Birmensdorf
Sie ist die Rückversicherung für die Theater-Schauspieler

In Birmensdorf spielt das Theater 8903 derzeit das Lustspiel «Bäckerei Dreyfuss». Die Souffleusen Marianna Gossweiler und Eveline Endrizzi helfen mit, dass der unterhaltsame Kampf zwischen Gut und Böse nicht ins Stocken gerät.

Tobias Hänni
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Meist reicht nur ein Stichwort: Haperts mit den Textkenntnissen, hilft Marianna Gossweiler den Schauspielern mit subtiler Unterstützung wieder auf die Sprünge.

Meist reicht nur ein Stichwort: Haperts mit den Textkenntnissen, hilft Marianna Gossweiler den Schauspielern mit subtiler Unterstützung wieder auf die Sprünge.

Tobias Hänni

Als am Freitagabend im Gemeindezentrum Brüelmatt in Birmensdorf der fröhliche Schwank «Bäckerei Dreyfuss» aufgeführt wird, sitzt Marianna Gossweiler auf einem Kinderstuhl und starrt in ein dickes Heft.

Zwei Stunden lang liest sie mit, was in dem dreiteiligen Lustspiel um übergrosse Gipfeli, eine uralte Linde und einen Supermarkt gesprochen, gemurmelt und geschrien wird. Und wenn auf der Bühne die Schauspieler bei den schnellen Pointen des Schwanks aus dem Dialog zu fallen drohen, flüstert ihnen Gossweiler aus dem engen Hohlraum unter der Bühne ihren Text zu. «Ein Stichwort reicht dabei meistens aus», sagt die 59-jährige Souffleuse, Vizepräsidentin und Kassierin der Theatergruppe Birmensdorf.

René Rechsteiner kämpft als Bäcker Dreyfuss für den Erhalt des Dorfkerns.

René Rechsteiner kämpft als Bäcker Dreyfuss für den Erhalt des Dorfkerns.

Tobias Hänni

Seit sieben Jahren souffliert die Urdorferin bei den Aufführungen der Gruppe. Dabei hat sie aus dem Souffleurkasten einen sehr eingeschränkten Blick auf die Bühne – sie sieht nur die Beine der Schauspieler. «Und manchmal einen Kopf, wenn sie sich setzen.»

Umso mehr genoss Gossweiler am Freitag die Premiere von «Bäckerei Dreyfuss», die sie für einmal im Publikum mitverfolgen konnte – dank Eveline Endrizzi, die dieses Jahr erstmals als Flüsterin im Einsatz steht. Viel habe sie nicht helfen müssen, sagt Endrizzi nach der Erstaufführung.

Diesen Eindruck hatte man auch als Zuschauer. Trotz schnellen Dialogen und träfen Sprüchen waren die Darsteller bis auf einige wenige Versprecher sattelfest und überzeugten in ihren Rollen.

Hildegard Rüttimann als herrlich hysterische Frau Dr. Lieblich, René Rechsteiner als trotziger Bäcker Dreyfuss, der mit Teig und Seele für den Erhalt des Dorfkerns kämpft, und Dani Elsener als erfolgsgieriger Gemeindepräsident Brunner ernteten von den rund 90 Besuchern an der Premiere regelmässig Szenenapplaus.

Patrick Imhof entlockte in der Rolle des vorlauten Bäckerlehrlings Willi, der sich beim Gipfelibacken und in der Wortwahl schwer verschätzt, dem Publikum Lacher im Sekundentakt. Damit brachte er auch bei vereinzelt etwas langatmigen Szenen immer wieder Kurzweil ins Stück.

Für Marianna Gossweiler ist «Bäckerei Dreyfuss» eine anspruchsvolle Produktion. «Die Pointen müssen schnell kommen, sonst flacht die Handlung ab.» Sie weiss, dass sich die Schauspieler normalerweise von Aufführung zu Aufführung steigern und ihre Rollen mit der Zeit immer routinierter spielen. «An der Derniere sind sie dann richtig frech und dichten manchmal noch etwas hinzu.»

Dann seien sie auch in der Lage, bei einem Aussetzer zu improvisieren, sagt Gossweiler. Sie kennt die Entwicklung, welche die Schauspieler durchlaufen, aus eigener Erfahrung: Bevor sie den Job der Souffleuse übernommen hat, stand sie selber jahrelang auf der Bühne. Und das Rampenlicht dort oben, das vermisst sie unten in ihrer «Schublade» manchmal schon.

Trotzdem macht ihr das Einflüstern Spass. «Ich erlebe das Theater aus einer ganz anderen Perspektive.» Aus Sicht der Souffleuse lerne sie «ihre Pappenheimer» sehr gut kennen. «Es fasziniert mich, wie die Darsteller im Verlauf der Vorbereitungen mehr und mehr in ihre Rollen hineinwachsen.»

Bei den Leseproben merkt Gossweiler schnell, bei welchen Stellen der eine oder andere Schwierigkeiten hat und sie besonders aufpassen muss. «Da lese ich dann Wort für Wort mit.» Ideal wäre natürlich, wenn es ihre Hilfe bei den Aufführungen gar nicht brauche, sagt Gossweiler. Doch dann sässe sie jeweils umsonst zwei Stunden auf einem Kinderstuhl unter der Bühne.

«Bäckerei Dreyfuss» Weitere Aufführungen: 16., 17. und 18. April um 20 Uhr, Gemeindezentrum Brüelmatt. Mehr Infos auf: www.theater8903.ch