Oberengstringen

«Sie dürfen den Jugendlichen nicht beleidigen»

Urs Schwendener vom Jugenddienst der Kantonspolizei Zürich

Urs Schwendener vom Jugenddienst der Kantonspolizei Zürich

Urs Schwendener von der Kantonspolizei war zu Gast bei der Jugendarbeit in Oberengstringen. Er erklärte den Anwesenden, wie sie sich in brenzligen Situationen, beispielsweise bei Schlägereien unter Jugendlichen, verhalten sollen.

Eine Gruppe Jugendliche im Ausgang. Alles ist ruhig. Plötzlich kommt es zu Handgreiflichkeiten. Jetzt geht es schnell. Nur wenige Sekunden dauert die Prügelei. Das Opfer taumelt. Die ersten Security eilen herbei. Der grosse Teil der Gäste steht teilnahmslos daneben, redet, trinkt. Keiner greift ein.

Die Szene stammt von einer Überwachungskamera eine Zürcher Disco. Sie dient Urs Schwendener als Beispiel, wie man es nicht machen sollte. «Niemand hat geholfen. Nicht einmal die Security wurde gerufen. Sie wurde erst von ihrer Überwachungszentrale über die Schlägerei informiert», sagt der Kantonspolizist. Er arbeitet beim Jugenddienst und ist für die Region Limmattal-Albis – sie umfasst die Bezirke Dietikon, Affoltern und Horgen – zuständig. Auf Einladung der Jugendarbeit Oberengstringen weilte er am Mittwochabend im Jugendhaus. Dort informierte er die freiwilligen Mitarbeiter der verschiedenen Angebote der Jugendarbeit – die Leiter des Jugendhauses, Mitwirkende der aufsuchenden Jugendarbeit und Mitglieder der Jugendkommission – über den Umgang mit Konfliktsituationen.

Mentale Vorbereitung ist wichtig

«Wir sprechen von einem kleinen Teil der Jugendlichen. 90 bis 95 Prozent sind so, wie Jugendliche sein sollen. Es sind gerade einmal fünf Prozent, die der Polizei zu schaffen machen», stellt Schwendener zu Beginn klar. Sollte es im Jugendhaus dennoch zu Konflikten kommen, gebe es Regeln zu beachten. «Wobei ich immer vorsichtig bin. Ein Patentrezept für das Verhalten in kritischen Situationen gibt es nicht», so Schwendener.

Trotzdem könne man durch überlegtes Handeln gewisse Situationen entschärfen, erklärt der Kriminalpolizist. Zu allererst sei es wichtig, sich mental vorzubereiten, sich Gedanken zu machen, was in einem Jugendtreff alles geschehen könne. Zur Vorbereitung gehöre es auch, sich zu fragen, zu welchen Risiken man bereit sei. «Aus einem Zweikampf kann schnell eine Massenschlägerei werden. Was mache ich dann? Viele überschätzen sich in solchen Situationen», sagt er. Stelle man sich solche Fragen, sei man gewappnet. Denn das Schlimmste in einer solchen Situation sei die Lähmung, nicht zu wissen, was man tun soll.

Keine Drohungen

Generell rät Schwendener dazu, in brenzligen Situationen die Polizei zu rufen. «Wenn sie ein flaues Gefühl haben und unsicher sind, rufen sie die 117 an», hält er fest. In diesem Zusammenhang kam die Frage auf, wie lange es dauert, bis die Polizei eintrifft. «An einem Wochenende, wenn es darum geht, dass ein Jugendlicher das Jugendhaus nicht verlassen will, weil er beispielsweise unerlaubt Alkohol getrunken hat, können sie nicht damit rechnen, dass die Polizei schon in fünf Minuten vor der Tür steht», so Schwendener. Gehe es aber um eine Prügelei, werde eine Patrouille schnell zur Stelle sein.

Diese Antwort führte zur Anschlussfrage, wie man mit widerspenstigen Jugendlichen verfahren soll, bis die Polizei eintreffe. «Sprechen sie mit dieser Person. Wenn möglich nehmen sie ihn auf die Seite, trennen ihn von der Gruppe», lautet Schwendeners Empfehlung. Auf keinen Fall dürfe man dem Jugendlichen drohen oder ihn beleidigen. «Sein Verhalten können sie sehr wohl kritisieren», erklärt er. Zudem sei es wichtig die Kommunikation aufrecht zu erhalten. «Solange der Jugendliche spricht, ist das besser, als wenn er schlägt», so Schwendener. Selber körperlich einzugreifen, sei nur im äussersten Notfall zu empfehlen. «In solchen Fällen hat man schnell selber eine Anzeige am Hals», sagt er.

Konsequenz, so Schwendener, sei dagegen bei der Ahndung von Regelverstössen angezeigt. Beispielsweise bei der Verhängung eines Hausverbotes. Eine Massnahme, die man im Jugendhaus Oberengstringen bereits kennt und auch durchsetzt, wie Jugendarbeiterin Sandra Jenny erklärt. «Ich würde ihnen empfehlen das Hausverbot den Eltern des betroffenen Jugendlichen mitzuteilen», sagt Schwendener. Einerseits würde er als Vater auch wissen wollen, wenn sein Sohn beispielsweise betrunken Ärger macht. «Andererseits senden sie so auch positive Signale aus. Im Jugendhaus gibt es Regeln und Personen, die diese durchsetzen.»

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