Birmensdorf
Senioren schwelgen in Erinnerungen: The Sam Singers lassen die 50er-Jahre wieder aufleben

The Sam Singers boten im Alterszentrum am Bach eine musikalische Reise in die 1950er-Jahre und liessen die Gesichter vor Freude strahlen.

Anina Gepp
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The Sam Singers
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Julia Schiwowoa, Catriona Bühler und Helen Iten (von links nach rechts)
Julia Schiwowoa, Catriona Bühler und Helen Iten (von links nach rechts) bei ihrer Performance
The Sam Singers lassen die 50er Jahre wieder aufleben

The Sam Singers

Anina Gepp

Figurbetonte Petticoats, zerrissene Jeans, rassige Lederjacken und auftoupierte Haare – das war die Mode in den 1950er-Jahren. Nach dem Krieg kam auf einmal der Boom. Was früher Luxusgut war, wurde nun zum Standard. Dieses neue Lebensgefühl infizierte vor allem die Jugendlichen musikalisch mit einem neuen Virus, dem Rock ’n’ Roll.

Wer sich am Sonntag im Saal des Alterszentrums am Bach in Birmensdorf umschaut, erahnt schnell, dass so mancher Zuschauer genau in dieser Zeit jung war. Klar also, dass all ihre Gesichter freudig strahlen, als The Sam Singers die Bühne betreten. Das Konzert wurde vom Alterszentrum zusammen mit dem Kulturkreis Birmensdorf organisiert. In ihren Shows lässt die Band das Ambiente von damals wieder aufleben. Die drei Sängerinnen Catriona Bühler, Julia Schiwowa und Helen Iten entzücken in ihren türkisfarbigen Kleidchen im Vintage-Stil nur schon optisch – vor allem das männliche Publikum. Die Frauen können sich über zwei Herren in schicken Anzügen freuen: zum einen über Samuel Zünd, Sänger, Bandleader und Pianist, zum andern über Fridolin Blumer am Kontrabass.

Nach London in die Jazzclubs

Seit vielen Jahren geht die Vokalgruppe dem Originalton internationaler Evergreens, amerikanischer Swinghits und alter Schweizer Schlager aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nach. Sie orientiert sich an Vorbildern wie den Andrew Sisters, den Geschwistern Schmid oder den Comedian Harmonists. Auch die Jugendlichen der 1950er-Jahre sehnten sich nach neuen Vorbildern – und fanden diese in der Musik. Rock ’n’ Roll gab ihnen ihre eigene Stimme. Eine Bewohnerin des Alterszentrums am Bach war zu dieser Zeit oft in den Jazzkellern Londons unterwegs, wie sie ihrer Sitznachbarin kurz vor Konzertbeginn zuflüstert. Oft sei dort Rock ’n’ Roll gespielt worden.

Dann ertönen die ersten Klavierklänge, im Saal wird es still. Die Sängerinnen stimmen «Serenade in Blue» von Glenn Miller an und bewegen sich im Takt auf ihren weissen Absatzschuhen hin und her. Danach spielen The Sam Singers ein Medley von Friedel Hensch und die Cyprys. Die Titel sind Bewohnern und Besuchern des Altersheims bestens bekannt. Zahlreiche Lippen bewegen sich während der ganzen Darbietung textsicher mit. Natürlich darf auch das namensgebende Titellied der aktuellen Tour der Band The Sentimental Journey nicht fehlen. 1945 landeten Les Brown und Doris Day damit einen Hit. Aber auch Schweizer Musik wurde ins Programm aufgenommen, beispielsweise mit dem Lied «I ha en Schatz am Zürisee» von den Geschwistern Schmid.

Andreas Griesshaber, Leiter des Alterszentrums am Bach, lobt die Band nach dem Konzert in den höchsten Tönen. «Schade nur, dass ich die 1950er-Jahre knapp verpasst habe», sagt er.