Dietikon/Spreitenbach

Showdown der Bilderstürmer: Nach Gerichtsurteil wird Bruno-Weber-Stiftung die Werke herausgeben

Kann Maria Anna Weber ab Montag auch das Bruno-Weber-Gemälde «Des Kaisers neue Kleider» wieder betrachten?

Kann Maria Anna Weber ab Montag auch das Bruno-Weber-Gemälde «Des Kaisers neue Kleider» wieder betrachten?

Nach dem Gerichtsentscheid des Aargauer Obergerichts wird die Bruno-Weber-Stiftung die Weber-Kunstwerke wohl der Eigentümerin Maria Anna Weber übergeben. Die Stiftung warnt aber vor «unabsehbaren Folgen».

Das ist dankbarer Stoff für ein Drehbuch: Am kommenden Montag um 8 Uhr werden sich eine Reihe von Menschen im Wassergartensaal des Dietiker Bruno-Weber-Parks gegenüber stehen, die sich alles andere als wohlgesinnt sind. Die Witwe des Dietiker Künstlers Bruno Weber, Maria Anna Weber, ein Rechtsvertreter und eine Handvoll Helfer des Vereins Freunde Bruno Weber Park wollen dann endlich Zugang erhalten zu einem Lagerraum, in dem Tausende von Gemälden, Skizzen und Grafiken des Künstlers lagern. Eigentümerin ist die Weber-Witwe. Hausrecht in dem Lagerraum hat aber die Bruno-Weber-Stiftung, die mehr als zwei Jahre lang Weber den Zugriff auf ihr Eigentum verwehrte. Das ist nicht rechtens, entschied im Juni das Aargauer Obergericht und verfügte den Zutritt «per sofort». Ausserdem gehen auch die Gerichts- und Parteikosten in Höhe von rund 16 600 Franken auf die Stiftung.

Den ersten Termin am Mittwochmorgen hatte die Stiftung mit Verweis auf die «Kurzfristigkeit» abgelehnt. Martin Christen vom Vereinsvorstand, der Weber in dem Verfahren unterstützt: «Es gibt den klaren Auftrag des Gerichts, dass der Raum zu öffnen ist, und zwar ohne Zeitaufschub. Ich verstehe nicht, wie man das verweigern kann.» Kommt die Stiftung, an deren Spitze Stiftungsratspräsidentin Isabelle Cart steht, dem Gerichtsurteil nicht nach, droht ihr die Vollstreckung unter Beizug der Polizei. Für den Termin am Montag hat die Stiftung allerdings angekündigt, einlenken zu wollen. In einer Medienmitteilung von Donnerstag heisst es: «Die Bruno-Weber-Stiftung wird der Herausgabe der Werke nachkommen.»

Bilder «vor der Besitzerin geschützt»

Das ging allerdings nicht ohne Zähneknirschen. Die Stiftung kritisiert mehrfach die Argumentation des Gerichts, und dass der Stiftungszweck nicht entsprechend gewürdigt worden sei. «Die Stiftung kann ohne eine verbindliche und mehrjährige Vereinbarung über eine Leihgabe der Werke an die Stiftung den Stiftungszweck nicht erfüllen.» Eine solche Vereinbarung ist aber zwischen Stiftung und Eigentümerin nie zustande gekommen. Weber: «Die Bedingungen in dem Vertrag waren für mich nicht zumutbar.» Sie schlug als Lösung vor, den Raum zu mieten, das aber wollte die Stiftung nicht. Dabei hatte Weber nichts gegen die Übergabe der Werke an die Stiftung zum Zwecke der Dokumentation und Inventarisierung. Sie drang allerdings auf ihr Zutrittsrecht. Bestimmt zehnmal habe sie nach einem Schlüssel gefragt, so Christen. «Dabei hiess es einmal sogar, man müsse die Bilder vor ihr schützen.» Das sei indiskutabel, angesichts der Tatsache, dass diese 50 Jahre lang in ihrer Obhut gewesen seien.

Weber äusserte sich am Donnerstag erleichtert: «Ich bin wirklich froh, dass sich eine Lösung abzeichnet. Ich hoffe, dass man das Ganze am Montag vernünftig abschliessen kann.» Die Stiftungsratspräsidentin Isabelle Cart dagegen hält die Gerichtsentscheidung «für bedauerlich». In der Medienmitteilung der Stiftung heisst es, dass das Obergericht zwar den Einwand im Entscheid explizit erwähnt habe, dass die Stiftung ohne diese Werke in ihrem Kulturgüterraum ihre Schutz- und Dokumentationsaufgaben nicht weiter ausüben könne, dass das Obergericht diese Konsequenz aber offenbar in Kauf genommen habe. «Aus Sicht der Stiftung wirft der Gerichtsentscheid nun die Frage der Existenzberechtigung der Stiftung auf.» Heute bestehe die «absurde Situation», dass einerseits von der Stiftung erwartet werde, den Stiftungszweck zu erfüllen, anderseits dieser Zweck nicht erfüllbar sei.

Ausserdem benötigten die Werke zwingend eine «kunstgerechte Lagerung». Zu eben diesem Zweck habe die Stiftung den Kulturgüterraum errichtet. Wenn dessen Tür am Montag schliesslich geöffnet wird, steht eines schon fest: Die Bilder werden nicht dort verbleiben. Christen: «Sie kommen an einen geheimen und sicheren Ort, der sich für eine Kunstlagerung eignet.» Dort würden sie gesichtet und auf Vollständigkeit kontrolliert.

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