Weiningen

Sie berührten die Herzen des Publikums — Ad-hoc-Chor lockte viele Gospelliebhaber in die Kirche

Ein einziger Klangkörper: Der 80-köpfige Ad-hoc-Chor sang mitreissende Gospellieder.

Ein einziger Klangkörper: Der 80-köpfige Ad-hoc-Chor sang mitreissende Gospellieder.

Der Ad-hoc-Chor lockte viele Gospelliebhaber in die reformierte Kirche Weiningen. Es war ein emotionaler Moment für den Sigrist.

Für viele stehen die jährlichen Gospelkonzerte in der reformierten Kirche Weiningen wohl fix im Konzertkalender. Am vergangenen Samstag und Sonntag war es wieder so weit. Mittlerweile in der zwölften Saison werden die Konzerte des Ad-hoc-Chors von Dirigentin Rita Sidler geleitet; gemeinsam mit Susanne Dietze. Rund 15 Neuzugänge singen heuer im nun 80-köpfigen Chor mit. «Das gibt eine schöne Durchmischung», so Sidler. Nach den Herbstferien begannen die Proben, ab Januar wurden sie intensiver. «Es ist ein tolles Gefühl, wenn man sich Anfang Jahr bereits auf der Zielgeraden für ein Konzert befindet», so Sidler.

Die Kirche war am Sonntag, wie jedes Jahr, rappelvoll. Die Besucher auf den Emporen standen auf, um einen Blick auf den feierlichen Einzug der Sängerinnen zu erhaschen. Sobald der Chor ansetzte, lehnte sich aber manch einer wieder zurück. Denn die vereinten Stimmen vermochten die Kirche bis zu den hintersten Bänken auszufüllen.

Der Hirte achtet auf seine Schäfchen

Begleitet wurde der Chor von einem Instrumental-Ensemble, bestehend aus Denise Furler am Klavier, Roberto Carrasco am E-Bass, Urs Habegger am Schlagzeug und Lyudmila Tkatch an der Oboe. Ein ums andere Mal rieselte einem bei den Soli von Nicole Killer und Daniel Mark ein Schauer über den Rücken, etwa bei «Move Mountain» (Killer) und «I am The Good Shepherd» (Mark). Das Thema des Hirten, der auf seine Schäfchen achtet, tauchte im vielfältigen Programm wiederholt auf. Stücke mit wunderbaren Harmonien wie «Worthy Is The Lamb» wechselten sich ab mit peppigen Songs wie «Glory! What A Wonderful Day».

«Father My God» vom ad-hoc-Chor in der Reformierten Kirche Weiningen

«Father My God» vom ad-hoc-Chor in der Reformierten Kirche Weiningen

Der Gospel-Song "Father My God" wird gesungen vom ad-hoc-Chor in der Reformierten Kirche Weiningen. Geschrieben und instrumentiert wurde der Song von Susanne Dietze, die auch mitsingt. Solistin ist Nicole Killer, Dirigentin ist Rita Sidler. 19.01.2020. 

Einige der insgesamt 17 Lieder waren einer Oster-Passion des Oslo Gospel Choir entnommen. Für viele Chor­mitglieder sei es wichtig, dass man Gospel nicht nur der lässigen Melodien wegen singe, sondern auch wegen «der Botschaft, dass Jesus für uns ­gestorben und auferstanden ist», sagte Sidler. Deshalb schloss das Konzert auch mit dem Stück «Hallelujah, Christ Is Risen».

Zuvor stand aber noch ein besonderer Song an: «Father My God», ­geschrieben und instrumentiert von ­Susanne Dietze. «Das Lied ist aus der Seele heraus entstanden», erzählte sie strahlend. Gewidmet sei es ihrer Mutter, die am Sonntag auch zuhörte. «Ich wünsche mir, dass wir die Herzen des Publikums berühren», so Dietze. Gemessen am Applaus, der nach je- dem Stück aufbrandete, gelang ihnen das sehr wohl. Nach der zweiten fulminanten Zugabe und Standing Ovations verliess der Chor die Kirche. Die ­Besucher folgten. Sodann löschte Karl «Kari» Suter jedes der Kerzlein, die die Kirche ausgeleuchtet hatten. Nach 18 Jahren als Sigrist geht er Ende Januar in Pension. Seit Anbeginn der Gospelkonzerte hatte er jeweils den Chile-Treff für die Chorproben und die Kirche für die abendlichen Auf­tritte hergerichtet. Sein letztes Gospel­konzert habe er «mit einem weinenden Auge» erlebt. «Ich kann noch nicht richtig glauben, dass dies mein letztes war.»

«Beeindruckend, welche Stimmgewalt sie entfalten»

Sichtlich berührt war auch Marlies ­Hintermann aus Dietikon. «Die Gemeinde hat beim fröhlichen Konzert mitgelebt», sagte sie. Es hat ihr so ­gefallen, dass sie beschloss, im nächsten Jahr im Ad-hoc-Chor mit­zusingen. Nico Colacicco aus Schlieren meinte, er sei beschwingt und mit einem Gefühl der Begeisterung aus der Kirche ­ge­treten. «Es ist beeindruckend, ­welche Stimmgewalt diese Sänger ­entfalten – und sie singen alles auswendig!», sagte er. Auch Sidler und Dietze waren zufrieden. «Das Publikum hat für eine schöne Atmosphäre gesorgt, das hat mir Kraft gegeben», so Dietze. Diese Kraft brauchen die beiden. Denn: «Nebst aller Freude zehren die Konzerte an uns», so Sidler. Dann ­lächelte sie: «Doch dieses Konzert war eine runde Sache. Das Publikum war ­lebendig; man merkte, dass die Leute Freude ­hatten.»

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