Herr Frehsner, auch mit 79 Jahren stehen sie noch auf den Ski am Lauberhorn. Wie sieht ihr momentaner Tagesablauf aus?

Karl Frehsner: Hier in Wengen stehe ich um 5.30 Uhr auf und bin um 7 Uhr auf der Bahn. Dort berate ich die Vorfahrer. Dann bespreche ich das Programm der Athleten, inklusive Anpassungen ans Wetter. Während dem Training bleibe ich auf der Piste und schaue den Sportlern zu. Unter den vielen Leuten sind sehr viele meiner Bekannten. Nach der Nachmittagssitzung gibt es Znacht und danach nochmals eine finale Sitzung. Diese dauert inklusive Videobeurteilung etwa zwei Stunden. Ob es danach noch ein Bier gibt, muss ich jeweils spontan entscheiden.

Sie wurden aufgrund Ihres harten Trainings als der ‹Eiserne Karl› betitelt. Hat sich ihr Trainingsstil in den vergangenen Jahren verändert?

Ich habe nur noch wenige Trainer-Mandate. Doch ich habe eine bestimmte Methode, diese würde ich heute bestimmt nicht mehr ändern. Trotzdem muss man mit der Zeit gehen.

Was heisst das konkret?

Besonders die Hilfsmittel haben sich verändert. Heute hat man mit Whatsapp als Terminplaner und Videos als Trainingshilfe ganz andere Möglichkeiten.

Sehen Sie das als ein Vorteil?

Das bleibt dahingestellt. Einerseits ist es positiv, man kann beispielsweise vieles genau und schnell analysieren. Doch andererseits nimmt der menschliche Kontakt ab, das ist schade. Alles geht schneller, ist aber auch weniger persönlich. Die Methode zum Erfolg ist früher wie heute, dass man den Athleten sehr gut kennen muss, um gut zusammenzuarbeiten.

Was denken Sie, wer wird in der Abfahrt am Lauberhorn aufs Podest fahren?

Ich habe in meinem Leben noch nie einen Tipp abgegeben und werde es sicher auch heute nicht tun. Die Strecke ist lang, da kann einiges passieren. Ich habe sechs bis sieben Favoriten, unter denen sind auch ein paar Schweizer.

Trotz Rente in Action: Karl Frehsner steht auch noch mit 79 Jahren auf den Ski, hier am Skiweltcup 2013 in Wengen.

Was fasziniert Sie persönlich am Lauberhorn?

Es ist mit Kitzbühel eines der überaus traditionellen Rennen. Ich war bereits hier zur Zeit von Ernst Gertsch dem sogenannten Vater des Lauberhorns. Damals war es noch üblich, dass die Athleten jeden Tag zwei Trainingsfahrten machten. Das wäre heute nicht mehr denkbar.

Sie waren nicht nur Ski-Trainer, sondern auch Fahrer-Trainer im Formel-1-Team Sauber. Gibt es eine Sportart, die Sie noch ausprobieren wollen?

Ich machte Formel 1 und fuhr Ski. Meine Frau war Leichtathletin, so kam ich auch mit der Leichtathletik in Berührung. Mein Sohn fuhr Velo, so begann ich mich auch mit diesem Sport zu befassen. Mich interessiert alles. Nicht nur im Sport, auch in anderen Bereichen bin ich der Meinung, dass man überall und von jedem etwas lernen kann.

Gibt es eine Sportart, die Sie nicht mögen?

Es gibt viele, die ich nicht ausführen kann. Beim Schwimmen versaufe ich eher, als dass ich mich über Wasser halten kann. Aber selbst damit habe ich mich schon befasst.

Was fasziniert Sie so sehr am Sport?

Jeder Sportler ist ein innovativer Mensch, der für sich probiert, das Maximum rauszuholen. Es sind alles Egoisten, denn ohne Egoismus kommt man nicht weiter. Die wirklich guten Athleten machen alle einen Tick mehr als wir alle. Das fasziniert mich. Sie können nur besser sein, wenn sie mehr machen.

Auch Sie machen einen Tick mehr als die meisten Leute in Ihrem Alter. Wie halten Sie sich fit?

Überhaupt nicht. Ich mache zuwenig. Im Sommer betätige ich mich, ausser beim Velofahren, kaum. Natürlich bewege ich mich jeden Tag und bin froh, solange ich noch auf den Ski stehen kann. Doch nun habe ich mir vorgenommen, nach dem Rennen wieder mit Krafttraining zu beginnen.

Wann denken Sie an die Rente?

Ich bin schon heute sehr ruhig. Das heisst, ich nehme mir einen Tag Zeit für etwas, was ich früher in zwei Stunden gemacht hätte. Solange ich mich bewegen kann, mache ich das. Das mache ich zum Beispiel, indem ich Mandate übernehme, Skifahrer berate oder Pisten abnehme.

Wie viel sind Sie neben diesen Jobs noch zu Hause?

Verglichen mit früher bin ich viel zu Hause. Für meine Frau fast zuviel. Sie ist momentan zu Hause in Dietikon.

Sie wohnen bereits seit 54 Jahren in Dietikon. Was gefällt Ihnen an der Stadt?

Ich bin nach Dietikon gekommen, da ich in Schlieren arbeitete. Für mich war und ist der Ort ideal. Er befindet sich genau in der Mitte zwischen Österreich, Frankreich, Italien und Deutschland.

Überdies befindet sich hier der tiefste Skilift der Schweiz. Haben Sie diesen auch einmal besichtigt?

lacht. Ja, klar. Ich war schon oft bei diesem Lift. Letztes Jahr sagte ich dem Stadtpräsidenten, dass man eine Schneekanone kaufen müsste. Dann wäre die Piste auch öfter befahrbar.