Dietikon

Senioren und Studenten gestalten gemeinsam den Erlebnisweg

Tagelang haben die Altersheimbewohner gemeinsam mit vier Studentinnen und einem Studenten gepinselt und eingepflanzt. Jetzt wurde der Erlebnisweg eingeweiht.

Über dem Lavendel taumeln die ersten Schmetterlinge, zwischen den Kuchentellern auf den Tischen rennen vorwitzige Ameisen herum. Hedy Kegele hat sich auf ihre Lieblingsbank gesetzt und lässt sich die Sonne ins Gesicht scheinen.

Die Bank am Erlebnisweg des Alters- und Gesundheitszentrums Dietikon (AGZ), die sie zusammen mit vier Studentinnen und einem Studenten der Höheren Fachschule für Sozialpädagogik Luzern auf Vordermann gebracht und frisch angepinselt hat. Für ihr Projekt «Begegnung bewegt» haben die fünf angehenden Sozialpädagogen gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern den Erlebnisweg realisiert.

Hedy Kegele tätschelt zufrieden das dunkle, frisch eingeölte Holz. «Sie müssen wissen, drei Tage bevor die jungen Leute gekommen sind, habe ich noch gedacht, dass diese Bank dringend gestrichen werden müsste.» Ganz grau und verwittert sei sie gewesen. Nicht zuletzt dank ihrer Mithilfe sieht die Bank aus wie neu, glänzt in saftigem Braun. Kegele findet das Projekt Erlebnisweg super. «Es war grossartig, wie sich die jungen Leute mit uns abgegeben haben. Das ist keine Selbstverständlichkeit, ganz bestimmt nicht.»

Harmonisch und anspruchsvoll

Umgesetzt wurde das Projekt bereits im März. Jetzt wurde der Erlebnisweg eingeweiht und gleichzeitig an das AGZ übergeben - oder vielmehr zurückgegeben: Die Idee für den Erlebnisweg stammt nicht von den Studenten, sondern von Karin Ament, Leiterin Pflege und Betreuung im AGZ. «Wir haben rund 40 Institutionen und Stiftungen angefragt, ob sie ein Projekt im Bereich Bewegung in der Pipeline haben, das sie aus Kapazitätsgründen nicht selber umsetzen können», sagt Studentin Corinna Gähwiler. Gemeldet hatte sich daraufhin unter anderem das AGZ in Dietikon.

Die Zusammenarbeit zwischen den Studenten und den Bewohnern war eng. Die Bewohner wurden gefragt, was ihnen in Sachen Bewegung fehlt, was sie früher gemacht haben. Und wer wollte, durfte bei der Umsetzung des Projekts mit anpacken. «Wir wollten nicht für, sondern mit den Bewohnern arbeiten», sagt Gähwiler. Die Bewohner wiederum hätten das sehr geschätzt und beispielsweise gerne mitgeholfen, Blumen einzupflanzen, Steine und Bänkli anzumalen.

«Die Zusammenarbeit mit den Bewohnern war harmonisch und gleichzeitig anspruchsvoll», sagt Gähwiler. Sie hätten sich beispielsweise erst daran gewöhnen müssen, voraus zu denken und nicht zu spontan sein zu wollen. Die Bewohner seien ihnen sehr dankbar gewesen, hätten die Abwechslung und das Mithelfen geschätzt. Gähwiler: «Viele haben uns gesagt, es sei schön, dass sie doch noch für etwas zu gebrauchen seien.»

Die guten Erlebnisse haben sich auch bei Karin Ament eingeprägt: «Wir alle tragen viele schöne Bilder in uns.» Das Projekt habe viel geweckt und ausgelöst. Deshalb ist es mit der Einweihung des Erlebnisweges auch noch längst nicht abgeschlossen. Ament: «Wir planen, den Erlebnisweg jedes Jahr um neue Posten zu erweitern.»

Hauptsache, Bewegung

Peter Künzler ist einer der ersten Bewohner, der die Übungen am Handlauf ausprobiert. Kniebeugen, fünfmal nacheinander. «Ein bisschen anstrengend», meint er danach. So soll es sein, Bewegung ist wichtig. Und gerade die Bewegung im Freien kommt bei den Bewohnern oftmals zu kurz.

Die Forschung habe gezeigt, dass körperliche und geistige Bewegung Stürze verhindern helfen, die für ältere Menschen sehr gravierend sein können, sagt Studentin Sara Greber. Ob sie nun die Turnübungen absolvieren oder bloss den Weg ablaufen, spiele keine Rolle. «Falsch machen kann man nichts, falsch ist nur, sich nicht zu bewegen.»

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