Sie begründet diese Einschätzung mit der tiefen Anzahl an Delikten, die in den letzten fünf Jahren dort verübt wurden. Wegen dieser statistischen Werte, aber auch aufgrund der Bautätigkeiten und der grossen bevorstehenden Veränderungen, sieht der Stadtrat momentan «keinen akuten Handlungsbedarf und verzichtet auf den Einsatz von Bahnhofpaten oder Videokameras». Bestärkt wird er in seinem Entschluss auch durch die Securitrans. Diese bestätige, dass es beim Bahnhof Schlieren nicht nötig sei, präventive Massnahmen zur Steigerung des Sicherheitsgefühls vorzunehmen, schreibt der Stadtrat in seiner Antwort auf ein Postulat von SP-Gemeinderat Pascal Leuchtmann.

Dieser hatte vom Stadtrat verlangt, zu prüfen, «ob und wie die Sicherheit und das Sicherheitsgefühl im Bereich des Bahnhofs Schlieren verbessert werden kann.» Er stützte sich dabei auf eine von der SP durchgeführte Umfrage zur Lebensqualität in Schlieren. Diese hatte zutage gebracht, dass sich ein beachtlicher Teil der Bevölkerung am Bahnhof und in den umliegenden Unterführungen unsicher fühlt. Leuchtmann schlug dem Stadtrat in seinem Postulat auch gleich verschiedene Ansätze zur Sicherheitssteigerung vor. Unter anderem bauliche Massnahmen wie das Anbringen von Überwachungskameras. Gleichzeitig sollte auch die Präsenz von Polizei und Sicherheitsdiensten erhöht werden.

Keine freiwilligen Patrouillen

Laut Stadtrat lohnt sich der Einsatz von Freiwilligen, die regelmässig um den Bahnhof patrouillieren, sogenannte Bahnhofspaten, nicht. «Aufgrund der statistischen Zahlen sowie den bevorstehenden baulichen Veränderungen ist der Kosten/Nutzen von Bahnhofpaten nicht verhältnismässig», hält er fest. Bevor Videokameras installiert würden, müssten sämtliche anderen sicherheitsrelevanten Möglichkeiten ausgeschöpft sein. «Dies ist in diesem Bereich nicht der Fall, da keine schwerwiegenden Vorfälle vorhanden sind», schreibt der Stadtrat weiter. Auch die SBB würden nur Kameras an Bahnhöfen installieren, an denen es bereits zu mehreren Vorfällen gekommen sein. Jener in Schlieren gehöre nicht dazu. Eine Verlegung des Polizeipostens wird momentan zwar geprüft. Der Bahnhof eigne sich jedoch aus organisatorischer und polizeitaktischer Sicht kaum.

Trotz Verzicht auf weiteres Sicherheitspersonal und Videoüberwachung, ist es dem Stadtrat ein Anliegen, das subjektive Sicherheitsgefühl zu stärken, und zwar im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Bahnhofareals. Bis zu diesem Zeitpunkt werde die Stadtpolizei Schlieren speziell in diesen Gebieten aktiv patrouillieren und bei Verdacht vermehrt Personenkontrollen vornehmen.

Konkret will die Stadt zusammen mit den SBB und privaten Gebietsentwicklern die Unterführungen aufwerten, unter anderem durch eine bessere Beleuchtung. Der Stadtrat wolle so schnell wie möglich dem Gemeindeparlament ein entsprechendes Projekt vorlegen, heisst es. Überdies planten die SBB auf dem Areal des ehemaligen Güterschuppens eine Gewerbe- und Wohnüberbauung mit zwei Gebäuden. «In diesem Zusammenhang wird auch die westliche Unterführung eingekürzt und mit einer grosszügigen Rampe versehen. Auch der Zugang zur Unterführung Ost wird grosszügiger und offener gestaltet», so der Stadtrat. Mit verschiedenen Neu- und Umbauten soll die Güterstrasse West längerfristig belebt werden. In den Erdgeschossen seien Verkaufsläden geplant, in den anderen Stockwerken Wohnraum und Büros.

Postulant Leuchtmann gibt sich mit der Antwort nicht zufrieden. Inhaltlich sei wenig zu erfahren, sagt er. «Zudem muss man ganz klar zwischen realer und gefühlter Sicherheit unterscheiden. Immerhin haben viele Leute bei unserer Umfrage angeben, sich rund um den Bahnhof nicht sicher zu fühlen», so Leuchtmann. Er hoffe nun, dass der Stadtrat die richtigen Schlüsse aus diesen Sorgen ziehe, wenn es um die Planungen für die Entwicklung des Nordseite des Bahnhofs gehe.