Es ist eine sportliche Leistung, mit Christian Frey Schritt zu halten. Der oberste Haustechniker ist einer der zahlreichen Mitarbeiter hinter den Kulissen des Shoppi Tivoli Spreitenbach, die in den Wochen vor Weihnachten alle Hände voll zu tun haben. Die Zwillings-Einkaufspaläste präsentieren sich dieser Tage im schönsten Weihnachtskleid: Geschmückte Tannenbäume stehen an jeder Ecke, Christbaumkugeln hängen über den Köpfen der Shopper und kilometerweise Elektrogirlanden umwickeln Geländer, Säulen und die Stricke, mit denen die sechs Rentiere in Lebensgrösse den Schlitten des Weihnachtsmannes ziehen. «Wir haben den ganzen Weihnachtsschmuck in zwei Nächten installiert», sagt Frey, während er an drei riesigen Christbäumen vorbeischreitet. Mehr Arbeitsschritte seien aus Kundensicht nicht angemessen. Schliesslich sähe es seltsam aus, wenn eines Morgens bloss ein Viertel des Centers dekoriert wäre.

In der Parkgarage wartet bereits Kollege René Vonlanten. Einige der Parktickets wurden bei der Ausfahrt nicht erkannt, weshalb die beiden die Automaten nach der Ursache überprüfen müssen. Im Drei-Sekunden-Takt fahren die Weihnachtseinkäufer von zwei Seiten her durch die Einfahrt, doch das Technikerteam bewegt sich zwischen den Autos gelassen hin und her, gibt zur Überbrückung den Kunden Tickets aus und simuliert mit den Stahlkappen in Vonlantens Schuhen selbst ein Gefährt, um ein Ticket zwecks Untersuchung lösen zu können. Und in der Tat: Der Code erweist sich als unlesbar.

Kann der Automat wirklich keine Parktickets mehr lesen? Die Haustechniker bei der Arbeit.

Kann der Automat wirklich keine Parktickets mehr lesen? Die Haustechniker bei der Arbeit.

Schlange beim Kundendienst

Den Defekt gemeldet hat Christian Frey seine Kollegin Gizem Özkanli von der Dispositionszentrale. Mit ihr sprechen die Autofahrer, die den Gegensprech-Knopf betätigen, wenn die Ausfahrt-Barriere sich nicht öffnet. «Hauptsächlich bearbeiten wir die Probleme der centereigenen Anlagen, in der Weihnachtszeit auch Anfragen der Geschäfte», sagt Özkanli. Auch bei einem Feueralarm würden bei ihnen alle Fäden zusammenlaufen.

Derweil hat sich vor der Kundeninformation, aus der Karin Räber freundlich lächelt, bereits eine Schlange gebildet. «Im Dezember wenden sich viel mehr Kunden an die Information, weshalb mich momentan zwei Kolleginnen unterstützen», sagt Räber. Sie wolle Geschenkgutscheine für ihre Enkel kaufen, sagt eine ältere Dame. Die Schwiegertochter ziehe diese einem Bargeld-Zustupf vor, weil man nie wisse, wie der ausgegeben werde.

Inzwischen hat Carmen Huber bereits mehrere Kilometer abgeschritten. Die 53-Jährige im blauen Blazer gehört zum Team Quality Sicherheit Services und achtet darauf, dass die Geschäfte Sicherheitsvorschriften einhalten oder dass Abfall- und Schmutzansammlungen beseitigt werden. «Für einen Evakuierungsfall müsse den Kunden die höchste Sicherheit gewährleistet werden», sagt Werner Frei, Leiter Betrieb des Shoppi Tivoli. Auch ein Gegenstand, der der Kunde leicht wegschieben könne, würde vor einem Notausgang schnell zum gefährlichen Hindernis mutieren. Seine Mitarbeiter notieren sich daher auch, wenn ein Materialwagen nur kurz vor dem Notausgang zwischengelagert wurde und halten alles auf Fotos fest. Huber ist auch die erste Anlaufstelle der Verkaufsmitarbeiter, wenn sich ein Kunde plötzlich unwohl fühlt, was beim Weihnachts-Einkaufsstress häufiger vorkommt. «Einer jungen Dame wurde kürzlich in einem Laden schwindlig, worauf ich sie in unser Sanitätszimmer brachte. Bei ihr war es nichts Ernstes, aber ich musste auch schon die Ambulanz rufen», so Huber.

Die kleinsten Kunden

Schon einige Verletzte, ja sogar blutende Nasen haben Irma Huber und Sabine Müller im Kinderparadies schon verarztet. Gerade sind sie dabei, die Kletterburgen und Prinzessinnenschlösschen für die kleinen Besucher vorzubereiten. Um die Kinder müssten sie sich jedoch selten ernsthafte Sorgen machen, sagt Huber. «Eltern im Shoppingstress bereiten uns mehr Stirnfalten, etwa, wenn sie das Dokument verloren haben, dass sie zur Abholung ihres Kindes berechtigt.» Am vergangenen Sonntag waren 357 Kinder bei ihnen. Für kommendes Wochenende rechnet Huber mit ähnlichen Zahlen.