Der Schlieremer Bahnhof ist fast menschenleer, die Stosszeit ist vorbei. Trotzdem hat sich am Freitagmorgen, um 9.15 Uhr, eine Menschentraube vor den Billettautomaten am Eingang der Hauptunterführung gebildet. Rund zehn Personen sind es – zwei SBB-Lehrtöchter in Uniform, der Rest Rentner. Die Altersstiftung Pro Senectute hat zum Bedienungskurs für Billettautomaten mit Touchscreen eingeladen. Für viele ältere Semester sind diese Automaten noch immer Neuland.

Praxis ist das A und O

Der Kurs beginnt mit den Grundlagen. Wer jetzt nicht zuhört, hat den Anschluss verpasst. «Die gelben Flächen sind zum Draufdrücken da. Wählen Sie diese aus, wechselt die Farbe auf grün», sagt Nicole Feubli. Die 16-jährige SBB-Auszubildende ist heute für einmal die Lehrerin. Am Schalter bedient sie regelmässig ältere Personen, die Mühe mit den neuartigen Billettgeräten bekunden – und die deshalb Hilfe suchen. Feubli findet: «Das kann ja kein Dauerzustand sein, schliesslich ist der Schalter nicht immer geöffnet.» Sie setzt deshalb auf Hilfe zur Selbsthilfe und bietet den Kunden jeweils an, ihnen den Fahrscheinkauf direkt am Automaten zu erklären.

Nun macht sie das gleich für eine ganze Seniorengruppe. Einige gehen schon nach kurzer Zeit – dafür stossen Neue dazu. Über den Morgen verteilt kommen rund 20 Personen.

Viele der Interessierten fühlen sich im Alltag unsicher im Umgang mit den Touchscreen-Automaten. Sie klagen über den Zeitdruck, den Zug noch rechtzeitig zu erwischen. Oder sie fürchten fiese Kommentare von Personen, die hinter ihnen Schlange stehen.

Weil Üben das A und O im Umgang mit der modernen Technik ist, hält Feubli die Senioren nach der Einführung zum selbstständigen Ausprobieren an. «Diese Geräte sind so kompliziert, da muss ich mich richtig einarbeiten, um sie zu verstehen», sagt Hanni Bösch – eine der Lernwilligen, die ein GA besitzt und viel unterwegs ist. Ihr fehle das Verständnis für diese neue digitale Welt, sie habe keinen Computer zu Hause.

Kostenlose Sozialkontakte

Viel auf Reisen ist auch Bruno Rüegg, Leiter der Pro Senectute-Ortssektion Schlieren. Der 75-Jährige hat die Veranstaltung organisiert und weiss bereits, wie die Billettautomaten funktionieren. Deswegen steht er an diesem Morgen immer ein wenig abseits der Kursgruppe und erklärt den Interessierten, warum Pro Senectute so wichtig sei: «Die Organisation ermöglicht es vielen älteren Menschen, soziale Kontakte zu erhalten.»

Dies tue sie unter anderem durch solche Kurse, durch Lesungen, durch einen Mittagstisch – und das alles gratis. «Ganz wichtig ist die Bereitschaft von Firmen und Privatpersonen, kostenlos mitzuarbeiten», sagt Rüegg. So beteiligten sich die SBB gratis am Einführungskurs in Schlieren. Die Bundesbahnen profitierten dennoch von der Veranstaltung, ergänzt Rüegg. Schliesslich motiviere man die Senioren zum Bahnfahren.