Bereits die Franzosen wussten, dass sich für eine Überquerung der Limmat der Raum Dietikon besonders gut eignet – das war 1799, als die zweite Schlacht von Zürich tobte.

140 Jahre später spielte der heutige Bezirkshauport wieder eine militärstrategisch wichtige Rolle. Mit dem deutschen Überfall von Polen am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Einen Tag später wurde die Generalmobilmachung der Schweizer Armee angeordnet. Damit änderte sich das Leben im Limmattal und insbesondere in Dietikon schlagartig.

Viele wehrpflichtige Männer mussten in den Aktivdienst einrücken, noch mehr Soldaten aber wurden in der Region stationiert. In Dietikon wuchs die Einwohnerzahl dadurch temporär auf das Doppelte an. Die Gemeinde zählte zwischenzeitlich 11 000 Einwohner.

Mobilmachung auf dem Zentralschulhausplatz

Mobilmachung auf dem Zentralschulhausplatz

Dorfkern wird ummauert

Der Grund für die massive Militärpräsenz in der Region waren die strategischen Überlegungen des Generalstabs um Henri Guisan. Die Armee sollte gerüstet sein für das wahrscheinlichste Szenario eines deutschen Einmarsches, eines Angriffs von Norden her. Im grenznahen Raum sollte der Gegner von den Grenz- und Vortruppen so lange als möglich aufgehalten werden. Die eigentliche Verteidigungsfront verlief entlang einer Linie, die sich von Sargans quer durchs Mittelland bis nach Basel zog.

Die Limmatstellung war ein wichtiger Teil dieses Verteidigungsdispositivs. Aus Dietikon wurde in kurzer Zeit die Festung Dietikon. Diese wurde im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Boden gestampft. Nicht nur wegen des für eine Überquerung der Limmat geeigneten Geländes war Dietikon ein strategisch wichtiger Ort. Die Mutschellenstrasse als Übergang ins Reppisch- und Reusstal war von grosser Bedeutung. Rund um das Dorfzentrum wurde eine Festungsmauer gezogen, deren Reste heute noch hinter dem Zentralschulhaus sichtbar sind. Als Besatzung dieser Kernbefestigung waren 500 Mann und 27 Maschinengewehre vorgesehen. An verschiedenen anderen Orten wurden Geländesperren errichtet. Das gesamte Waldgebiet wurde zur Sperrzone erklärt.

Allerdings ging der Bau der Festung nicht überall so vonstatten, wie man sich das beim Generalstab gewünscht hatte. Dies belegen Rekognoszierungsberichte, die auszugsweise im Dietiker Jahrheft von 1973 abgedruckt sind. Dies lag unter anderem an Geländeschwierigkeiten und dem Umstand, dass die harte Arbeit für viele Soldaten ungewohnt war. «Ganz besonders im Rückstand sind aber die Batteriestellungen im Abschnitt Dietikon», berichtete der Chef des Generalstabs General Guisan in einem Bericht vom 6. Januar 1940. Es sei wichtig und dringlich, dass mit dem Bau ohne Verzug begonnen werde, schloss er sein Schreiben.

Späteren Berichten ist zu entnehmen, dass es dann doch noch recht zügig vorwärts ging. Doch nicht nur die Arbeiten an der Festung bereiteten der Armeeführung Kopfzerbrechen. Auch mit dem Verhalten der Zivilbevölkerung hatte sie ihre liebe Mühe. Kurz vor Weihnachten 1939 ordnete der General die ersten Verdunkelungs- und Fliegeralarmübungen an. Offenbar liess die Bevölkerung dabei den nötigen Ernst vermissen.

In einem Rapport schrieb die Luftschutzkommission: «Die Beobachter im Dorf und auf dem Turm der katholischen Kirche meldeten zahlreiche Verstösse durch kurzes Anzünden des Lichtes in nicht verdunkelten Zimmern oder dem Durchscheinen durch die Ritzen der Vorhänge.» Das waren längst nicht alle Probleme. «Auch ist festzustellen, dass den behördlichen Weisungen in der Weise nicht nachgelebt wird, indem viel gwundriges Volk sich auf den Strassen aufhielt und dem Verkehr noch hindernd im Wege stand, die Verdunkelungsübung gleichsam zu einem Schabernack stempelnd», hiess es weiter. Man habe sich Signale mit brennenden Stumpen oder glutspeienden Tabakpfeifen gegeben.

Nicht nur Kommissionen berichteten dem General über den Stand der Dinge. Der ranghöchste Offizier der Armee machte sich auch selbst ein Bild. Ein erstes Mal besuchte er Dietikon am 3. Januar 1940. Dafür wurde extra eine Regimentsmusik zusammengetrommelt, die zur Wegfahrt des Generals aufspielte. Ein zweiter Blitzbesuch erfolgte am 13. Februar 1940.

Wenige Monate nach der Visite Guisans im Limmattal änderte sich nicht nur das Kriegsgeschehen, sondern auch die Bedeutung der Festung Dietikon. Nach dem Einmarsch der Deutschen in Frankreich entstand für die Verteidigung der Schweiz eine völlig neue Situation. Die Armee zog sich ins Réduit zurück. Die Festung, die zu Kriegszeiten sieben Bunker und 900 Meter Festungsmauer umfasste, war nun kein strategisch wichtiger Stützpunkt mehr, die Soldaten zogen sich zurück.

Die Anlagen wurden erst 1944/45 wieder besetzt. Nach dem Krieg verschwanden sie allmählich aus Dietikon. Die Stellungen wurden teilweise geschleift. Jedoch nicht vollständig: Die Dietiker konnten den Bund überreden, einen Teil des Geldes für den Aufbau der Badi zu verwenden, statt es in den Rückbau der Anlagen zu stecken.