Weiningen
Sie kämpft gegen traurigen Trend: Pelz ist wieder angesagt

Pelz verkaufe sich zurzeit so gut wie seit Jahren nicht mehr – Silvia Zihlmann aus Weiningen kämpft gegen den Trend an. Denn der Pelz in der Schweiz stammt fast ausschliesslich aus grausamen Zuchtanlagen.

Sarah Fuhrer
Merken
Drucken
Teilen
Silvia Zihlmann kämpft gegen Pelz.

Silvia Zihlmann kämpft gegen Pelz.

Zur Verfügung gestellt

Pelzkapuzen, Pelzkrägen, Pelzmützen: Während Pelz in anderen Jahren verpönt war, ist das Material diesen Winter wieder überall präsent. «Sowohl auf dem Land wie in der Stadt sehe ich jetzt Pelz - Frauen, Männer und sogar Kinder tragen ihn», empört sich Silvia Zihlmann aus Weiningen. Gemeinsam mit ihrem Mann Josef Zihlmann, der die Tierarztpraxis Schönegg AG in Dietikon führt, setzt sie sich für Tiere ein. «Eine Modeverkäuferin hat mir gesagt, Pelz verkaufe sich zurzeit so gut wie seit Jahren nicht mehr», sagt Zihlmann. «Das ist eine gefährliche Entwicklung.»

Schön, weich und günstig

Der in der Schweiz verkaufte Pelz stamme fast ausschliesslich von Tieren, die in industriellen Pelztier-Zuchtanlagen gehalten würden. «Es sind Länder wie China, die ein ganz anderes Verhältnis zu Tieren haben. In den Zuchtanlagen dort herrschen schreckliche Zustände», sagt Zihlmann. Bei lebendigem Leibe würde den Tieren das Fell abgezogen, 30 Millionen Tiere würden dafür jährlich getötet. Neben Nerzen und Füchsen treffe es besonders oft Hunde. «Viele Leute scheinen das nicht zu wissen oder einfach zu ignorieren», so Zihlmann. Der Pelz sehe gut aus, sei schön weich und zurzeit auch sehr billig, also werde er gekauft.

Silvia Zihlmann möchte diesen Trend stoppen und die Bevölkerung aufrütteln - deshalb verteilt sie in verschiedenen Städten Flyer mit dem Bild einer Jacke mit Pelzkapuze und der Aufschrift «Hierfür werden Tiere gequält und lebendig gehäutet! Wollen Sie das?» Damit möchte sie die Leute dazu aufrufen, bewusst zu verzichten.

Immer, wenn sie unterwegs ist, hat sie ein paar Flyer dabei, besonders wenn sie in Dietikon oder Spreitenbach einkaufen geht. «Gelegentlich ergeben sich dabei Gespräche», so Zihlmann. Einige seien interessiert, andere ablehnend oder würden behaupten, ihr Pelz komme mit Sicherheit aus guter Haltung. «Seit ich die Flyer in ‹Pelz ist in›- Kuverts gesteckt habe, ist das Interesse viel grösser», sagt Zihlmann.

Die Flyer hat Silvia Zihlmann von der Schweizer Tierschutzorganisation Animal Trust. Diese ist momentan an einer grossen Kampagne gegen Pelz beteiligt, unter anderem mit Plakataktionen und Auftritten in verschiedenen Medien. Auf der Website der Tierschutzorganisation findet sich zudem ein Video über die Pelzherstellung.

«Wenn die Leute dieses Video sehen, werden sie auf jeden Fall schockiert sein und sich Gedanken machen», sagt Zihlmann. Ihr Wunsch ist es, auch in den Schulen über die Zustände zu informieren. «Wenn die Kinder danach mit einer kritischen Haltung nach Hause gehen, denken vielleicht auch die Eltern darüber nach», sagt Zihlmann.

Sie hofft, dass der momentane Trend schnell gestoppt werden kann. «Je mehr Leute auf Pelz verzichten, desto grösser ist die Chance, dass sich die allgemeine Einstellung in der Gesellschaft wieder ändert», so Zihlmann. Und wer unbedingt Pelz tragen möchte, könne doch auch synthetischen kaufen. «Der sieht heute fast gleich aus. Nur müssen dafür keine Tiere qualvoll verenden.»