Vor gut 30 Jahren – damals war sie 17 Jahre alt – sei sie noch auf der Bremgartnerstrasse gestanden und habe alle Passanten aufgefordert, doch auch an die «Sichlete» zu kommen, erzählt Astrid Dätwyler lachend. Sie war damals gerade der Trachtengruppe Dietikon beigetreten und rührte mit viel Elan die Werbetrommel für den neu ins Leben gerufene Anlass. «So etwas macht man halt noch mit 17», sagt sie lächelnd.

Heute ist das nicht mehr nötig: Die jährlich stattfindende «Sichlete» hat sich zu einem Anlass etabliert, der laut Mike Grendelmeier, Präsident des Organisationskomitees, jedes Jahr «schätzungsweise 1000 Leute» anzieht. «Einige Heimweh-Dietiker kommen dafür von weit her angereist», erzählt Dätwyler.

«Beides sind alte Bräuche»

Trotzdem sind die beiden etwas beunruhigt. Denn seit einigen Wochen werde ihnen auf der Strasse immer wieder dieselbe Frage gestellt, sagt Dätwyler, die dieses Jahr das Präsidium der Trachtengruppe übernommen hat. «Die Leute sind verunsichert.» Der Grund: Die Dietiker Chilbi wurde dieses Jahr bereits zum zweiten Mal in Folge abgesagt. Und da die «Sichlete» immer am Chilbiwochenende stattfindet, gingen einige Leute davon aus, dass das traditionelle Fest der Trachtengruppe ebenfalls ins Wasser falle.

Doch die Präsidentin der Trachtengruppe kann Entwarnung geben: «Die Sichlete wird auf jeden Fall stattfinden.» Die beiden Anlässe hätten zwar eine thematische Verbindung, sagt Grendelmeier: «Beides sind alte Bräuche, die als Erntedankfest ins Leben gerufen worden sind.» Doch sei die «Sichlete» nicht direkt von der Chilbi abhängig. «Sie muss und wird stattfinden – die Leute zählen darauf», so Grendelmeier.

Was geschieht, wenn die «Sichlete» abgesagt wird, sah man im Jahr 2007. Damals entschloss sich die Stadt Dietikon, die Chilbi vom Zelgliplatz auf den Zentralschulhausplatz zu verlegen – die «Sichlete» hätte in eine Turnhalle ausweichen müssen. Da sich diese aber für den Anlass nicht eignete, wurde der traditionelle Anlass schweren Herzens abgesagt. «Wir wurden danach von ganz vielen Leuten inständig gebeten, die ‹Sichlete› doch bitte wieder durchzuführen», erinnert sich Dätwyler, deren Mutter schon seit über 40 Jahren Mitglied der Trachtengruppe ist.

Spagat zwischen Alt und Neu

Auch für Grendelmeier, der ein «nicht sehr passives Passivmitglied» der Trachtengruppe ist, wie er verschmitzt sagt, bedeutete die Absage des Anlasses ein Verlust. «Ich war schon als kleiner Bub ein regelmässiger Gast an der ‹Sichlete›», erzählt der Bergdietiker. So habe er gemeinsam mit der Gründerin der «Sichlete», Hildegard Baer, beschlossen, man dürfe das Fest auf keinen Fall sterben lassen. Spontan übernahm er das Präsidium des Organisationskomitees.

Der grosse Aufwand für das Fest lohne sich jedes Mal, sagt Grendelmeier: Der Spagat zwischen Tradition und Erneuerung klappe gut. So gäbe es zum Beispiel seit letztem Jahr ein Karussell, eine «Gumpi-Burg» und eine Raucherlounge. Unverzichtbar seien jedoch die Bernerplatten, von der pro Wochenende rund 600 Stück verkauft werden, und die ‹Öpfelchüechli›, so Dätwyler: «Das gehört einfach zur ‹Sichlete›.» Daneben gehe es vor allem darum, bei volkstümlicher Musik zusammenzusitzen und zu plaudern. «Die Geselligkeit zählt. Wir wollen keinen ‹Ramba-Zamba›-Anlass», sagt Dätwyler.

Die «Sichlete» findet statt am 22. Oktober ab 12 Uhr und am 23. Oktober von 10 bis 18 Uhr auf dem Zentralschulhausplatz.