Dietikon
Natacha Kouni läuft in der Spur von Kambundji: Internationale Erfolge scheinen für die Sprinterin nur eine Frage der Zeit

Die in Kamerun geborene und in Dietikon aufgewachsene Natacha Kouni (19) ist eines der grössten Leichtathletik-Talente der Schweiz.

Ruedi Burkart
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Natacha Kouni (Mitte) gilt als eines der grossen Talente über die 100-Meter-Distanz. Hier ist sie auch schneller als Ditaji Kambundji (links) die Schwester von Mujinga.

Natacha Kouni (Mitte) gilt als eines der grossen Talente über die 100-Meter-Distanz. Hier ist sie auch schneller als Ditaji Kambundji (links) die Schwester von Mujinga.

Bild: zvg

Wer in seinem Sport vorwärtskommen will, der muss manchmal harte Entscheidungen treffen. Solche, die einem persönlich wehtun. Auch Natacha Kouni kam nicht umhin, sich im Sinne der Effizienzsteigerung neu zu orientieren. Immerhin fast neu. Dem 100-Meter-Sprint ist die Athletin des LC Zürich, die am kommenden Donnerstag ihren 20. Geburtstag feiern wird, treu geblieben. «Aber mit Diskuswerfen habe ich aufgehört.» Sie renne jetzt nur noch, andere Disziplinen hätten sie sowieso nie richtig interessiert. Wie sagte Kouni, die unlängst von Dietikon nach Dänikon gezogen ist, einmal zur «Limmattaler Zeitung»: «Beim Weitsprung, da schaue ich lieber zu.»

So konzentriert sich Kouni seit geraumer Zeit auf den Sprint. Ihre Bestzeit über 100 Meter drückte sie im vergangenen Sommer noch als U20-Athletin auf 11,60 Sekunden. In diesem Jahr wird sie neu in der Altersklasse U23 starten. Interessantes Detail: Der aktuelle Schweizer U23-Rekord im 100-Meter-Sprint der Frauen liegt bei 11,20 Sekunden, aufgestellt von Mujinga Kambundji im Jahr 2014. Vier Zehntel, das sollte doch zu schaffen sein?

Die U23-Weltmeisterschaft in Norwegen als Ziel

Sie wolle sich nicht auf Spekulationen einlassen, sagt Kouni nur. Aber ja, sie wolle natürlich versuchen, ihre Bestzeit möglichst weit nach unten zu drücken. «Vier Zehntelsekunden, das hört sich zwar nach wenig an, aber das ist viel, sehr viel.» So oder so darf man auf die nächsten Auftritte der Sprinterin gespannt sein.

Womit wir beim Thema wären: Saisonplanung in Zeiten von Corona. «Das ist tatsächlich eine spezielle Sache», sagt ­Kouni. «Die Pandemie macht alles nicht ganz einfach.» In der provisorischen Agenda stehen unter anderem Teilnahmen an der Schweizer Meisterschaft der Junioren und der Aktiven sowie an der U23-Weltmeisterschaft Anfang Juli in Norwegen. «Wie es dann tatsächlich aussieht, wer weiss das zum jetzigen Zeitpunkt schon», sagt Kouni. Im vergangenen Jahr hätte sie in Kenia an der U20-Weltmeisterschaft nur zu gerne gezeigt, wozu sie fähig ist. Doch wie viele andere internationale Anlässe fielen auch die Nahwuchs-Welttitelkämpfe dem Virus zum Opfer. «Immerhin konnten wir ab Mai Wettbewerbe in der Schweiz durchführen», so Kouni. An einem davon stellte sie ihren aktuellen persönlichen Rekord auf.

Um in der Erfolgsspur zu bleiben, arbeitet Natacha Kouni hart an Kondition und Technik. Fünfmal die Woche während der aktuellen Aufbauphase, Mittwoch und Sonntag ist frei. Trainiert wird sie von Maggie Mantingh-Haug, einer ehemaligen 100-Meter- und 200-Meter-­Sprinterin, die 1997 an der Schweizer Meisterschaft Gold über 100 Meter holte. Damals gewann Mantingh-Haug in einer Zeit von 11,59 Sekunden, war also gerade mal eine Hundertstelsekunde schneller als Kouni bei ihrer persönlichen Bestzeit. Eine Einschätzung zu Kouni wollte Mantingh gegenüber der «Limmattaler Zeitung» übrigens nicht abgeben. «Sie möchte im Hintergrund bleiben», erklärt Natacha Kouni.

Parallel zum Sport bereitet sich die Sprinterin auf das Leben nach der Karriere vor. Sie absolviert aktuell das vierte und letzte Jahr an der United School of Sports, der Berufsfachschule für Sporttalente, und jobbt bei einem Grossverteiler im Büro.

Natacha Kouni lebt seit 2010 in der Schweiz. Das damals elfjährige Mädchen, geboren in Kamerun, fand in Dietikon eine neue Familie. Sie ging zuerst im Zentralschulhaus und danach im Luberzen zur Schule. Dank ihres Talents durfte sie im Alter von 13 Jahren dem LC Zürich beitreten, einem Leistungssportverein für Leichtathletinnen und Leichtathleten. Seither verbessert sich Kouni – die seit 2018 den Schweizer Pass besitzt –stetig. Internationale Erfolge scheinen nur eine Frage der Zeit zu sein.

Natacha Kouni

Geburtstag: 18. Februar 2001 in Kamerun

Wohnort: Dänikon, zuvor Dietikon

Verein: LC Zürich

Disziplin: 100-Meter-Sprint

Bestzeit: 11,60 Sekunden

Erfolge: Qualifikation für die U20-EM im Jahr 2019

Ziele: Qualifikation für die U23-­WM Anfang Juli in Bergen, Norwegen. Verbessern per­sönliche Bestleistung über 100 m.