Geräteturnen

Sie hatten auch ohne Medaillen ihren Spass

Zum ersten Mal fand die Schweizer Meisterschaft im Limmattal statt. Die Dietiker Stadthalle wurde von vielen Helfern zur Turnhalle umfunktioniert. Die Organisatoren sind zufrieden.

Mika Hodel drehte sich kurz um, lächelte und bedankte sich. Er hatte sich in der Stadthalle Dietikon gerade auf den Weg zum Einlaufen gemacht, als er von seiner Familie ein paar Motivationsrufe hörte. Einer davon stammte von seinem Vater Willi Hodel.

Er sei schon nervös, gab er vor dem Wettkampf seines Sohnes zu, der sich für die Gerätefinals am Reck und beim Sprung qualifiziert hatte. «Aber Mika ist auch angespannter als sonst. Schliesslich wäre es für ihn wunderschön, hier an seiner Schweizer Heim-Meisterschaft eine Medaille zu holen.»

Angespannt war Mikas Vater auch schon im Vorfeld der diesjährigen Schweizer Meisterschaften im Geräteturnen. Als OK-Präsident musste er vor dem Grossanlass in der Dietiker Stadthalle nämlich noch das eine oder andere Problem lösen.

Beispielsweise für das Reck, an dem die Herren turnen sollten. Wegen des Swiss Cups stand den Organisatoren kein Reck zur Verfügung. Also bestellte der Zürcher Turnverband eines, das er dann nach Dietikon vermietete. Am Donnerstagmorgen habe man es aufbauen wollen.

«Dabei haben wir einen Konstruktionsfehler entdeckt», sagte Hodel. «Das Reck war aus Stuttgart geliefert worden, das konnten wir nicht einfach zurückgeben.» Also mussten Hodel und seine Helfer vom TV Weiningen selber Hand anlegen. Am Freitagmorgen sei das Reck dann von Experten abgenommen worden. «Zum Glück ist alles gut gegangen», sagte Hodel.

Das gilt auch für den ersten Tag der zweitägigen Schweizer Meisterschaft. «Wir hatten am Samstag keine einzige Verletzung», sagte Hodel. «Und die Halle war voll.» Es seien sogar so viele Leute gekommen, dass den Organisatoren die Eintrittsbändel ausgegangen seien. «Wir mussten die Leute ohne Bändel reinlassen», so Hodel.

Dasselbe Problem habe man beim Getränkewagen gehabt: Dieser war nach einer Weile leer. Dabei sei es der gleiche Wagen gewesen, der letztes Jahr an der Schweizer Meisterschaft in Luzern zum Einsatz gekommen sei: «Der Samstag war wirklich unglaublich.»

Kurioser Zwischenfall

Auch gestern waren die fest installierten und provisorisch aufgebauten Tribünen der Stadthalle praktisch immer voll. Doch selbst, wenn der Zuschaueraufmarsch kleiner gewesen wäre, hätte man laut Hodel zumindest eine schwarze Null geschrieben: «Wir haben die Kosten schon durch die Sponsoreneinnahmen gedeckt.»

Weniger erfreulich waren hingegen einige Schreckmomente. So musste die Winterthurerin Sina Flükiger beim Sprung ihren Anlauf abbrechen, weil eine Fotografin unvermittelt ihren Weg kreuzte. Flükiger liess sich jedoch nicht aus dem Konzept bringen und zeigte zwei solide Sprünge.

Eine andere Athletin verletzte sich beim Sprung. «Es ist etwas mit dem Knie», sagte Hodel. Und auch die Urdorferin Kim Kober, die in der Kategorie K6 startete, hatte Pech: Sie vertrat sich den Fuss. Immerhin konnte sie den Wettkampf noch zu Ende turnen, wenngleich sie mit dem 29. Rang einen Spitzenplatz klar verpasste.

Doch konnte sich Kober damit trösten, dass es den anderen Limmattalerinnen auch ohne Verletzung in der Endabrechnung nicht unter die Top-Ten reichte. In der Kategorie K5 wurde Kobers Teamkollegin Lea Hartmann 57., in der Kategorie K7 erreichte die Weiningerin Alessia Romanelli den 50. Platz, und bei den Frauen war die Urdorferin Maya Keller mit dem 15. Rang stärkste Limmattalerin.

«Es wäre angesichts der Konkurrenz schon fast sensationell gewesen, hätte eine Limmattalerin einen Spitzenrang geholt», so Hodel. «Die Schweizer Meisterschaften reflektieren nicht die Leistungen der Turnerinnen und Turner während des Jahres, sondern sie sind der Höhepunkt des Jahres. Und da kann ein kleiner Fehler schon sehr teuer werden.»

Und Hodels Sohn? Der zeigte bei den Gerätefinals beim Sprung und am Reck eine solide Leistung. Doch zur erhofften Medaille reichte es an beiden Geräten nicht. Am Reck verpasste der Weininger eine Medaille nur knapp: Hodel hatte sich die Note 9,65 geholt, Pascal Landolt und Simon Stalder, die ex aequo Silber gewannen, jeweils eine 9,70.

Dennoch wird seinem Vater die erste Schweizer Meisterschaft im Geräteturnen, die im Limmattal stattfand, in bester Erinnerung bleiben. «Die Stimmung war super, ich habe nur positive Rückmeldungen bekommen», sagte er. «Es hat grossen Spass gemacht.»

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