Rechtes Limmattal
Sicherheitsvorsteher: «Sicherheit kostet eben etwas»

Lange haben die Gemeinden Unterengstringen und Weiningen einen Polizeiverbund geplant. Im Herbst 2014 soll nun ein vierköpfiges Polizeikorps seinen Dienst aufnehmen. Das haben die Gemeindeversammlungen der beiden Gemeinden beschlossen.

Sandro Zimmerli
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Hans-Ulrich Furrer und Rolf Stucki, Sicherheitvorsteher von Unterengstringen und Weiningen, sind froh, dass der Verbund angenommen wurde.

Hans-Ulrich Furrer und Rolf Stucki, Sicherheitvorsteher von Unterengstringen und Weiningen, sind froh, dass der Verbund angenommen wurde.

Limmattaler Zeitung

Mit von der Partie ist auch Oetwil. Die Gemeinde wird zwar nicht dem Zweckverband beitreten, aber gemeindepolizeiliche Dienstleistungen beim Verbund einkaufen. Bis dieser seine Arbeit aufnimmt, sind die beiden Sicherheitsvorsteher von Unterengstringen und Weiningen, Rolf Stucki und Hans-Ulrich Furrer gefordert. Im Interview erklären Sie, wie Sie auch die Skeptiker vom Nutzen eines Verbundes überzeugen wollen, und was von den Polizisten erwartet wird.

Hans-Ulrich Furrer, Rolf Stucki, wie gross war die Erleichterung, als klar war, dass der Polizeiverbund rechtes Limmattal gegründet werden kann?
Hans-Ulrich Furrer: Mir ist ein grosser Stein vom Herzen gefallen. Bei uns in Weiningen war die Rechnungsprüfungskommission gegen den Polizeiverbund. Das war eine besondere Ausgangslage für die Gemeindever-
sammlung. Nach vier Jahren intensiver Arbeit war es natürlich schön, dass alle drei Gemeinden diesem Verbund zugestimmt haben.
Rolf Stucki: Auch bei uns in der SVP war der Verbund nicht unumstritten. Ich musste an der Parteiversammlung Red und Antwort stehen und viel Überzeugungsarbeit leisten. Die im Oktober durchgeführte Informationsveranstaltung hat sicherlich auch geholfen, dass die Einwohner vorgängig gut informiert wurden.
Ein Kritikpunkt waren die Kosten. Sie seien zu hoch für das, was der Verbund bringe. Was muss geschehen, damit diese Skeptiker vom Sinn des Verbundes überzeugt werden?
Furrer: Die Kosten sind im Verhältnis zur Leistung sicher nicht zu hoch und das wird die Bevölkerung durch die sichtbare Präsenz auch merken.

Stucki: Am wichtigsten wird wohl sein, dass die Polizisten von Anfang an viel Präsenz zeigen. So lernen sich unsere Einwohner und die neuen Polizisten kennen. Die Polizei muss der Bevölkerung ein gutes Sicherheitsgefühl vermitteln, die Prävention ist sehr wichtig.
Dann wäre es gut, wenn die Polizisten in der Region zu Hause sind?
Stucki: Natürlich wäre es schön, wenn die Polizisten die Gegend kennen.

Furrer: Ein Gemeindepolizist muss heute nicht mehr zwingend im Dorf wohnen, wo er arbeitet. Es gibt sogar einiges, das dagegen spricht. Die Versuchung ist gross, dass sich die Leute bei ihm privat melden. Das kann für den Beamten unangenehm werden. Auch er hat seine Freizeit. Ein Wohnort in der näheren Umgebung wäre jedoch sicher wünschenswert.
Welche Voraussetzungen müssen die Polizisten mitbringen?
Furrer: Sie müssen über einen Berufsausweis verfügen. Das heisst, sie müssen eine Polizeiausbildung abgeschlossen haben.
Welchen Aufgabenbereich deckt ein Gemeindepolizist ab?
Furrer: Gemeindepolizisten müssen unter anderem viele Rechtshilfegesuche von anderen Polizeikorps, Aufträge vom Strassenverkehrsamt und vom Betreibungsamt bearbeiten und erledigen. Sie müssen den Verkehr und den Schulweg überwachen oder sicherheitspolizeiliche Aufgaben übernehmen. Alle diese Aufgaben sind mit Schreibarbeiten verbunden, und es sind arbeitsintensive Aufgaben. Unser Dorfpolizist in Weiningen kann diese Arbeiten nicht mehr alleine ausführen. Wäre der Verbund abgelehnt worden, hätte ich bei der Gemeindeversammlung schon bald eine zusätzliche Polizeistelle beantragen müssen.

Können Sie trotz alledem verstehen, dass es Leute gibt, die finden, dass die Region genug sicher sei, sodass es einen Polizeiverbund gar nicht brauche?
Furrer: Das kann ich nachvollziehen. Sicherheit kostet eben etwas. Das, was der Bürger für dieses Geld erhält, ist aber nicht messbar. Trotzdem bin ich überzeugt, dass eine höhere Polizeipräsenz hilft, Straftaten wie Einbrüche zu verhindern. Aber ganz unterbinden kann man diese nicht.
Bevor die Polizisten eingestellt werden können, muss zuerst der Zweckverband gegründet werden. Wann wird das sein?
Stucki: Die Zweckverbandsstatuten werden nun zur definitiven Genehmigung dem Regierungsrat eingereicht. Wir hoffen, bis zum März grünes Licht zu bekommen. Allerdings warten wir nicht bis dann, um weiter zu planen. Die Zweckverbandsstatuten wurden ja vorgängig vom Gemeindeamt geprüft und für gut befunden.
Furrer: Die wichtigste Aufgabe ist es, geeignete Lokalitäten für den Polizeiposten zu finden. Dort müssen unter anderem genügend Parkplätze vorhanden sein. Zudem muss der Posten rollstuhlgängig sein. Die Suche ist bereits angelaufen. Wir hoffen, dass wir im Herbst 2014 mit dem Verbund starten können.
Die Rede ist von einem Standort im Gebiet zwischen Weiningen und Unterengstringen, jedoch auf Weininger Gebiet. Das wäre auch im Hinblick auf die Vergrösserung des Verbundes eine gute Lösung. Sie hoffen ja, dass irgendwann auch Oberengstringen und Geroldswil dem Zweckverband beitreten. Wird man aktiv auf diese Gemeinden zugehen, um sie zum Mitmachen zu bewegen?
Stucki: Unser Ziel ist es, dass der Verbund schnellstmöglich wie geplant gestartet werden kann. In den nächsten ein bis zwei Jahren werden wir Erfahrungen sammeln müssen. Falls Oberengstringen oder Geroldswil Interesse bekunden mitzumachen, werden wir natürlich offen sein für Gespräche.
Furrer: Ich denke, dass die beiden anderen Gemeinden - sollte Interesse bestehen - auf uns zukommen sollten. Wir werden von unserer Seite her nicht werben.
Weiningen hat bereits Erfahrungen mit einem eigenen Dorfpolizisten. Wie sind die Rückmeldungen aus der Bevölkerung?
Furrer: Die Rückmeldungen sind gut. Ich stelle immer wieder fest, dass viele Leute bei unserem Polizisten Rat suchen. Bei einigen habe ich sogar das Gefühl, dass sie bei ihm ihr Herz ausschütten wollen. Gut zuzuhören gehört also auch zum Aufgabenbereich eines Polizisten.
In Unterengstringen präsentiert sich die Situation anders. Kommen dort erstmals Gemeindepolizisten zum Einsatz?
Stucki: Bei uns hat früher der Werkmeister gewisse gemeindepolizeiliche Aufgaben übernommen. Aber richtige Gemeindepolizisten werden wir erst mit dem Polizeiverbund haben. Das ist für uns ein Meilenstein.
Mit den Gemeindepolizisten wird also eine weitere Anlaufstelle für die Bevölkerung geschaffen?
Stucki: Ja, das ist so. Für die Bevölkerung ist es wichtig, eine Ansprechperson zu haben, die kompetent Auskunft erteilen kann.
Furrer: Ich glaube, dass der Polizeiverbund auch die Kantonspolizei in Unterengstringen entlasten wird. Sie werden nun wieder häufiger Zeit haben, sich draussen aufzuhalten.
Wie ist die Rückmeldung der Kantonspolizei auf den Verbund?
Stucki: Die Kantonspolizei, wie auch die beiden Stadtpolizeien auf der anderen Limmatseite begrüssen es, dass wir diesen Verbund so jetzt gründen können. Ein weiteres Fernziel wäre natürlich eine enge Zusammenarbeit mit diesen beiden Stadtpolizeikorps.