Birmensdorf
Sekschüler üben für einmal Kampfsport statt Mathe zu büffeln

Respekt – ohne funktioniert das Zusammenleben nicht: Die Sekschüler lernen in einer Einführungswoche, wie man sich aus Klammergriffen und Schwitzkästen windet.

Katja Landolt
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Still zu sein ist schwer. Und Ruhe in eine Gruppe 58 frischgebackener Sekschüler zu bringen, erst recht. Lehrerin Ursula Baumgartner steht inmitten der Kinder, einen Finger auf die Lippen gelegt, die andere Hand flach in die Luft gehalten. Stopp – aufpassen und Mund zu. Es wirkt. «Was bedeutet Respekt», fragt Baumgartner in die Runde, als es still ist. «Aufpassen, wenn jemand spricht», tönt es zurück.

Respekt – ohne funktioniert das Zusammenleben nicht, auch nicht im Klassenverband. Respekt ist aber längst nicht nur Zuhören, sondern beispielsweise auch körperlicher Abstand; der natürliche Abstand zwischen zwei Menschen, das Respektieren der Privatsphäre. Und das Vermeiden von Konflikten, indem man ihnen aus dem Weg geht, sich aus blöden Situationen befreit. Das sollen die Kinder heute mit einfachen Kampfsportübungen lernen.

Den Kindern scheinen die Übungen sichtlich Spass zu machen
7 Bilder
Die Lehrer David Papst (li.) und Andi Greinacher probieren die Übungen gegenseitig aus.
Gespannte Aufmerksamkeit beim Vorzeigen der Kampfsportübungen
Hau ruck - und schon ist die Hand befreit
Kräftemessen mit Lehrer Andi Greinacher
Lehrer Andi Greinacher windet sich aus einem Klammergriff
Lehrerin Ursula Baumgartner erklärt den Kindern die nächste Übung

Den Kindern scheinen die Übungen sichtlich Spass zu machen

Woche für den Zusammenhalt

Die Kampfsportübungen sind ein Teil der Einführungswoche der Sekundarschule Birmensdorf-Aesch. Statt Mathe und Französisch zu büffeln, müssen alle neuen Sekschüler im Wald Feuer machen, Brücken auf Papier konstruieren und Gestelle zusammenbauen. «Die Kinder sollen sich aneinander gewöhnen und in verschiedenen Konstellationen Aufgaben lösen», sagt Lehrer Andi Greinacher. Zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen, David Papst, Ursula Baumgartner, Lenka Bock und Simone Baumgartner, führt er die Woche durch.

Den Kindern dient die Woche dem Zusammenhalt, den Lehrern bietet sie die Möglichkeit herauszufinden, wer eine Alphatierfunktion hat, wer ein Störenfried ist und wer überhaupt nicht integriert ist. Das zeige sich bei diesen Aktivitäten sehr schnell. «Die Kinder müssen hier Sachen machen, die sie aus dem normalen Schulalltag nicht kennen; das verunsichert viele», sagt Greinacher. Ausserdem müssten sie sich hier nicht mehr nur in einer Klasse, sondern in einer fast 60-köpfigen Gruppe profilieren.

Kräftemessen mit Lehrpersonen

Ursula Baumgartner zeigt die Übungen vor; sie ist nicht nur Klassenlehrerin, sondern auch Ju-Jitsu-Trainerin. Was, wenn einer einem am Handgelenk packt? Mit einer Drehung herauswinden oder die eigene Hand packen und nach oben reissen. Und wo ist die schwächste Stelle des Gegners, wenn er einem von hinten umklammert? Die Kinder probieren es aus und staunen, welche Kräfte plötzlich in ihnen stecken. So viel Kraft nämlich, dass sie sich sogar problemlos aus den Klammergriffen ihrer Lehrer befreien können. Und ein Kräftemessen mit den Lehrern, wer lässt sich da nicht gerne darauf ein? Diese jedenfalls geniessen es, dass die Kinder so ungezwungen auf sie zukommen. «Es ist super, die Kinder auf diese Art und Weise kennenzulernen», sagt Lenka Bock.

Durchgeführt werden solche Projekte mit den Erst-Seklern seit rund drei Jahren. So lange also, wie es in Birmensdorf durchmischte Klassen mit A- und B-Schülern gibt. Greinacher: «Wir erhoffen uns, dass diese Woche eine grössere Vertrautheit zwischen den Schülern und den drei Klassen bewirkt und die Vorurteile zwischen ihnen abbaut.»