Dietikon
Sicherheitsbedenken: Bruno-Weber-Stiftungsrat tritt geschlossen zurück

Knall im Skulpturenpark: Der Stiftungsrat der Stiftung «Weinrebenpark – Bruno Weber» tritt per 28. Februar geschlossen zurück. Das Gremium äussert Bedenken an der Sicherheit des Bruno-Weber-Parks – Webers Witwe beschwichtigt.

Sophie Rüesch
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Die Skulpturen in Bruno Webers Park sind in die Jahre gekommen. Wie dringend eine Sanierung ist, wurde nun zum Zankapfel.

Die Skulpturen in Bruno Webers Park sind in die Jahre gekommen. Wie dringend eine Sanierung ist, wurde nun zum Zankapfel.

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Laut Noch-Präsident Hanspeter Paoli kam das siebenköpfige Gremium zum Schluss, dass es seine Aufgabe – Erhalt und Weiterentwicklung von Bruno Webers Werk, inklusive Skulpturenpark – nicht wahrnehmen könne. Es ist schon das zweite Mal, dass der Stiftungsrat gesamtheitlich zurücktritt. Zuletzt war dies Anfang 2013 der Fall; danach bildete sich das heutige Gremium.

Konkret spricht Paoli von Bedenken über die Sicherheit des Parks, der mittlerweile über 50 Jahre alt ist. «Als Künstler dachte Bruno Weber nicht so weit in die Zukunft», sagt Paoli. An sich kein Problem, doch mittlerweile seien im beliebten Ausflugsziel ob Dietikon Schäden am Bauwerk vorhanden, die man im Sinne der Sicherheit nicht länger ignorieren könne. Der Stiftungsrat habe im letzten Jahr verschiedentlich auf Massnahmen gedrängt, sei bei der Familie Weber aber auf wenig Unterstützung gestossen. Im Demissionsschreiben hält der Stiftungsrat fest: «Der Versuch, den Park zu reorganisieren, die Stiftung als transparentes und handlungsfähiges Organ zu etablieren und damit das Gesamtwerk von Bruno Weber zu erhalten, wurde durch gegensätzliche, unüberwindbare Standpunkte verhindert.»

Stiftungspräsident Hanspeter Paoli und Witwe Maria Anna Weber.

Stiftungspräsident Hanspeter Paoli und Witwe Maria Anna Weber.

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Übergangszeit ist bereits geregelt

Maria Anna Weber wehrt sich vehement: «Ich habe keine Kenntnis von grossen Sicherheitsproblemen; der Stiftungsrat hat mich hierüber nicht orientiert», sagt sie. Dass der Park angesichts seines Alters hie und da Sanierungsbedarf aufweise, sei selbstredend; dieser werde aber in regelmässigen Abständen mit Fachleuten eruiert und, wo nötig, eingegriffen. Gerade vor drei Wochen habe etwa ein Spezialist der Bauchemiefirma Sika kleine Risse im Beton der Flügelhunde als «absolut unbedeutend» eingestuft.

Trotzdem will Maria Anna Weber die geäusserten Bedenken nun erneut abklären lassen, bevor im Park Anfang April offiziell die Saison eröffnet wird. Bis dann wird er wie gehabt am Mittwoch und an den Wochenenden geöffnet sein. Zum Vorwurf, sie habe den Stiftungsrat in seiner Arbeit blockiert, sagt Weber: «Die Familie kann der Stiftung gar keine Restrukturierungen oder Sicherheitsanalysen verbieten.» Da sich der Grossteil des Parks im Eigentum der Stiftung befindet, habe die Familie «da überhaupt nichts zu sagen».

Nun muss so schnell wie möglich ein neuer Stiftungsrat her. Weber erfuhr erst gestern von der endgültigen Totaldemission des Gremiums, aus dem neben Paoli nun auch Sabine Billeter, Andreas Dolder, Stefan Meier, Gusti Ungricht, Edi Weber und Peter Wellauer austreten. Weil sich die Differenzen zwischen Familie und Stiftung aber schon angekündigt haben, machte sich Weber bereits letzte Woche Gedanken über die Neubesetzung. «Mindestens ein Mitglied, das die Stiftung ad interim führen kann, ist gefunden», sagt Weber. Mehr ist für eine Übergangsregelung auch nicht nötig.

Lieber heute als morgen sanieren

Ungeachtet dessen, wie akut der Sanierungsbedarf ist, wird der Skulpturenpark nicht darum herumkommen, in den kommenden Jahren in den Erhalt des Ausflugsziels – das nach wie vor auch Maria Anna Webers Heim ist – zu investieren. «Wer immer die Stiftung übernimmt, muss sich bewusst sein, dass in den nächsten Jahren etwas gehen muss», so Paoli. Zwar gebe es noch keine Gutachten, die belegen, dass der Park heute in einem für die Sicherheit der Besucher kritischen Zustand sei. Doch die nötigen Analysen und Sanierungsmassnahmen müsse man lieber heute als morgen vornehmen – also bevor es erst so weit kommen könnte, dass eventuelle Schäden die Sicherheit gefährden.

Dessen ist sich derweil auch die Witwe des Künstlers, die schon seit Mitte 2013 nicht mehr im Stiftungsrat vertreten ist, bewusst, wie sie sagt: «Für einen so grossen Park muss man immer viel Geld in die Hand nehmen; allerdings muss das viele Geld erst vorhanden sein, bevor es in die Hand genommen werden kann. Und das ist natürlich stets eine grosse Herausforderung», sagt sie. Tatsächlich kämpft der Park schon seit Jahren mit finanziellen Problemen, und das, obwohl die Besucherzahlen stetig steigen.

Worüber sich alle Beteiligten einig sind, ist, dass der Park erhalten bleiben muss. «So viele Leute haben ihre Freude daran», sagt Weber. Auch der Stiftungsrat hält in seinem Rücktrittsschreiben fest: «Wir sind der Ansicht, dass der Park grosses Potenzial aufweist und für die Nachwelt erhalten und erlebbar bleiben muss.»