Vor 25 Jahren hatte Musiklehrer Markus Jud eine Vision. Dank regelmässiger Konzerte sollte die Musik an der Kantonsschule Urdorf den ihr gebührenden Platz erhalten. Gegen anfänglichen Widerstand organisierte er die erste Sommerserenade.

Was mit zwei Chören, einem Flöten- und einem Saxophonensemble begann, ist heute zur festen Tradition im Schuljahr geworden und vermittelt einen Eindruck vom vielfältigen musikalischen Leben an der Schule. Am Mittwochabend feierte die Serenade Jubiläum.

Während 90 Minuten boten die Schülerinnen und Schüler ein hochstehendes Programm mit Musikwerken aus drei Jahrhunderten. Das Querflötenensemble eröffnete den Abend mit der Uraufführung einer Komposition seiner Musiklehrerin Ursula Büttiker. Überzeugend waren die Darbietungen des Gitarren- und des Saxophonensembles und die Aufführung der Sinfonia Concertante von Domenico Cimarosa durch Sina Zirngast (Querflöte) und Fiona Zirngast (Oboe). Sie liess keinen Zweifel daran, dass hier musikalische Talente am Werk waren.

Das Schlussbouquet des Abends bot der Schulchor mit über 60 Jugendlichen, die mit Begeisterung ihre Freude an der Musik kundtaten. Und natürlich durfte an einer Serenade auch die Moonlight Serenade von Glenn Miller nicht fehlen, berührend vorgetragen durch das Vokalensemble von Naoko Okada. Für Markus Jud ist klar: «Das Schönste für die Schülerinnen und Schüler ist es doch, Applaus zu bekommen. Dieses Gefühl der Anerkennung tragen sie in die Welt hinaus.»

Niveau steigt von Jahr zu Jahr

Die Musik machte für kurze Zeit vergessen, dass man nicht in einem Konzertsaal, sondern in der nüchternen Eingangshalle der Kantonsschule sass. Auf eine Aula, oder gar einen Singsaal, so Jud, warte die Schule seit Jahrzehnten vergeblich. «Um so beeindruckender ist es, was meine Kolleginnen und Kollegen, was die Schülerinnen und Schüler unter diesen erschwerten Bedingungen und in so kurzer Zeit zustande gebracht haben. Es erfüllt mich mit Stolz», sagt er. Das Niveau steige Jahr um Jahr, und das sei eine Entschädigung für den grossen Aufwand, den alle Beteiligten zusätzlich zum Unterricht für diese Aufführung bewältigen.

Und schmunzelnd fügte er an: «Etwas scheinen wir an dieser Schule doch richtig zu machen.»
Für Sina Hort und Chris de Jong war der Auftritt keine grosse Sache. Sie sind es gewohnt, vor Publikum aufzutreten. Die 20-Jährige aus Urdorf singt in Vokalensembles und weiss aus Erfahrung, dass das Kribbeln im Bauch vergeht, sobald sie auf der Bühne steht. Der 17-jährige de Jong aus Unterengstringen unterstützt am Schlagzeug den Schulchor.

Auch er nahm es gelassen: «Ich habe schon vor grösserem Publikum gespielt.» Für beide war es der letzte Auftritt an einer Urdorfer Serenade. Die mündliche Matura und damit das Ende der Schulzeit stehen vor der Türe. Dass die Tradition der Sommerserenade mit immer wieder neuen Schülerinnen und Schülern weitergeführt wird, auch wenn er selber in zwei Jahren in Pension gehen wird, davon ist der passionierte Musiklehrer Markus Jud überzeugt.