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Severin Lüthy: «Studio Dietikon ist ein Gütesiegel»

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Severin Lüthy leitet seit 1. September 2019 das Dietiker Stadtplanungsamt. Der 36-Jährige kommt aus Villnachern bei Brugg im Aargau.

Die kantonale Denkmal­pflege hat Hunderte Objekte im Limmattal in sein Schutzinventar aufgenommen, ohne die Eigentümer zu informieren. Beschäftigt das Sie als Dietiker Stadtplaner?

Auf jeden Fall. Wenn gewisse Objekte ins Inventar kommen, kann das die Dietiker Innen­entwicklung hemmen und der Strategie des Stadtboulevards im Weg stehen. Davon ist auch die Stadt betroffen. Wir haben uns gegenüber dem Kanton entsprechend geäussert, aber das wurde nicht berücksichtigt.

Sie nennen kein Beispiel. Aber glücklich sind Sie nicht mit dem Inventar.

Wir haben unseren Auftrag und die kantonale Denkmalpflege hat ihren. Sie ist nicht verpflichtet, unsere Anträge zu berücksichtigen. Unser kommunales Schutzinventar können wir hingegen mit unseren anderen strategischen Zielen abstimmen, sodass sie kompatibel sind. Wie die Eigentümer finden auch wir das Vorgehen problematisch.

Aber?

Wir können die Eigentümer auch nicht im Voraus informieren, wenn wir einen Baum oder ein Gebäude schützen wollen. Sonst ist das Objekt unter Umständen am nächsten Tag weg, bevor es inventarisiert ist. Es gibt ja entsprechende Beispiele. Von dem her habe ich auch Verständnis für den Kanton.

Weniger verschwiegen geht es bei der Entwicklung der Dietiker Freiräume voran. Morgen Samstag präsentieren Sie im Studio Dietikon die bisherigen Resultate des Stadtentwicklungsdialogs und den 50-seitigen Werkzeugkasten für die Entwicklung der Dietiker Freiräume. Sind Sie zufrieden mit der bisherigen Beteiligung?

Ja, wir sind sehr zufrieden. Insgesamt haben sich rund 50 Leute beteiligt. Die Teilnehmer der beiden grossen Workshops waren sehr engagiert und haben die Möglichkeit, sich einzubringen, sehr geschätzt. Das zeigt uns, dass es auch künftig partizipativ weitergehen soll. Darum sind wir zufrieden. Zudem ist es ein Prozess, bis alle merken, dass man sich einbringen und etwas bewirken kann.

Wie sehr merkt man die Ideen der Bevölkerung dem Werkzeugkasten an?

Stark. Der Werkzeugkasten hat Substanz. Zum einen halten die Leitsätze auf strategischer Ebene fest, dass die Freiraumplanung bei allen Planungsfragen immer zu beachten ist. So wichtig sind Freiräume. Zum anderen ist das Kapitel Massnahmen und Ideen ein praktisch ungefiltertes Sammelsurium von allen Inputs, die wir erhalten haben. Wir haben bewusst keine Triage gemacht, sondern auch Ideen aufgenommen, die auf den ersten Blick unrealistisch wirken. Denn die Bevölkerung muss ihre Ideen in diesem Papier wiederfinden und sehen, dass sie ernst genommen wird und ihre Ideen Wertschätzung erhalten. Wäre das nicht so, hätten wir die Mitwirkung verwirkt.

Aber Sie wissen, welche Ideen Sie umsetzen wollen?

Nein, die Auswahl soll nicht jetzt im Stadthaus bestimmt werden. Sondern nächstes Jahr draussen in den Freiräumen, indem wir dort den Dialog mit der Bevölkerung weiterführen. Dazu nehmen wir den Werkzeugkasten mit, der ist die Basis. Gemeinsam mit den Nutzern schauen wir dann in den einzelnen Freiräumen, was es braucht. Was ist gut beim Spielplatz XY? Was ist schlecht? Und wie können wir es verbessern?

Besuchen Sie also 2020 alle Freiräume?

Zuerst muss der Gemeinderat das Budget 2020 bewilligen, das ist der Vorbehalt. Zusammen mit der Begleitgruppe des Stadtentwicklungsdialogs werden wir dann definieren, welche fünf oder sechs Freiräume nächstes Jahr konkret angegangen werden. Wir können nicht alle nächstes Jahr besuchen. Man muss eine Auswahl treffen, wo es am dringendsten ist. Zudem muss die Auswahl einigermassen gerecht über die ganze Stadt verteilt sein. Wir wollen möglichst breit aufgestellt sein, damit der Stadtentwicklungsdialog möglichst in der ganzen Stadt präsent ist. Langfristig ist das Ziel schon, dass alle Freiräume genau angeschaut werden.

Sie haben das Budget erwähnt. Wie viel ist der Dialog der Stadt denn wert?

Es geht um den gleichen Betrag wie 2019: 200 000 Franken. Die eine Hälfte ist für den Dialog, die andere für die Sofortmassnahmen, die sich aus dem Dialog ergeben.

Severin Lüthy leitet seit 1. September 2019 das Dietiker Stadtplanungsamt.

Severin Lüthy leitet seit 1. September 2019 das Dietiker Stadtplanungsamt.

Schlieren ging bei der Neugestaltung von Spielplätzen auch partizipativ vor, das kam dann teurer als geplant. Wieso soll das in Dietikon nicht passieren?

Wir werden keine ganzen Spielplätze neu gestalten, das wären eigene Projekte. Bei der Freiraumentwicklung geht es jetzt zuerst um einfach umsetzbare Sofortmassnahmen, die sehr punktuell sind. Das kann eine fehlende Sitzgelegenheit oder eine neue Beschattung sein. Wir wollen Massnahmen, die 2020 wirklich sofort umgesetzt werden können. Also solche, für die es keine grosse Bewilligungsverfahren braucht. Wir gehen also immer vom Ist-Zustand aus. Vielleicht stellt sich aber irgendwo heraus, dass man sagt: Hier braucht es eine Totalsanierung oder eine völlig neue Konzeption. Das wäre dann aber ein separates Projekt, für das man sich mehr Zeit nehmen muss und das nicht über unser Budget laufen könnte. Der ganze Prozess kann durchaus neue Projekte anstossen. Letztlich ist der Stadtentwicklungsdialog mit dem Namen Studio Dietikon eine Marke, die für eine partizipative Stadtentwicklung steht.Es ist ein Gütesiegel, das zeigt: Hier war die Bevölkerung eingebunden. Wir werden diesen Ansatz auch für weitere Planungen nutzen wie zum Beispiel den Park im Niderfeld.

Das Studio Dietikon ist nun also etwas langfristiges.

Ja. Wir wollen dieses Stadtentwicklungslabor etablieren. Jetzt geht es um Freiräume, und ab 2022 könnte dann etwas anderes das grosse Thema sein.

So, wie Sie vom Studio Dietikon schwärmen, fragt man sich im Umkehrschluss, ob bisher an der Bevölkerung vorbeigeplant wurde.

Dieser Schluss wäre falsch. Fakt ist, dass wir in einem neuem Zeitalter der Stadtentwicklung angelangt sind. Früher haben wir grüne Wiesen bebaut oder Industrieareale umgenutzt. Da war nur die unmittelbare Nachbarschaft betroffen. Jetzt geht es um die Innenentwicklung, da sind viel mehr Leute betroffen. Es wäre kein Weg für die Zukunft, die Bevölkerung nur über die gesetzlich vorgeschriebene Verfahren einzubeziehen.

Zum Schluss: Wie lange bleibt das Studio Dietikon noch im Alten Bauamt?

Bis im Sommer 2020 ist die ­Zwischennutzung gesichert. Für danach prüfen wir Optionen. Meine Vision ist, das Studio ­Dietikon an einem fixen Ort zu haben, wo die Leute von selbst kommen. Bis dahin muss sich das Studio Dietikon aber noch weiter etablieren. Daher ist es wichtig, dass wir weiterhin zu den Leuten rausgehen oder aktiv zu uns einladen und auch für Speis und Trank sorgen wie zum Beispiel morgen Samstag.

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