Seit mehr als 200 Jahren vermag das Drama zu fesseln. Es beinhaltet auch autobiografische Züge Schillers und widmet sich besonders dem Konflikt zwischen Adel und Bürgertum. Das «bürgerliche Trauerspiel» gilt damit als typisches Beispiel der «Sturm und Drang»-Epoche. Das Stück erzählt vom adligen Ferdinand und dessen grosser Liebe zur bürgerlichen Luise. Diese Amour fou missfällt den Vätern, eine perfide Intrige wird gesponnen, um das Paar zu trennen. Es gelingt nur fast, denn Ferdinand und Luise verlassen das Schlachtfeld der Eitelkeiten gemeinsam. Süsses Gift führt sie in den Tod.

Am Dienstag führte das Theater Kanton Zürich das Stück im Schlieremer Salmensaal auf. Es erstaunt, dass sich das Theater Kanton Zürich in seinen 40 Jahren noch nie des Stoffes angenommen hat, aber gut Ding will Weile haben. Da die Geschichte von «Kabale und Liebe» sattsam bekannt ist, liegt die Spannung in der Inszenierung.

Stärken und Schwächen

Regisseurin Barbara-David Brüesch schuf eine gelungene Symbiose aus klassischem Theater und heutigem Zeitgeist. Das Tempo ist flott, die Schauspieler grossartig. Die drehenden Wände der Kulisse sind eine Wucht und die Kostüme verrucht.

«Kabale und Liebe», in dieser Version im Dezember 2011 in Winterthur uraufgeführt, kann in jeder Hinsicht mit den Inszenierungen am Schauspielhaus Zürich mithalten. Eine Stärke, die aber auch entsprechende Schwächen mit sich bringt.

Wie am Pfauen setzt Barbara-David Brüesch bisweilen auf Komik oder nackte Haut. Wenn der Hofmarschall wie eine Reinkarnation von Dirk Bach agiert, wirkt dies, als hätte Schauspielhaus-Intendantin Barbara Frey ihre Finger im Spiel. Auch weiss das Publikum mittlerweile, wie Schauspieler in Unterhosen aussehen. Zudem war die Sexszene zwischen Ferdinand und Lady Milford schlicht befremdend. Hier hätte man sich subtilere Erotik gewünscht. Aus «Sturm und Drang» wurde «Sex & Crime» - vermeintliche Provokation fürs Establishment?

Dass solche Szenen nie ins Peinliche abdriften, ist dem Ensemble zu verdanken. Allen voran Katharina von Bock, bekannt aus «Lüthi & Blanc». Als Lady Milford gibt sie eine fast schon «heilige Hure», die, im Gegensatz zu Schillers Drama, nicht geläutert das Land verlässt, sondern in einem Akt aus Lust und Rache das Zeitliche segnet.

Zu Unrecht steht das Theater Kanton Zürich, das sich selbst als «Wanderbühne» bezeichnet, oft im Schatten grosser Häuser. Der Aufführung im Salmensaal wäre jedenfalls eine bessere Akustik zu wünschen gewesen. Manche Silben wurden gnadenlos im Hall verschluckt. Das Publikum selbst reagierte verhalten. Es erwartete wohl eher ein Lustspiel und weniger ein Spiel um Lust.