Schlieren
Sicherheitsfirma bittet Wildparkierer zur Kasse - und verärgert das Gewerbe

Die Parkplätze an der Uitikonerstrasse gehören der Firma J.F. Jost & Co. Diese lässt die Privatfirma PPC Immoservice GmbH die Parkfelder bewirtschaften. Sie tue dies zu aggressiv, sagt das Gewerbe in der Nachbarschaft.

Florian Niedermann
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Die Parkplätze an der Uitikonerstrasse 8 sorgen für Ärger.

Die Parkplätze an der Uitikonerstrasse 8 sorgen für Ärger.

Florian Niedermann

Der Schlieremer M.P.* ist genervt. Vor einigen Wochen stellte er sein Auto auf einem Parkplatz vor dem Haus an der Uitikonerstrasse 8 ab, um im Lilienzentrum ein Nasenspray zu kaufen. Doch als er zurückkehrte, erschrak er: «Ich war keine fünf Minuten weg. Und schon befand sich auf meiner Windschutzscheibe eine Busse», erinnert er sich.

Darauf war zu lesen, dass M. P. ein allgemeines Parkverbot missachtet habe, ohne eine Parkgebühr zu entrichten, und deshalb 50 Franken überweisen solle — «Zahlbar innert 14 Tagen». Da die Zahlungsaufforderung mit dem Titel «Umtriebsentschädigung für Missachtung eines richterlichen Parkverbots» nicht von der Stadt, sondern von der Privatfirma PPC Immoservice GmbH in Otelfingen ausgestellt worden war, ging M. P. davon aus, dass sie irrtümlich unter seinem Scheibenwischer landete. Schliesslich hatte sein Auto auf einem weissen — also nicht privaten — Parkplatz gestanden.

Deshalb bat er die PPC in einem eingeschriebenen Brief, die Zahlungsaufforderung zurückzuziehen. Laut M. P. reagierte die Sicherheitsfirma nicht. Stattdessen erhielt er kurze Zeit später einen Strafbefehl des Schlieremer Stadtrichters über 140 Franken.

Die Parkplätze an der Uitikonerstrasse 8, auf denen Automobilisten ihr Fahrzeug gegen Bezahlung für maximal eine Stunde stehen lassen können, gehören wie auch der Rest der Liegenschaft der Firma J.F. Jost & Co.. Zwischenzeitlich wurden die weissen Parkfelder mit gelber Farbe als Privatgrund gekennzeichnet. Ein Schild weist schon seit 2009 auf das Parkverbot auf dem Areal der Liegenschaft hin. Darauf achtete M. P. jedoch nicht, als er seinen Wagen falsch abstellte, wie er sagt: «Ich hätte nicht auf einem privaten Parkfeld geparkt, wenn ich es als solches erkannt hätte.» Erzürnt habe ihn aber vor allem das Vorgehen der PPC Immoservice GmbH, so M.P.. «Ich habe das Gefühl, die Angestellten dieser Firma warten regelrecht darauf, dass jemand seinen Wagen falsch abstellt, um dann eine Busse auszustellen.»

«Kontrollen schädigen Geschäft»

Die Kontrollen durch die private Sicherheitsfirma ärgern nicht nur ihn. Auch Gewerbetreibende der näheren Umgebung leiden seit dem Auftreten der PPC Anfang Jahr unter deren Einsätzen: «Uns sagten mehrere Kunden, dass es für sie nicht mehr interessant sei, zu uns ins Geschäft zu kommen, weil sie eine Busse riskieren, wenn sie das Auto für die paar Minuten abstellen», sagt etwa ein Geschäftsinhaber aus der Nachbarschaft, der nicht genannt werden will. «Mit ihrem aggressiven Vorgehen schädigt die Parkkontrollfirma unser Geschäft.» Früher hätten Kunden die Parkplätze für kurze Einkäufe benutzt — ohne dass dies zu Problemen geführt habe, sagt er. Heute würden die PPC-Angestellten fast jede Stunde vorfahren und Falschparker teilweise regelrecht abpassen. Das Problem: Die Parkgarage im Lilienzentrum ist vielen Automobilisten zu eng, wie der Geschäftsinhaber erklärt: «Und es gibt in näherer Umgebung kaum freie Parkplätze, für unsere Kunden.»

Bruno Wüst, Geschäftsführer der PPC, erklärt auf Anfrage, dass seine Firma mit den häufigen Kontrollen dem Auftrag der Firma Jost folgen würde. Wie viele Zahlungsaufforderungen die PPC seit Beginn des Anstellungsverhältnisses bereits ausgestellt hat, will er nicht angeben.

Laut Alexandre Porchet, dem Geschäftsführer der Firma Jost, reagierte die Auftraggeberin auf Reklamationen wegen des aggressiven Vorgehens der PPC bereits, indem man die Sicherheitsfirma anhielt, sich defensiver zu verhalten. «Ausserdem führten wir eine Kulanzzeit von zehn Minuten ein. Ein Fahrzeug kann also 70 Minuten auf einem Parkfeld stehen, wenn für 60 Minuten bezahlt wurde», so Porchet. Falls sich Beschwerden mehren würden, will die Firma Jost erneut mit der PPC reden: «Wenn es sich nicht bessert, wäre dies auch ein Grund, den Auftrag neu auszuschreiben», sagt er.

Es geht der Eigentümerin, der auch das Lilienzentrum gehört, bei der Ahndung der Falschparkierer nicht ums Geld, wie der Geschäftsleiter erklärt: «Was wir damit erreichen wollen, ist, dass auf diesen Parkfeldern eine gute Fluktuation besteht.» Der Auftrag an die PPC sei erst nach der Eröffnung eines Detailhandelsgeschäfts im Nachbargebäude erfolgt. «Davor bewirtschafteten wir unsere Parkplätze trotz zentraler Parkuhr eher auf Vertrauensbasis», so Porchet. Als danach Fahrzeuge teilweise über Stunden Parkfelder besetzt hielten, habe man die maximale Parkzeit von 15 auf 60 Minuten erhöht, dafür aber beschlossen, regelmässig zu kontrollieren. «Seither besserte sich die Situation massiv», erklärt er.

Die PPC lässt die Umtriebsentschädigungen auf ihr eigenes Konto einzahlen. Rührt ihre aggressive Kontrollweise also daher, dass ihr Einkommen alleine auf diesen Einnahmen beruht? Porchet winkt ab: «Ihre Erträge bestehen aus einer Mischrechnung aus unserem Honorar und den Entschädigungsbeträgen.» In welchem Verhältnis die Erträge stehen, bleibt allerdings ein Betriebsgeheimnis.

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