeitung die Mobilität im Limmattal aus verschiedenen Blickwinkeln.

Sommerserie (10/12) Seit Jahrtausenden sind die Menschen unterwegs. Heute stehen unzählige Fortbewegungsmittel zur Verfügung, und die Mobilität ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. In ihrer Sommerserie 2018 zeigt die Limmattaler Zeitung die Mobilität im Limmattal aus verschiedenen Blickwinkeln.

Limmattaler Zeitung

Abschreckend scheinen diese Voraussetzungen aber nicht. «Wir erhalten zahlreiche Bewerbungen und haben keine Mühe, gute Mitarbeitende zu finden. Busfahren ist für viele ein Traumjob», sagt Sirhan Sinani. Er ist Betriebsleiter der Limmat Bus AG in Dietikon. Die Firma fährt seit 2002 im Limmattal im Auftrag der Verkehrsbetriebe Zürich und ist der grösste Anbieter von Buslinien im Bezirk Dietikon. Daneben deckt das Unternehmen aber auch Linien in der Region Zofingen sowie zwischen Wohlen, Fahrwangen und Meisterschwanden ab. Insgesamt arbeiten 180 Personen bei der Limmat Bus AG. In Dietikon sind 103 Mitarbeiter tätig, 92 davon sind Buschauffeure. Sie beförderten 2017 8,6 Millionen Fahrgäste im Limmattal.

Sicher ankommen

«Die höchste Priorität ist die Fahrgäste sicher von A nach B zu bringen», sagt Sinani. «Man muss sich einfach vorstellen, dass die eigene Familie im Bus sitzt. Man will nicht, dass ihr etwas passiert.» Stehende Fahrgäste seien das grösste Risiko. Daher sei vor allem zu Spitzenzeiten, wenn viele Personen im Bus stehen, hohe Konzentration gefragt. Auch die Einhaltung des Fahrplans ist wichtig. «Verspätungen kommen aufgrund der vielen Baustellen in letzter Zeit häufiger vor», sagt Sinani. Dementsprechend gibt es viele Reklamationen. Er empfiehlt, die ZVV-App zu checken. «Dort sind die Echtzeiten der Busse ersichtlich.» Auch die Türen sorgen ab und zu für Kritik. «Die Fahrgäste denken, dass wir sie zumachen, dabei schliessen sie automatisch», so Sinani. Und auch die Ampeln könnten sie nicht beeinflussen. «Ein Steuergerät unter dem Bus meldet die Busse beim Lichtsignal zwar an. Bevorzugt behandelt, werden wir aber nicht immer.»