Urdorf
«Sie gehen in die Geschichte ein»: Urdorf knackt 10'000er-Grenze und feiert besondere Neuzuzügerin

Evelyn Strahm ist die 10000. Einwohnerin des Dorfs. Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner ehrte sie gestern.

Sibylle Egloff
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Feiern den Meilenstein für die Gemeinde Urdorf: Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner (von links), Neuzuzügerin Evelyn Strahm, Einwohnerkontrolle-Leiterin Alexandra Keller und Gemeindeschreiber Urs Keller rückten für das Foto zur Ehrung nur kurz näher zusammen, als es der Corona-Abstand erlaubt.

Feiern den Meilenstein für die Gemeinde Urdorf: Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner (von links), Neuzuzügerin Evelyn Strahm, Einwohnerkontrolle-Leiterin Alexandra Keller und Gemeindeschreiber Urs Keller rückten für das Foto zur Ehrung nur kurz näher zusammen, als es der Corona-Abstand erlaubt.

Alex Spichale

Was der Stadt Dietikon bereits in den 1950er-Jahren und der Stadt Schlieren in den 1960er- Jahren zuteil wurde, erlebt nun auch die Gemeinde Urdorf. Sie feierte gestern ihre 10000. Einwohnerin. Die magische Grenze überschritt Urdorf mit dem Zuzug von Evelyn Strahm am 1. April. Die 33-Jährige verschlug es mitten in der Coronakrise mit ihrem Partner von Zürich Altstetten in die neue Überbauung Pappel in Urdorf.

Strahm fiel aus allen Wolken, als sie erfuhr, dass sie eine ganz besondere Einwohnerin für die Gemeinde ist. «Ich habe mich sehr gefreut. Es ist nichts Alltägliches und wirklich ein lustiger Zufall», sagte die Marketing-Managerin gestern bei der feierlichen Übergabe der Urkunde auf der Einwohnerkontrolle der Gemeindeverwaltung. «Das ist ein Jackpot. Sie gehen in die Geschichte ein», präzisierte Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner (EVP) mit einem Lächeln. Sie überreichte Strahm nicht nur die allererste Urkunde dieser Art, sondern auch einen Blumenstrauss, ein Badetuch samt Gutschein für die Sport- und Freizeitanlagen Urdorf und eine für das spezielle Ereignis gefertigte Holzfigur, welche die Zahl 10'000 darstellt.

Zahl 10'000 als Sinnbild für die Dorfentwicklung

Bei der Ehrung mit dabei waren auch Alexandra Keller, Leiterin der Einwohnerkontrolle Urdorf, und Gemeindeschreiber Urs Keller. «Herzlich willkommen in Urdorf, es freut mich besonders, dass sie in der «Pappel»-Überbauung beheimatet sind», sagte Rottensteiner. Das Projekt sei für die Bevölkerung sehr emotional gewesen, weil dort das traditionelle Dorf-Restaurant Pappel gestanden hätte, erklärte sie der Neuzuzügerin.

Die Zahl 10'000 hat für die Gemeinde eine grosse Bedeutung. «Sie steht als Sinnbild für die Entwicklung Urdorfs vom kleinen Bauerndorf zur modernen Agglomerationsgemeinde», sagte die Gemeindepräsidentin. Eine Überraschung ist es für die Gemeinde aber nicht. «2019 haben wir die 10'000 knapp verpasst. Mit all den fertiggestellten Bauten dieses Jahr lag der 10'000er-Schritt 2020 auf der Hand», sagte Gemeindeschreiber Urs Keller.

Nun die nächste Einwohnerzahlmarke zu knacken, ist nicht das Ziel der Gemeinde. «Für den Gemeinderat ist ein qualitatives Wachstum wichtig. Das Dörfliche wollen wir nicht verlieren. In Urdorf kennt und grüsst man sich noch», sagte Rottensteiner. Zudem verfüge Urdorf nur noch über eine eingeschränkte Siedlungsfläche. Das Wachstum ­laufe über die Erneuerung und Verdichtung der bestehenden Wohngebiete.

Die 10'000. Einwohnerin hat bereits Gefallen an ihrer Umgebung gefunden. Sie mag den renaturierten Schäflibach und den Wald, der ein paar Minuten entfernt von ihrem neuen Zuhause liegt. «Ich habe Urdorf vorher gar nicht gekannt. Wir haben hier die erste Wohnung angeschaut und uns sofort in sie verliebt», sagte Strahm. Sie habe raus aus der Stadt und etwas mehr in der Natur wohnen wollen, um bald eine Familie zu gründen. «Gleichzeitig ist die Anbindung an die Stadt Zürich super», so Strahm.

Doch nun gilt es zuerst einmal, Urdorf zu erkunden. Von der Gemeindepräsidentin erhielt Strahm im Gespräch nach der Ehrung gleich ein paar Tipps. Rottensteiner empfahl den Besuch des Muulaffemärts und der Urdorfer Fasnacht samt Konfetti-Begräbnis. Die gebürtige Basel-Landschäftlerin stutzte bei den für Neuzuzüger seltsam anmutenden Namen. Strahm muss sich nun erst einmal einleben. Wenn das Stirnrunzeln bei derartigen Ausdrücken in Zukunft wegfällt, ist sie definitiv angekommen.

So wachsen die anderen Limmattaler Gemeinden

Die 10'000. Einwohnerin in Urdorf gibt dem Bevölkerungswachstum im Limmattal ein Gesicht. Urdorf ist nämlich nicht die einzige Gemeinde im Bezirk Dietikon, die sich kürzlich über eine runde Einwohnerzahl freuen durfte.

Im Februar 2019 zog Claudio Glöckler aus Bachenbülach nach Dietikon und erhielt von Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) eine Gratulationsurkunde. Er war der 27000. Einwohner Dietikons. Unterdessen ist der Bezirkshauptort weitergewachsen. Per Ende April 2020 zählt die Stadt 27540 Einwohner. Die Aargauer Nachbargemeinde Bergdietikon hat aktuell 2852 Einwohner.

Wachstum in Uitikon, Birmensdorf und Aesch

Die Gemeinde Aesch knackte Ende 2018 die 1500er-Grenze. Mittlerweile wohnen 1666 Personen im Dorf. Die Nachbargemeinde Birmensdorf konnte 2018 ebenso eine spezielle Grenze überschreiten. Einwohner Nummer 6500 zog ins Dorf. Zwei Jahre später leben in Birmensdorf bereits 6861 Personen. Uitikon zählt derzeit 4682 Einwohner. Die drei Gemeinden führen das Bevölkerungswachstum im Limmattal an. In Uitikon betrug es laut Statistischem Amt des Kantons Zürich im Jahr 2019 7,7 Prozent, in Aesch 6,8 Prozent und in Birmensdorf 3,3 Prozent. Auch in Oberengstringen war die Wachstumsrate 2019 mit 2,6 Prozent beträchtlich. In der Gemeinde leben derzeit 6733 Menschen.

Der Gemeinde Oetwil geht es umgekehrt. Sie zählt per
1. Mai dieses Jahres 2507 Einwohner. Man könnte meinen, das Dorf hätte die 2500er-Grenze vor Kurzem überschritten. Doch der Blick auf die Entwicklung der Einwohnerzahl verheisst anderes. Letztes Jahr ist diese in Oetwil von 2547 auf 2518 (minus 1,1 Prozent) gesunken. Der Trend scheint dieses Jahr also anzuhalten.

Auf eine runde Einwohnerzahl dürfen sich gleich vier Limmattaler Gemeinden vielleicht noch dieses Jahr freuen. Unterengstringen nähert sich mit aktuell 3934 Einwohnern der 4000er-Marke. Weiningen zählte Ende Mai 4836 Einwohner, die 5000er-Grenze rückt langsam näher. 18657 Personen haben ihren derzeitigen Wohnsitz in der Stadt Schlieren. Per Ende Jahr rechnet die Stadt nach dem Bezug vieler Neubauten mit etwa 1500 Einwohnern mehr. Schlieren könnte seinen 20'000. Einwohner schon bald feiern.

Geroldswil ist nah dran, die 5000er-Grenze zu knacken. 2018 erfolgte jedoch ein Rückschritt. Die Einwohnerzahl sank von 4918 auf 4910. Unterdessen ist sie aber wieder auf 4929 angestiegen. Die 5000er-Marke dürfte mit dem Bezug der 27 Wohnungen der Überbauung Huebegg und der 13 neuen Wohnungen der Zürcher Kantonalbank jedoch Ende 2020 in greifbarer Nähe sein.