Unterengstringen
Sie kümmert sich um 80'000 fleissige Arbeiter

Ruth Guillén betreut im Bienenhaus beim Ortsmuseum von Unterengstringen zwei Bienenvölker. Die Imkerin erzählt vom langen und beschwerlichen Weg bis zur fertigen Honigproduktion.

Sandro Zimmerli
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Ruth Guillén kümmert sich um die Unterengstringer Bienenvölker.

Ruth Guillén kümmert sich um die Unterengstringer Bienenvölker.

Sandro Zimmerli

Leidenschaft, aber auch Verantwortung sind zwei Begriffe, die immer wieder fallen, wenn Ruth Guillén von ihrem Hobby erzählt. Einer Freizeitbeschäftigung, die anstrengend und gleichzeitig faszinierend ist, wie man schnell feststellt, wenn man ihr zuhört. Seit 20 Jahren imkert sie, dank ihrem Mann. Er hat damit begonnen und sie so in eine Welt eingeführt, die sie bis heute fesselt.

Insgesamt 26 Bienenvölker an verschiedenen Standorten halten die beiden Imker. Zwei von ihnen befinden sich seit diesem Jahr im Bienenhaus beim Ortsmuseum Unterengstringen. Dieses wurde in diesem Frühjahr von seinem alten Standort auf der Widenbüelwiese an die Weidstrasse gezügelt, saniert und mit einer kleinen Ausstellung zur Imkerei bestückt. Guilléns Aufgabe ist es, die beiden Bienenvölker zu pflegen, sodass schon bald echter Unterengstringer Honig gewonnen werden kann.

Bis zum Zeitpunkt, an dem Gullién die mit Honig gefüllten Waben in der Zentrifuge schleudern kann, um die goldgelbe Flüssigkeit herauszulösen und in Gläser abzufüllen, ist es ein langer und intensiver Weg. «Bienenvölker brauchen das ganze Jahr hindurch eine regelmässige Pflege. Es reicht nicht aus, sich nur dann um die Tiere zu kümmern, wenn man Lust dazu hat», sagt sie. Ein Imker habe eine Verantwortung für seine Bienen, genauso wie ein Bauer für seine Kühe. Gleich wie bei anderen Tieren baue man auch eine Beziehung zu seinen Völkern auf. Ein einziges von ihnen umfasse im Frühling gut und gerne 40 000 Tiere.

Für Unterengstringen bedeutet das, dass dort gegen 80 000 Bienen beheimatet sind. Wie viel Ertrag sie bringen werden, sei schwer abzuschätzen, sagt Guillén. Sicher ist dagegen, dass es sich um echten Engstringer Honig handeln wird. «Bienen sammeln den Nektar in einem Umkreis von rund einem Kilometer um das Bienenhaus», erklärt die Imkerin.

Damit die Bienen im Frühling, wenn es blüht, gesund sind, bedarf es das ganze Jahr über viel Arbeit. Für den Imker startet das Bienenjahr üblicherweise im Spätsommer. Dann beginnt die Erzeugung der Winterbienen. Ihre Lebensdauer beträgt rund sechs Monate, jene der Sommerbienen rund vier Wochen. Das Volk reduziert sich allmählich. Für den Imker heisst das, die Tiere nach der Honigernte für den Winter aufzufüttern. «Dies geschieht mittels eines Zuckersirups. Nur ein starkes Bienenvolk übersteht den Winter unbeschadet», so Guillén. Zudem stehe dann auch die Varroa-Behandlung an. Die Milbe, die sich in der Bienenbrut vermehre, sei der grösste Schädling für die Bienen.

Im Herbst und Winter bringt der Imker vor allem seine Geräte auf Vordermann und bereitet alles für den Frühling vor. Dennoch dürfe die Pflege der Bienen nicht zu kurz kommen. «Bienen machen keinen Winterschlaf», erklärt Guillén. Sobald es wieder wärmer werde und die Sonne länger scheine, könne es eng werden für das Bienenvolk. Dann müsse der Imker die Brutfläche vergrössern. Dazu würden Rahmen mit einer eingelegten Wachsplatte verwendet, die sogenannten Mittelwände. Auch diese müssten im Winter vorbereitet werden.

Obschon die Imkerei ein zeitraubendes Hobby ist, möchte es Guillén nicht missen. «Bei den Bienen kann ich abschalten. Sie haben eine beruhigende Wirkung auf mich», sagt sie. Es sei faszinierend, zu beobachten, wenn die von dem verschiedenen Blütenstaub gefärbten Bienen ins Bienenhaus zurückkehren. «Ich frage mich dann, wo hat das Tier lila Pollen in der Umgebung gefunden. Bei Spaziergängen halte ich danach Ausschau», so Guillén. Das habe dazu geführt, dass sie die Natur mittlerweile ganz anders, viel intensiver wahrnehme als früher. Zudem sei es generell äusserst faszinierend, den Bienen bei ihrer Arbeit in den Waben zuzuschauen. «Eine einzelne Biene könnte nicht überleben. Es braucht das gesamte Volk. Dieses wirkt wie ein grosser Organismus», sagt die Imkerin. In all den Jahren, in denen sie sich mit den Bienen auseinandersetze, habe sie viel gelernt. Doch an eines habe sie sich bis heute nicht gewöhnt, die Stiche. «Ein Bienenstich schmerzt immer. Dagegen werde ich nie immun.»

Bienenrahmen-Träff im Ortsmuseum Unterengstringen, Weidstrasse 13

Heute Sonntag, 14–16 Uhr.