Die verdeckten Internet-Ermittler dürfen wieder zuschlagen. Dies zeigte der Strafprozess. Der Angeklagte aus Affoltern am Albis musste sich wegen versuchter sexueller Handlungen mit Kindern sowie versuchter Pornografie verantworten.

Sicher ist, dass der Beschuldigte im Chatroom «Teentalk» mit einer 13-jährigen Schülerin namens Ramona Kontakt aufnahm und schon bald auf sexuelle Themen zu sprechen kam. «Das habe ich zwar geschrieben, ich hätte aber nichts mit ihr getan», beteuerte der Beschuldigte. Dagegen sprach aber, dass er für den
1. Februar 2013 mit Ramona ein Treffen am Bahnhof Urdorf vereinbarte.

Zwecks Oralverkehr und weiteres «Rummachen», wie er schrieb. Zudem schickte er ihr per MMS ein Bild von seinem Penis zu. Danach suchte er den Bahnhof Urdorf auf. Mit zwei Kondomen und einer Packung Feuchttüchlein. Statt Ramona nahm ihn der zuständige verdeckte Ermittler in Empfang. Der verhaftete Täter musste nachher 26 Tage in Untersuchungshaft verbringen.

Der Verteidiger verlangte einen vollen Freispruch. Sein Mandant sei nicht pädophil und finde sexuelle Handlungen mit Minderjährigen abstossend, plädierte er und verneinte jegliche sexuelle Absichten seines Mandanten. Dieser sei damals vielmehr von seiner langjährigen Freundin verlassen worden. Worauf er in eine psychische Krise geraten sei und seine Fantasien im Internet ausgelebt habe. Allerdings habe er die nicht in wirklich umsetzen wollen, plädierte er.

Der Verteidiger räumte aber auch ein, dass der Beschuldigte eine kranke und perverse Phase durchgemacht habe. Seither besuche er regelmässig einen Psychotherapeuten. Zur rechtlichen Würdigung führte der Rechtsanwalt aus, dass sein Klient nicht mit einer Schülerin, sondern mit einem Polizeibeamten abgemacht habe. Ebenso habe er das Bild seiner Genitalien in Wahrheit einem Erwachsenen und nicht einem Kind zugestellt.

Das Gericht sah es anders und kam zu umfassenden Schuldsprüchen: «Der Beschuldigte hat ein ziel- und planmässiges Vorgehen an den Tag gelegt», führte der Vorsitzende Bruno Amacker anlässlich der Urteilseröffnung aus. Seine Handlungen liessen sich mit seinen Darstellungen nicht in Einklang bringen. Die Unterhaltung mit der minderjährigen Schülerin habe sich auf das Sexuelle beschränkt, befand Amacker. Zudem hätte der Beschuldigte das Treffen mit einer SMS-Botschaft absagen können.

Der Einzelrichter stufte das Vorgehen der Polizei als legal ein. Rechtliche Grundlagen für die verdeckte Ermittlung im Internet seien gegeben. An der Schuldfähigkeit des Täters hatte das Gericht keine Zweifel. Andererseits hielt es ihm Einsicht, Reue und den blossen Versuch zugute. Es verzichtete auf die beantragte Freiheitsstrafe von zehn Monaten bedingt. Stattdessen legte es eine bedingte, hohe Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu 130 Franken fest plus die Übernahme der Gerichtskosten.